Begutachtung mit dem NABU ein Jahr nach Abschluss der Renaturierungsmaßnahmen

Natur erobert den Erbsenbach zurück

Uwe Avemarie zeigt am Erbsenbach einen Egel.

Groß-Zimmern (bea) - Vielfältig ist die Struktur des renaturierten Erbsenbaches schon nach einem Jahr geworden. Auch wenn das der erste Blick nicht gleich offenbart.

Der Naturschutzbund (NABU) hat kürzlich zur Führung „ein Jahr danach“ eingeladen und für einen Experten, den Wasserbauingenieur Uwe Avemarie, gesorgt, der den Exkursionsteilnehmern nicht nur viel erzählen, sondern auch viele Fragen beantworten kann.

Vor rund einem Jahr wurde die Maßnahme am Erbsenbach abgeschlossen. 95 000 Euro hat sie insgesamt gekostet, der Anteil der Gemeinde lag bei 25 000 Euro, der Rest wurde über Fördermittel finanziert. „Das war eine sehr preiswerte Maßnahme“, erklärt Fachmann Avemarie, der die Renaturierung im letzten Jahr für die Untere Wasserbehörde begleitete. „Bei einer Länge von über einem Kilometer hat die Gemeinde nicht einmal 2 000 Euro pro hundert Meter Gewässerlänge bezahlt.“

Dass es vergleichsweise preiswert wurde, dafür hat auch ein Umdenken bei derartigen Maßnahmen gesorgt. Noch vor zehn Jahren wurden am renaturierten Bachbett Pflanzen und Tiere wie Fische oder Insekten eingebracht. Darauf verzichtet man heute ganz. Die Arbeiten am Erbsenbach bestanden im Wesentlichen aus den Baggerarbeiten, wobei parallel zum alten Graben ein neues Bachbett ausgehoben wurde. Schon nach einem Jahr haben sich zahlreiche Pflanzen angesiedelt, unter anderem Weiden, der Huflattich, der Rohrkolben und das Scharbockskraut.

„Was sich von selbst ansiedelt, dass gedeiht dann auch dauerhaft“, sagt Avemarie.

Der NABU-Vorsitzende Lothar Jacob stellt dann stellvertretend für viele Zimmerner eine Frage, die Avemarie schon oft gehört hat. „Warum hat man nicht beide Stränge wasserführend gelassen, sondern das alte Bachbett von der Wasserzufuhr abgeschnitten?“. „Eines der beiden Gewässer verlandet wieder“, so die Antwort des Wasserbauingenieurs, „und das ist meist das Neue. Wasser sucht sich immer den schnellsten Weg und das wäre in diesem Fall der Graben gewesen.“

Mit verschiedenen Maßnahmen hat man versucht, die Fließgeschwindigkeit des Erbsenbachs herabzusetzen. Totholz, größere Äste, aber auch halbe Baumkronen liegen im Flussbett, sie setzen nicht nur die Wassergeschwindigkeit herab, sondern hinter ihnen bilden sich auch kleine Inseln im Bach.

Diese vielfältige Struktur ist wichtig für Lebewesen, die sich im Bach ansiedeln sollen, oder die dort schon leben. Fische haben die Wanderer am Samstag zwar keine gesehen, aber Avemarie versichert, dass sich auch ganz schöne Brocken im Wasser befinden. Lässt man der Natur ihren Lauf, so kann sie auch viel selber bewirken.

Zwei relativ tiefe Strudellöcher (Kolke) sind im Bachbett ganz von selbst entstanden. Bei dem einen ist das Wasser wohl 1,50 Meter tief. Hier können sich die Fische verbergen, aber „man könnte hier ein Naturschwimmbecken einrichten“, scherzt Avemarie.

Ganz anders will es die Gelbbauchunke haben. Sie braucht zwar feuchte Stellen, aber die sollen eher flach und schlammig sein. „Wenn diese Abschnitte im Sommer ab und zu trocken liegen, dann kann die Gelbbauchunke sicher sein, dass kein Fisch in diesen Bereich kommt, der dann ihren Laich wegfrisst“, erklärt Biologe Jacob.

Fasziniert betrachten die Naturfreunde dann beim zweiten genaueren Hinschauen, was sich an Leben schon im Erbsenbach angesiedelt hat. Avemarie holt einen Stein aus dem Bachbett und zeigt die Unterseite. Schnell krabbelt ein Wasserfloh weg, die Larven der Wasserschnecken können nicht flüchten. Ganz fasziniert betrachtet der jüngste Teilnehmer der Exkursion, der 11-jährige Felix, einen glitschigen Egel

Man hat das alte Bachbett nicht mit dem Aushub verfüllt, damit sich im neuen Flusslauf schneller neues Leben ansiedelt. „Die Tiere, die noch im Graben leben, können sich nach und nach zum renaturierten Teil hinüber ziehen“, erklärt der Wasserbauingenieur. Für den Hochwasserschutz hat man gleichzeitig auch etwas getan.

Sollte mal wieder extrem viel Wasser kommen, dann kann dieses auch erst mal den alten Graben füllen, bevor es die Äcker der angrenzenden Landwirte überflutet.

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