Nach dem Abi auf die Philippinen

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Pascal Urban betrachtet seinen künftigen Wohnort Quinapondan. Er wird dem LA von seiner Arbeit auf den Philippinen per E-Mail berichten.

Groß-Zimmern (guf) ‐ „Ich wollte immer mal für längere Zeit im Ausland leben“, erzählt Pascal Urban (19). Der Groß-Zimmerner hat eben sein Abitur geschafft, Abschluss mit eins, und wird am 25. August mit dem Deutschen Entwicklungsdienst (DED) auf die Philippinen reisen.

Dort wird er in Quinapondan, einem 12 000 Einwohner großen Bezirk der Provinz Ost Samar, ein Jahr lang für den Deutschen Entwicklungsdienst im Rahmen der Aktion „Weltwärts“ im Einsatz sein.  „Im letzten Jahr hatte ich einen Ferienjob bei der Post im französischen Nantes. Das hat mir richtig gut gefallen“, berichtet der 19-Jährige. Zwar war die Tätigkeit mit Nachtschichten recht anstrengend, habe aber trotzdem Einblick in die Arbeits- und die fremde Welt geboten. „Ich will einerseits helfen und dabei auch Erfahrungen sammeln“, beschreibt Pascal und gibt damit die Zielrichtung der DED „Weltwärts“-Projektes wieder, das sich an junge Leute zwischen 18 und 28 Jahren wendet.

Die Zukunft liegt in Asien“, meint der Abiturient seine Wahl des Kontinents. Im Januar bewarb er sich und bei einem zweitägigen Auswahlseminar wurden unter anderem Teamfähigkeit und Tropentauglichkeit getestet.

Ein hundertprozentiger Tüftler, sagt der Vater

In Samar ist es im Sommer 36 Grad warm, nicht selten verbunden mit hundert Prozent Luftfeuchtigkeit. „Die Landessprache ist Englisch. Die sollte man natürlich beherrschen“, sagt Urban. Weitere Kompetenzen wie hervorragende Computer- und Netzwerkkenntnisse, die er sich unter anderem in dem vom Vater, Peter Urban, mitbegründeten Verein „Doppelklick“ aneignete, kamen ihm zugute. „Pascal ist sehr ehrgeizig und ein absolut hundertprozentiger Tüftler“, beschreibt sein Vater. Auch für die sportliche Betätigung, das Tennisspielen, gab es wohl Pluspunkte. Erwartet werden zudem Einfühlungsvermögen, Geduld im Umgang mit anderen Menschen, Flexibilität und die Fähigkeit, in ländlicher Umgebung und einfachen Verhältnissen leben zu können. „Nach einer Woche hatte ich die Zusage“, erinnert sich Pascal stolz. Die Hälfte der rund 1 000 Bewerber erhielten eine Absage.

Gemeinsam mit weiteren 70 jungen Entwicklungshelfern wird er nun am 25. August für ein Jahr auf die Philippinen reisen. Seit gestern befindet sich die Gruppe zu einem zehntägigen Vorbereitungsseminar im Harz.

Hier lernen die Teilnehmer viel über Land und Leute, aber auch über Konflikt- und Krisenmanagement. Außerdem wird die örtliche Sprache „Waray Waray“ unterrichtet.

Unterstützung bei der Einrichtung eines lokalen Netzwerkes

Eine sehr spannende Landesgeschichte. Spanier, Chinesen und Amerikaner haben Spuren hinterlassen“, berichtet der Abiturient, der im Vorfeld natürlich schon viel gelesen hat. Außerdem hat er von seinem Vorgänger reichlich Informationen sowie Eindrücke und Bilder erhalten. „Ich kann auch die Wohnung übernehmen“, erzählt er und zeigt zufrieden Bilder von der kleinen Hütte.

Pascal wird die Erstellung einer offiziellen Website für die örtliche Verwaltung unterstützen und bei der Einrichtung eines lokalen Netzwerkes zwischen den verschiedenen Büros mitarbeiten. Außerdem soll er die Kenntnisse der Gemeindebediensteten von Quinapondan im Bereich der Informationstechnologie voran bringen.

Bevor es jedoch soweit ist, wird er noch einmal in Manila zwei Wochen lang geschult. „Ich weiß noch nicht genau, was ich alles einpacken werde. Wir dürfen nur 20 Kilo Gepäck mitnehmen, allein meine Technikausrüstung wiegt mehr“, meint Pascal grübelnd.

Gemächlicher Arbeitsrhythmus: eine angenehme Seite

Doch die Begrenzung ist sinnvoll, denn der Einsatzort ist nur nach sechstägiger Schiffsreise zu erreichen.

Ich mache mir keine Sorgen“, sagt Pascal und richtet den Blick auf angenehme Seiten. „Ich habe einen Tutor im Nachbarort, ein gutes Taschengeld und bei den Leuten sind wir gern gesehen. Der Bürgermeister hat schon gefragt, ob ich Tennis unterrichten kann. Außerdem ist der Arbeitsrhythmus vor Ort wohl sehr gemächlich und ich habe ja zwei Wochen Urlaub.“ Vermissen werde er wohl sein Klavier.

Die Eltern hingegen stöhnen bereits jetzt. „Wir haben ihn zwar unterstützt, aber ein Jahr ist doch sehr lange. Außerdem wird er mir beim Wahlkampf fehlen“, sagt der FWG-Bürgermeisterkandidat Peter Urban nicht ohne stolz.

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