Neuer Kindergarten soll auf den Festplatz

Groß-Zimmern - Es war nicht der große Wurf, der den Kommunalpolitikern in der Sondersitzung desSozial-, Sport- und Kulturausschuss (SSK) gelang. Von Ursula Friedrich

Im Ringen um eine Lösung, wie der Bedarf an gesetzlich vorgeschriebenen Kindergartenplätzen für Nachwuchsbürger zu erfüllen ist, wurde allenfalls ein Etappenziel erreicht.

Die Vertreter von Union und Sozialdemokraten stimmten am Dienstagabend für den Neubau eines Kindergartens auf dem Zimmerner Festplatz in der Angelgartenstraße. Grüne und das Bündnis aus Freien Wählern, FDP und Auf-Partei (FFA) enthielten sich.

Vorgesehen ist ein Mischmodell. Die Kindertageseinrichtung soll 40 Kids unter drei Jahren (U3) in vier Gruppen Platz bieten. Auch für ältere, über Dreijährige (Ü3), wird in zwei Gruppen a 25 Knirpsen ein Betreuungsangebot geschaffen. „Es wir eine Menge Geld kosten“, kommentierte Bürgermeister Achim Grimm den Entschluss, „aber wir müssen es schultern“. Die Anhebung der Kindergartengebühren müsse daher ebenfalls in den kommenden Wochen Thema sein, so das Gemeindeoberhaupt.

Kosten von insgesamt 2 Millionen Euro

In einer ersten Kostenschätzung der Verwaltung werden die Baukosten für einen Neubau etwa 1,745 Millionen Euro betragen, zusätzlich wären 150.000 Euro für die Außenanlage sowie weitere 105.000 Euro für die Ausstattung des Neubaus nötig. Summa summarum: Zwei Millionen Euro sind zu berappen. Etwa 600 000 Euro, so erste Hochrechnungen, könnten als Zuschüsse vom Land Hessen nach Zimmern fließen.

Unisono verwarfen die Vertreter der Volksparteien jedoch den Anbau kleinerer Module an bestehende Einrichtungen. Dies sei „Flickschusterei“, womöglich gar teurer, so Stadtjugendpfleger Tom Hicking. Und pädagogisch wenig sinnvoll, knüpfte Nadine Schild an. Die Leiterin der Kita Wichernweg malte mit Schrecken die Vision einer Mammuteinrichtung von 150 Kindern und mehr. Als alternative Standorte für einen Neubau waren der Gemeindesportplatz am Hallenbad und ein kommunaler Bauplatz in der Bahnstraße schnell vom Tisch. Der Festplatz punktet unter anderem mit der guten sozialen Anbindung, etwa an Grundschule und Jugendzentrum.

Mit Modell den gesetzlichen Vorgaben Rechnung tragen

Die Kommune, die als einzige Gemeinde im Kreis bis dato nicht einmal das gesetzlich vorgeschriebene „Soll“ an Kindergartenplätzen für Dreijährige bietet, würde mit diesem Modell den gesetzlichen Vorgaben Rechnung tragen. Am 1. August 2013 haben 35 Prozent aller U-3-Bürger einen Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz.

Derzeit kann die Gemeinde 15 U-3 Plätze bieten, hinzu kommt das Angebot der privaten Einrichtung Kinderfreiträume und des Tagesmutterhauses Flitzefloh. Die Nachfrage ist deutlich höher.

Zur Zeit harren 21 Kinder unter drei Jahren auf der Warteliste aus, so Nadine Schild, zuständig für die zentrale Vergabe von Kindergartenplätzen.

Trotz des gefassten Beschlusses, liegt noch vieles im Unklaren. Im Turbogang muss die Verwaltung nun Kalkulationen und Pläne vorlegen, um in einer weiteren Sondersitzung des SSK Beschlüsse zu ermöglichen. „Ziel ist es, am 8. November im Gemeindeparlament einen guten Grundsatzbeschluss zu fassen“, sagte Grimm. Ein weiterer Termin sitzt den Kommunalpolitikern im Nacken: Bis zum 15. Januar 2012 muss ein fertiges Konzept beim Landkreis vorliegen, um an die ersehnten Fördergelder des Landes zu kommen.

Wer wird Bauherr des Pojektes?

In der kommenden Sondersitzung des SSK am Donnerstag, 6. Oktober, werden ein paar Nüsse zu knacken sein. Wer soll die Trägerschaft des Kindergartens übernehmen? Wie ist die Finanzierung zu stemmen? Wer wird Bauherr des Pojektes? Gespräche mit dem Arbeitersamariterbund (ASB) über die künftige Trägerschaft laufen bereits. Hier sollen bis zur nächsten Sondersitzung Kalkulationen des Trägers über anstehende Betriebs- und Personalkosten vorliegen.

Auch über das Für und Wider, ob die Gemeinde selbst Bauherr wird, oder die Bauherrschaft vertrauensvoll an den ASB übergibt, wird dann Thema sein. An der Anhebung der Kitagebühren dürfte kaum etwas vorbeiführen. Die seien letztmals vor fast zehn Jahren erhöht worden, sagte der Bürgermeister.

Allein für die Finanzierung der vier Kleinkindergruppen müssten acht Fachkräfte und eine Kitaleiterin eingestellt werden. Bei unterschiedlichen Betreuungszeiten ab 7 Uhr, teilweise bis 17 Uhr, müsste mit rund einer halben Million Euro allein für das U3-Personal im Jahr gerechnet werden.

Kommentare