Vogelschutz brachte Schwalben per Flugzeug in den Süden

NABU-Ortsgruppe feiert morgen 50. Geburtstag

Offenbach-Post

Groß-Zimmern - (bea) Seit nunmehr 50 Jahren gibt es in Groß-Zimmern eine aktive Gruppe Naturschützer.

Begonnen hat es 1959 als „Bund für Vogelschutz“. Seit 1990 sind die engagierten Mitglieder nicht nur in der Gersprenzgemeinde, sondern in ganz Deutschland als NABU (Naturschutzbund Deutschland) bekannt. Am Freitagabend feiern die Zimmerner im Glöckelchen ihr Jubiläum mit einem Rückblick und einem heiteren Vortrag über die Gersprenz.

46 Zimmerner taten sich vor 50 Jahren zusammen, um den Naturschutzbund zu gründen, der sich damals hauptsächlich um das Wohlergehen der Vögel sorgte. Vorsitzender war bis 1985 Willi Mohr. In den Sechziger Jahren wurden Nisthilfen gebaut berichtet der heutige Vorsitzende Jacob.

Nistkästen waren über all die Jahre Thema und werden es wohl auch bleiben. Auch in diesem Jahr zogen die NABU-Mitglieder mit den Pfadfindern in den Wald, um die Kästen zu säubern und gegebenenfalls zu reparieren.

Einige Themen aus der Anfangszeit haben sich heute hingegen erledigt. Damals „kämpften“ die Naturschützer beispielsweise gegen Luftgewehrschützen, die auf Vögel anlegten, aber auch gegen Zeitgenossen, die Wildvögel fingen, um sie im Käfig zu halten. Auch das Abflammen von Feldrainen, bei dem etliche Tiere verbrannten, gibt es heute nicht mehr. Die Zusammenarbeit mit der Presse war schon damals ein wichtiges Anliegen der Naturschützer, eine alte LA-Überschrift „Verbrannte Hecken und angeschmorte Igel“ beweist dies.

In den Siebziger Jahren trat das Waldsterben in den Blickpunkt der Öffentlichkeit. Die Vogelschützer erlebten die Ölkrise, intensivierten ihre Öffentlichkeitsarbeit und machten eine Luftverschickung ganz besonderer Art.

Im Oktober 1974 waren einige hundert Schwalben von einem Kälteeinbruch überrascht worden. Die Tiere wurden mit dem Flugzeug in den Süden gebracht. In den Achtzigern war der Vogelschutz im Bewusstsein der Bevölkerung angekommen.

Ein zentrales Thema beschäftigte die Vereinsmitglieder, dass auch heute noch aktuell ist: Der Aufbau einer Jugendgruppe. Weitere Themen waren die Atomenergie, der Reaktorunfall von Tschernobyl 1986, aber auch die Rheinvergiftung durch das Chemieunternehmen Sandoz.

Damit rückte auch der Gewässerschutz in den Fokus. „Die Gewässer im allgemeinen waren damals viel mehr verschmutzt. Es gab noch nicht so viele Kläranlagen“, erinnert sich der zweite Vorsitzende Herbert Pietsch.

Ende des letzten Jahrhunderts gab es nur noch wenig Aktivitäten des NABU. Nachdem Fritz Fritzges (Vorsitzender von 1985 bis 1994) gesundheitsbedingt seine Aktivitäten weitgehend eingestellt hatte, wurde der Ortsverband kommissarisch vom Kreisverband mit geführt.

Mit der Jahrtausendwende ging es dann mit einem eigenen Ortsverband weiter. Manfred Amann übernahm den Vorsitz mit dem im vergangenen Jahr verstorbenen Georg E. Held. „Dauerthema ist nach wie vor der Vogelschutz, dazu gehört auch die kontinuierliche Bestandserhebung“, sagt Jacob. Hinzugekommen sind die Streuobstwiesen und die Mitarbeit an der Naturschutzscheune am Reinheimer Teich. Beobachtet werden inzwischen verstärkt auch das Vorkommen von Neophyten (Pflanzen, die aus fernen Gegenden bei uns eingeschleppt werden und wie der Riesenbärenklau oder das Indische Springkraut einheimische Vegetation verdrängen können) oder von Amphibien und Insekten.

Der Rückblick am morgigen Jubiläumsabend beginnt um 20 Uhr im großen Saal des Glöckelchen.

Einen unterhaltsamen Vortrag über die Gersprenz, nicht nur unter Naturschutzaspekten, sondern auch in kulturhistorischer Hinsicht , werden Otto, Dirk Alexander und Frank Ludwig Diehl halten.

Im „Hehnes“ gibt es aktuell zwei junge Störche - ein dritter ist kurz nach Pfingsten gestorben. Foto: Dr. Klaus Fette

Kommentare