Naturschutzgebiete im Kreis Darmstadt-Dieburg: Für Pflege und Erhalt der 16 Flächen ist Hessen Forst zuständig

Ganz unterschiedliche Charaktere

An der Natur wurde in der Vergangenheit viel Raubbau betrieben. Mittlerweile hat man dazugelernt, auch im Landkreis, wo etwa einst begradigte Gewässer rückgebaut werden, wie der Erbsenbach bei Groß-Zimmern. Insgesamt gibt es derzeit 16 Naturschutzgebiete (NSG) von sehr unterschiedlicher Größe im Ostkreis.

Försterin Lisa Wettklo und Wolfgang Heimer am Greifvogel-Schild. Es informiert, dass dieser Teil des Taubensemd nicht betreten werden darf.

Die Gelände wurden zwischen 1975 und ‘99 ausgewiesen, wobei häufig der Langstädter Otto Diehl den Anstoß dafür gab. Bei weiteren zeichnete Dr. Wolfgang Heimer, bis 2015 Leiter des Fachbereichs Natur-, Gewässer-, Bodenschutz und Landschaftspflege bei der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises, verantwortlich. Diehl, Jahrgang 1926 – er gründete 1958 die Langstädter Ortsgruppe des heutigen Naturschutzbundes (Nabu) – ist im Jahr 2018 verstorben. Heimer kümmert sich nach seiner Pensionierung noch immer um den Naturschutz und ist auch Ansprechpartner für einige Gebiete im Landkreis.

Allerdings geschieht das ehrenamtlich, denn offiziell ist für Pflege und Erhalt der NSG der Landesbetrieb Hessen Forst zuständig. Ansprechpartner und Verantwortlicher ist der Förster Stefan Rickert, der beim Forstamt Dieburg den Bereich Dienstleistung und Hoheit leitet. Die 16 NSG sind nicht nur unterschiedlich alt, sie variieren auch stark in der Größe. So ist die Scheelhecke zwischen Groß- und Klein-Zimmern mit vier Hektar das kleinste, ein wenig größer ist das Das große Hörmes bei Dieburg mit 12,54 Hektar, und die Fohlenweide mit 23,61 Hektar beansprucht noch ein wenig mehr Platz. Die Hegbachaue bei Messel ist mit 228 Hektar das größte NSG im Landkreis, während der Taubensemd zwischen Habitzheim, Semd und Groß-Umstadt zu den kleineren Gebieten gehört. Ausgewiesen wird ein NSG durch eine Naturschutzgebietsverordnung. In ihr werden die Lage, die Größe und die Grenzen ausgewiesen, das Forstamt verfügt über die entsprechenden Karten. Auch der Zweck oder Anlass für die Ausweisung zum NSG ist in der Verordnung festgelegt, im Falle der Scheelhecke etwa das „Feuchtgebiet als vielfältigen Lebensraum seltener und bedrohter Tierarten zu entwickeln und zu sichern“. Der Charakter der Gebiete unterscheidet sich stark. So gehören zwar auch die Hörmeswiese und die Fohlenweide zu den Feuchtgebieten, sie haben aber durch ihre offene Lage andere Bewohner und einen ganz anderen Bewuchs.

Was für alle NSG gilt, ist ebenfalls in der Verordnung festgeschrieben. So ist es unter anderem verboten, bauliche Anlagen zu errichten, Bodenschätze abzubauen sowie Pflanzen zu entfernen und Tieren nachzustellen. Pflanzen und Tiere sollen auch nicht ins Gebiet eingebracht werden. Heimer ist zudem wichtig, dass die Wege nicht verlassen und die Hunde immer an der Leine geführt werden. Ein Schild informiert darüber, wo das geschützte Gebiet beginnt, und in der Regel gilt dort ein Betretungsverbot.

Das Forstamt entwirft die Pflegepläne für die NSG. „Wann muss man eine Wiese mähen, wie geht man mit dem Wald um, wo legt man einen Tümpel an?“, so umschreibt Rickert die Arbeiten, die das Forstamt nicht nur plant und zum Teil selbst ausführt. Mitunter werden mit Pflegemaßnahmen Unternehmer beauftragt, die auch sonst im Wald arbeiten, beispielsweise bei der Holzernte. Eigentlich gilt ein Pflegeplan für zehn Jahre, aber manchmal kommt die Behörde nicht mit der Aufgabe nach, den Plan zu erneuern. Es gibt unterschiedliche Gebietskategorien. Während die Scheelhecke ursprünglich ein echtes NSG ist, das man nicht betreten darf, gibt es noch die FFH- oder Natura 2000-Gebiete, um die sich die Untere Naturschutzbehörde des Kreises kümmert. Diese sind oft größer und nicht so streng geschützt. So gehört zum Beispiel die Scheelhecke auch zur umfangreicheren Einheit Untere Gersprenz, die am Reinheimer Teich (ebenfalls ein echtes NSG und mit Ausweisung im Jahr 1975 das älteste im Kreis) beginnt, sich über Groß-Zimmern zieht, und dann in den Hergershäuser Wiesen ihre Anschluss findet.

Von Agnes Badener

Rubriklistenbild: © Agnes Badener

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