Nasskaltes Frühjahr und späte Saat

Kartoffeln bleiben klein

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Einsatz für den Kartoffelernter: Landwirt Jörg Dressel bewirtschaftet auch Felder bei Ober-Ramstadt (im Bild).

Groß-Zimmern - Das Wetter war in diesem Jahr für etliche Feldfrüchte eher ungünstig. Dazu gehört auch die Kartoffel. Das Frühjahr war einerseits zu feucht und dann auch noch viel zu kalt. In der Folge konnten die Bauern die Kartoffeln erst sehr spät setzen. Von Ulrike Bernauer

Dies wiederum führte dazu, dass die Erdäpfel kleiner sind als sonst.  „Normalerweise verkaufen sich richtig große Kartoffeln nicht besonders gut“, sagt Landwirt Jörg Dressel, der mit Kollege René Sander den Dresselhof betreibt. „In diesem Jahr sind Kartoffeln über einer Größe von 65 Millimeter gefragt, weil sie kaum ein Landwirt hat.“ Klein sind die Kartoffeln geblieben, weil durch das späte Frühjahr die Vegetationsperiode recht kurz war, die Feldfrüchte also keine Zeit hatten, um zu dicken Kartoffeln heran zu wachsen. Die Ernte wird insgesamt geringer ausfallen als in den vergangenen Jahren, was sich auch leicht auf den Preis auswirken wird. Bundesweit wird mit einem um 10 bis 15 Prozent geringeren Ertrag gerechnet als im Vorjahr. Das ist die geringste Ernte seit der Wiedervereinigung. „Im Dresselladen gibt es trotzdem zurzeit den 25-Kilo-Sack für zehn Euro“, beruhigt Dressel die Verbraucher. „Die Kartoffel bleibt damit das preisgünstigste Grundnahrungsmittel, das wir haben.“

In dieser Woche war der Zimmerner Landwirt mit seinem Kartoffelvollernter nicht in der Gemarkung seiner Heimatgemeinde unterwegs, sondern erntete auf einem Feld in der Nähe von Ober-Ramstadt. Kartoffeln sollte man nicht häufiger als alle fünf Jahre auf demselben Acker ausbringen, deshalb tauscht Dressel seine Äcker mit anderen Landwirten, die beispielsweise Getreide anpflanzen. Wegen der Fruchtfolge ist es viel günstiger, wenn sich die Erdäpfel mit anderen Kulturen wie Mais oder Getreide abwechseln. Auf einem seiner Äcker in Groß-Zimmern wird stattdessen Weizen angebaut. Insgesamt hat Dressel auf etwa 60 Hektar Kartoffeln angepflanzt und rechnet mit 2 500 Tonnen Ernte.

Auf dem Vollernter, einem mächtigen Gefährt, das vom Traktor gezogen wird, stehen die Erntehelfer Paul, Michail und Alexander. Die Kartoffeln werden aus der Erde geholt und auf einem Fließband nach oben befördert. Dort lesen die drei Arbeiter faule Kartoffeln und große, feuchte Erdklumpen aus. Da haben es die Bauern in Gegenden mit leichteren Sandböden wesentlich einfacher, ihre Feldfrüchte kommen viel sauberer aus dem Boden. „Viele Landwirte sagen, Kartoffelanbau lohnt sich eher bei sandigeren Böden“, sagt Dressel. „Aber ich finde, die Kartoffeln aus unseren schwereren Böden, schmecken einfach besser.“ Bevor die Kartoffeln in den zwei Hallen eingelagert werden, die Dressel und Sander extra gebaut haben, um möglichst lange frische Kartoffeln aus der Region liefern zu können, laufen sie noch einmal über ein Band. Wieder werden schlechte Früchte, Steine und Erde aussortiert. Dann kommen die Kartoffeln in die Kühlhalle zum Winterschlaf. Zwar wird ein Großteil des Ertrages im Dresselhof direkt vermarktet, aber alle Erdäpfel kann der Landwirt nicht direkt an den Verbraucher bringen. Deshalb hat er eine Packstation, in der die Feldfrüchte in Tüten gefüllt und dann an die Edeka- oder Rewe-Märkte der Region geschickt werden. Ein guter Teil der Ernte wird aber auch weiter verkauft an große Abnehmer, die dann wiederum andere Supermärkte beliefern.

Auf dem Fließband werden Erde, Pflanzen und faule Kartoffeln gleich aussortiert.

Trotz der widrigen Wetterbedingungen in diesem Jahr ist Dressel gerne Landwirt. „Ich liebe meinen Beruf und möchte nicht tauschen“, sagt er. Dass die Preise aktuell um einige Cent höher liegen als im letzten Jahr, findet er gerechtfertigt. Schließlich hat der Bauer auch hohe Ausgaben, allein der Traktor und der Kartoffelvollernter, den er sich angeschafft hat, kosten soviel wie ein Reihenhaus. Dennoch hat Dressel diese Investitionen wohl überlegt getätigt. „Ich habe nach einer Kultur gesucht, die hier kaum angebaut wird, und dazu gehört eben die Kartoffel. Sie wird in unserer Gegend kaum kultiviert, weil das früher ohne die Maschinen sehr arbeitsintensiv war.“ Dressel und Sander bauen auf ihren Feldern auch noch Zuckerrüben, Mais und ein wenig Getreide an. Die Hauptkultur ist jedoch die Kartoffel. Dressel bittet auch um mehr Verständnis für die Arbeit der Landwirte. „Naturgemäß werden bei der Ernte in einem solch feuchten Herbst auch Feldwege und Straßen verschmutzt, aber irgendwie müssen wir unsere Ernte ja schließlich einbringen.“

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