Naturschutzprojekt "Messeler Hügelland"

Anschubhilfe fürs Ökosystem Wald

+
Einer von 130 Tümpeln, die im Rahmen des Naturschutzprojektes Messeler Hügelland angelegt wurden: Im Minigewässer zwischen Dieburg und Groß-Zimmern tummelten sich in diesem Frühjahr eine Vielzahl von laichenden Amphibien.

Darmstadt-Dieburg - Die heimischen Wälder erfüllen eine Vielzahl von Aufgaben: Sie dienen als Freizeitregion, Holzlieferanten, Wasserspeicher, regulieren das Klima und bieten einer Vielzahl von Tieren eine Heimat. Von Ursula Friedrich

Menschliche Eingriffe haben das Gesicht des Waldes stark verändert, Flora und Fauna dezimiert. Im Naturschutzprojekt „Messeler Hügelland“ wird seit 2010 versucht, verlorenen Boden wieder gutzumachen.

Kleine Tümpel und Amphibiengewässer wurden angelegt, Hirschkäferwiegen gebaut, Hinweisschilder aufgestellt, kleine Lichtungen geschaffen. Seit fast vier Jahren wird im Naturschutzprojekt Messeler Hügelland mit kleinem Budget versucht, eine natürliche Vielfalt von Waldlebensräumen zu schaffen.

Angesichts Jahrhunderte langer Ausbeutung der Wälder, Klimawandel und Zivilisationsdruck, Wegebau, der Anlage von Monokulturen und dem Rückschnitt natürlicher Waldränder durch nachdrängende Landwirtschaft, schien dieser Versuch wie der biblische Kampf Davids gegen Goliath.

Doch bei der jüngsten Erkundungstour durch Waldareale Groß-Zimmerns und Dieburgs zeigten sich kürzlich viele kleine Erfolge. Seltene Pflanzenarten, die auf der Roten Liste stehen, sind inzwischen wieder heimisch, die Vielfalt von Amphibienpopulationen ist nachweisbar, selten gewordene Vögel kehren zurück. „Nur die Existenz des Ziegenmelkers ist nicht bewiesen“, bedauerte der Groß-Zimmerner und Kreis-Vorsitzende des NABU, Dr. Lothar Jacob. „Dafür sind Laub- und Moorfrosch, Gelbbauchunke und immerhin die Waldschnepfe nachgewiesen worden.“

Insgesamt umfasst das Messeler Hügelland 9 000 Hektar Fläche der Kommunen Groß-Zimmern, Dieburg, Eppertshausen, Münster, Roßdorf, Darmstadt und Messel. „Das starke Auftreten des Pillenfarns ist eine kleine Sensation“, sagte Uwe Avemarie von der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Darmstadt-Dieburg. Insbesondere im Faulbruch Münsters fühlt sich die selten gewordene Pflanze heimisch.

Am Beispiel des Pillenfarns lässt sich ableiten: Das Naturschutzprojekt ist auch für Botaniker ein Erfolgsmodell. Wenngleich mit einem Jahresbudget von 50 000 Euro relativ bescheidene Mittel zur Verfügung stehen.

Die Kooperation von Forstämtern, Naturschutzverbänden und Kommunen trägt jedoch Früchte. Maxime allen Handelns ist, die Biodiversität des Lebensraumes Wald wieder herzustellen. Damit ist die biologische Vielfalt allen Lebens gemeint. „Unsere Eingriffe finden bei der Bevölkerung nicht immer Verständnis“, sagte Revierförster Martin Starke – etwa wenn kleine Fläche mit gesund scheinenden Bäumen gerodet werden. Diese Maßnahme dient der Ansiedlung wärmeliebender Arten, die sich auf sonnigerem Terrain ansiedeln. Insgesamt wurden 130 Tümpel zwischen 20 und 350 Quadratmetern Größe angelegt, sechs Hirschkäferwiegen gebaut, Hinweisschilder platziert und mehr.

„Bis Ende des Jahres wollen wir besonders im Bereich Dieburg noch richtig klotzen“, sagte Avemarie. Ein Tümpel auf der Langwiese, Renaturierungsprojekte im Bereich des Stickesgrabens, der Tonlöcher und im kleinen Hörnes stehen auf dem Programm. Überall werden Schutzmaßnahmen und Neuanpflanzungen (875 Stück) des Wildapfels durchgeführt.

Für die Umweltschützer, die sich in diesem Kleinod, einem der größten südhessischen Waldgebiete, um vielfältige Arten bemühen, tickt die Uhr.

Ende 2014 läuft das Projekt aus, das einst von der Hessischen Ministerin Silke Lautenschläger angestoßen wurde. Werden die Mittel dann auf Null heruntergefahren, könnte vieles zunichte gemacht werden, was sich derzeit so vielversprechend entwickelt. Bislang wurden im Messeler Hügelland 175 Pflanzengemeinschaften nachgewiesen. 104 bestandsbedrohte Pflanztenarten und 156 Tierarten der Roten Liste sind hier nach jüngsten Erkenntnissen heimisch.

Doch das Ökosystem Wald, von Menschenhand verändert und beschnitten, benötigt weiterhin Anschubhilfe, um in seiner Vielfalt zu überleben.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare