Fastnachtsumzüge und Maskenbälle gab es einst auch in Groß-Zimmern

Närrische Traditionen

Unter dem Motto „Zauber von Paris“ fand Anfang der 1950er-Jahre der Maskenball des Männergesangvereins in der „Linde“ statt.
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Unter dem Motto „Zauber von Paris“ fand Anfang der 1950er-Jahre der Maskenball des Männergesangvereins in der „Linde“ statt.

Groß-Zimmern – Wer an gelebte Fastnachtstraditionen denkt, verbindet automatisch damit die Nachbarkommune Dieburg. Doch weit gefehlt. Schon seit Beginn des vergangenen Jahrhunderts gibt es närrische, die gesamte Gemeinde betreffende, Aktionen auch in Groß-Zimmern.

So berichtete der Odenwälder Bote im Februar 1903 beispielsweise von einem „Maskenzug vom Kaisersaal ab durch die Straßen von Groß-Zimmern“, dem abends ein „großer Maskenball arrangiert von Dir. Würtenberger unter Mitwirkung seines Theater-Personals“ im Kaisersaal folgte. „Ob dies eine einmalige Sache war oder weitere Veranstaltungen dieser Art folgten, lässt sich heute nicht mehr nachvollziehen“, sagt Manfred Göbel, der bereits 2004 einen Vortrag über „Fastnacht in Groß-Zimmern“ beim Glöckelchenverein hielt, und ergänzt: „Nachweislich und mit verschiedenen Bildern dokumentiert sind jedoch weitere Fastnachtsumzüge in der Nachkriegszeit des Zweiten Weltkrieges.“ An diesen waren verschiedene Vereine beteiligt, die ihrerseits auch Kappenabende und Feiern veranstalteten. Darüber hinaus gab es in der Gersprenzgemeinde noch Fastnachtsmaskenbälle, die mit viel Liebe zum Detail ausgerichtet wurden, Lebens- und Feierfreude vermittelten sowie vereinsübergreifend Besucher anlockten.

„Aus dem Männer-Gesangverein ging 1946 die Bühnen-Gemeinschaft Thalia hervor, die am 25. Januar 1947 im Saalbau Zur Linde die Faschingsrevue ,Leuchtende Sterne’ ausrichtete“, berichtet Göbel weiter. Dem Publikum wurden in einem mehrstündigen Programm Theater, Tanz, Gesang und Vorträge geboten. Innerhalb der Sängervereinigung gründete sich 1950 die Karneval-Gesellschaft „Narhalla“, die fast 15 Jahre bestand. Unter dem Präsidenten Hermann Engelhardt sowie ab 1962 unter seinem Nachfolger Reinhold Ritter fanden ebenfalls im Saalbau „Zur Linde“ prunkvolle Karnevalssitzungen statt. Darüber hinaus wurden in der Lokalität prächtige Themen-Maskenbälle organisiert. „Bereits Ende der 1960er-Jahre veranstaltete der Arbeitergesangverein (AGV) seine ersten Maskenbälle im Kaiserhof, während die letzten dann in der Mehrzweckhalle stattfanden“, erinnert sich Gaby Geier, die diese immer gerne besucht hatte. Als die Besucher Mitte der 1980er-Jahre weniger wurden, ging der Verein zur närrischen Singstunde über.

Der fünften Jahreszeit huldigt zudem seit 1971 die Pfarrfastnacht, über die unsere Zeitung anlässlich des 50-Jahr-Jubiläums kürzlich berichtete. Ebenfalls mit dem Ziel, Fastnachtssitzungen zu veranstalten, gründeten 1977 das 1. Fanfarencorps und der Turnverein die Zimmerner Carnevalsgesellschaft (ZCG). Diese feierte unter der Leitung von Karl Daab am 11. November 1977 mit einer ausverkauften Sitzung mit anschließendem Tanz in der TV-Turnhalle Premiere. Das aus Tanz, Büttenreden und Gesangsdarbietungen bestehende Programm der bis 1983 bestehenden ZCG wurde den Besuchern abwechselnd in der alten TV-, der Athleten- und in der Mehrzweckhalle präsentiert. „Die Zimmerner Fastnacht erreichte 1980 einen Höhepunkt“, erzählt Göbel und verweist auf den entsprechenden Veranstaltungsfahrplan: „Unter dem Motto ,Ob im Saal, ob uff de Gass – in Zimmern macht die Fastnacht Spaß’ gab es zwei Fastnachtssitzungen von der ZCG in der Athletenhalle und der Pfarrgemeinde im Kaiserhof, vier Maskenbälle im Kaiserhof vom Fanfarencorps, der Chorgemeinschaft, dem AGV sowie dem TC und FSV. In der Turnhalle lud der Turnverein zum Faschingstreiben, während der FSV in der Radfahrhalle, die Olympia im Schützenhaus und die Angler im Anglerheim ihre Kappenabende feierten.“

Doch damit war noch lange nicht Schluss. Sowohl in Groß- als auch in Klein-Zimmern wurde weiterhin kräftig die fünfte Jahreszeit gefeiert – wenngleich sich die Veranstaltungsformate wandelten. In Klein-Zimmern lädt zum Beispiel die Viktoria seit 1994 zu ihren großen Fastnachtssitzungen in die Halle des St. Josephshauses ein. Seit mehr als 35 Jahren kommen Frauen aller Konfessionen zur „Weiberfastnacht“ am „lumpigen“ Donnerstag vor dem Fastnachtswochenende zusammen. „Die Anfangsjahre waren geprägt von ökumenischen Beiträgen. Zu den langjährigen Büttenrednerinnen gehörten unter anderem Christel Sänger, Bärb Lauer, Elfriede Burger, Elisabeth Schaffer und Katharina Fischer“, erinnert sich Rosemarie Busch-Maiwald, die von 2002 bis 2017 mit Roswitha Rudolph die Organisation innehatte. Ergänzend dazu gab es diverse Showauftritte. Auch wenn das närrische Treiben der Gersprenzgemeinde in diesem Jahr aussetzen muss, wird es bestimmt 2022 mit vielen neuen Ideen, langjährigen und neuen Akteuren bunte Veranstaltungsknospen treiben.

Von Martina Emmerich

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