Nach 46 Jahren ist Schluss

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Werner Wieden verlässt nach 46 Jahren Betriebszugehörigkeit die Firma Friedrich in der Waldstraße.

Groß-Zimmern - Werner Wieden (65) fühlt sich sichtlich wohl an seinem Arbeitsplatz. Wenn er den Blick von seinem Bildschirm hebt, sieht er auf die große Halle mit den Strick- und Wirkmaschinen der Firma Georg und Otto Friedrich. Von Ulrike Bernauer

Der Krach in der Halle erreicht ihn allerdings nicht, das Fenster bietet Schutz. Bald wird Wieden diesen Blick nicht mehr haben, denn am 11. November wird er erst in Urlaub gehen und dann seine Rente antreten. 46 Jahre hat er dann bei der Firma gearbeitet. Wieden hatte eine Lehre als technischer Zeichner abgeschlossen. „Aber das war nichts für mich, den ganzen Tag mit dem Brett vor dem Kopf.“

Im Lager begann er 1968. Hier ging es handfest zur Sache. Damals wurden die Stoffballen, die mitunter bis zu 70 Kilo wogen, noch mit der Hand gewuchtet. Das erledigen heute die Stapler, allerdings wiegen die Stoffballen heute bis zu 600 Kilo. So wie sich das Gewicht der Stoffballen verändert hat, so hat sich auch im Laufe der Jahre die Arbeit verändert. Wieden ist immer noch für das Lager zuständig, aber er sitzt jetzt in der Verwaltung. Gegen den Computer sträubte er sich anfänglich. „Ich konnte mir überhaupt nicht vorstellen, dass das ohne Papier funktionieren soll, aber ich wurde eines Besseren belehrt.“

Heute verbringt er einen Großteil seiner Arbeitszeit vor dem Computer. Anfänglich dachte Wieden noch, ein PC kommt mir nicht ins Haus, aber da er auch digital fotografiert, hat der Computer auch privat Einzug gehalten. Wieden hätte schon früher mit der Arbeit aufhören können. „Aber hier in der Firma hat immer alles gepasst. Ich habe ein gutes Verhältnis zu den Kollegen und ich wohne hier im Ort.“ Pläne für seinen Ruhestand hat er reichlich. Er hat sich schon immer für Musik interessiert, besonders der 60er-Jahre. Vor kurzem hat er sich eine E-Gitarre gekauft. Für die wird er künftig mehr Zeit haben. Den Vorschlag von Geschäftsführer Lothar Vorbeck, bei der Weihnachtsfeier etwas vorzuspielen, lehnte er allerdings erst einmal ab. „Da bin ich noch nicht soweit.“

Wieden ist zwar der Mitarbeiter, der am längsten bei der Firma Friedrich arbeitet, aber außer ihm gibt es noch viele langjährige Mitarbeiter. 25, 30 und 35-jährige Betriebszugehörigkeit sind keine Seltenheit. Ein familiäres Verhältnis bestimmt das Arbeitsklima der rund 80 Mitarbeiter und man stellt auch gerne Familienangehörige von Angestellten oder Arbeitern ein. Die Firma verlässt Wieden ohne Sorgen über die weitere Entwicklung. Wie berichtet will das Unternehmen die Lagerkapazität in der Waldstraße gegenüber der Fertigungshalle ausbauen. Wieden wird er auch in Zukunft gut informiert sein, denn sein Sohn arbeitet seit drei Jahren im Lager, bis zum 11. November noch etwa einen Meter von ihm entfernt. „Mein Sohn wird meinen Arbeitsplatz zum großen Teil übernehmen, da kann ich ruhigen Gewissens gehen.“

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