Notwendige Erweiterung der Gesamtanlage muss einige Jahre auf sich warten lassen

Neue Halle für den Klärschlamm

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Bauamtsleiter Klaus Keller (rechts) und Abwassermeister Edmund Linke inspizieren das Becken.

Groß-Zimmern - „Wir optimieren jetzt für später“, sagt Diplom-Ingenieur Klaus Keller, der Bauamtsleiter von Groß-Zimmern. Keller spricht von der Kläranlage, die viele Groß-Zimmerner als „neue Kläranlage“ bezeichnen, die aber inzwischen schon über 20 Jahre alt ist und damit nicht mehr auf dem neuesten Stand der Technik. Von Ulrike Bernauer

Zudem kommen immer neue Umweltrichtlinien hinzu. Zuletzt gab es eine Verschärfung der EU für die Grenzwerte der Belastungen. Eine Verbesserung der Wasserqualität soll bis 2015 erreicht werden, wobei jetzt schon absehbar ist, dass es bei bestimmten Parametern eine Verlängerung bis 2027 gegeben wird. „Das ist beispielsweise bei der Belastung des Abwassers mit Medikamenten der Fall“,sagt Abwassermeister Edmund Linke. So mancher Zeitgenosse entsorgt Arzneireste noch immer über die Toilette, aber schon die Rückstände, die über Ausscheidungen in das Abwasser gelangen, machen sich deutlich bemerkbar.

Was am äußeren Rand des Beckens braun brodelt sind Bakterien, die die letzte Reinigung des Wassers vornehmen. Innen ist das klare Wasser, das zum Abfluss in die Gersprenz bereit ist und in dem einst Goldfische waren.

Hier wird die neue Halle für Klärschlamm gebaut“,erklärt Linke und zeigt auf eine Fläche hinter den Verwaltungsgebäuden. Das wird der erste, der in den nächsten Jahren fälligen Bauabschnitte. 500 Quadratmeter Fläche soll die neue Halle bieten und mit maschinentechnischer Ausrüstung für die Entwässerung des Klärschlammes rund 800 000 Euro kosten. Die Halle soll den entwässerten Klärschlamm aus den großen Sammelbecken aufnehmen, an denen sich noch Methangas bildet, das zur Erzeugung von elektrischem Strom benutzt wird. Für Abwassermeister Linke wird die neue Halle, die noch in diesem Jahr fertig gestellt werden soll, eine große Arbeitserleichterung und für das Zimmerner Wasser eine deutliche Verbesserung. Das Abwasser, das aus dem Klärschlamm noch herausgepresst wird, ist stark belastet und muss natürlich wieder der Kläranlage zugeführt werden. „Früher nahmen die Landwirte der Umgebung den Klärschlamm ab und sprühten ihn als Dünger über ihre Felder“, erklärt Linke.

Das wird heute nicht mehr gemacht, weil die Genehmigungsverfahren zu zeitaufwendig sind. Folglich kommt ein weiteres Lohnpresser zum Einsatz, der den Schlamm trocken presst. Der ist allerdings daran interessiert, so viel wie irgend möglich in kurzer Zeit zu pressen. Eine hohe Abwasserfracht aus dem Schlamm in kurzer Zeit ist dann ebenfalls unausweichlich.

„In Zukunft können wir unseren Schlamm zwischenlagern und dann pressen, wenn keine hohe Belastung der Anlage gegeben ist“, sagt Linke. Die über kurz oder lang notwendige Erweiterung der Gesamtanlage wird noch ein wenig auf sich warten lassen.„Wir sind in der Phase der Bedarfsanalyse“, sagt Bauamtsleiter Keller. Ingenieursbüros der Umgebung werden zur Zeit damit beauftragt. Viele Faktoren fließen in die Analyse ein. Die Bevölkerungszahl muss natürlich berücksichtigt werden, aber auch die zukünftige Einwohnerentwicklung ist von Bedeutung.„Neue Baugebiete lassen sich relativ leicht kalkulieren, weil hier das Abwasservolumen einfach zu berechnen ist“, sagt Keller. Schwierig wird es bei neuen Gewerbegebieten. Produzierende Betriebe leiten ein Vielfaches an verschmutztem Abwasser in den Kanal ein und da man vorher nicht weiß, welche Betriebe sich möglicherweise in der Gemeinde ansiedeln werden, ist eine Bedarfsanalyse recht schwierig zu bewerkstelligen. Aber die Gemeinde hat bis 2013 Zeit und so will man jetzt auch nichts übers Knie brechen. „Bisher halten wir unsere Abwassergrenzwerte immer noch sehr gut ein“, sagt Abwassermeister Linke.

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