Neujahrsempfang der Groß-Zimmerner SPD

Genossen sollen zuversichtlich sein

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Zahlreiche Ehrungen gab es bei der SPD, unter anderem für Heinz Brand, der 60 Jahre Mitglied des Ortsvereins ist.

Groß-Zimmern - Mehr noch als an allen Ungerechtigkeiten der Welt leiden viele Genossen an ihrer Partei, der SPD. Mit wie viel Geduld muss da ein Heinz Brand gewappnet sein, der dem Verein seit 60 Jahren verbunden ist. Von Gudrun Fritsch 

Wie viele andere Mitglieder des Zimmerner Ortsvereins wurde er gestern am Ende des Neujahrsempfangs geehrt, zu dem der Vorsitzende Christian Hader rund 80 Besucher im Kulturzentrum Glöckelchen begrüßen konnte. Hader suchte dabei schnell über die Tatsache hinwegzugehen, dass die Zimmerner Sozialdemokraten keinen Kandidaten zur diesjährigen Bürgermeisterwahl aufgestellt haben. Unten im Saal lächelte ganz entspannt Amtsinhaber Achim Grimm (CDU) vor sich hin, der sich erneut zur Wahl stellt und diesmal alternativlos ist. Dessen ungeachtet sollen die Genossen mit Zuversicht in das Jahr gehen, das ja auch ein Jahr der Bundestagswahl ist. „Wir werden gebraucht“, diagnostizierte Hader und präzisierte diese Aussage auch: Es gehe beispielsweise um mehr bezahlbaren Wohnraum, um den weiteren Ausbau der Kinderbetreuung und die Abschaffung der Elternbeiträge, um eine noch bessere medizinische Versorgung der Bevölkerung. „Wir müssen die Ideen für morgen entwickeln, mit Mut und Zuversicht in das neue Jahr gehen“, forderte der Vorsitzende seine Parteigenossen auf.

Später griff der Landesvorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel bereitwillig diese Losung auf. Eingangs seiner Ansprache knüpfte er lokale Bande, indem er dem Ehrenvorsitzenden der Groß-Zimmerner SPD, Karl Daab, zur unlängst verliehenen Willy-Brandt-Medaille gratulierte, zur höchsten Auszeichnung, die die SPD zu vergeben hat.

Zuversicht propagierte der SPD-Landesvorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel beim Empfang der Partei im Glöckelchen.

Ein wenig in Manier eines Stand-Up-Comedians sinnierte der Gastredner zunächst über das Plädoyer des chinesischen Ministerpräsidenten Li Keqiang und die „fürchterliche Antrittsrede“ des amerikanischen Ministerpräsidenten Donald Trump und sein „Amerika first“, um „verkehrte Welt“ zu diagnostizieren. In Deutschland, in Hessen, „einem der wirtschaftsstärksten Bundesländer und einer der wirtschaftsstärksten Regionen Europas“, seien die Menschen verunsichert, und dies werde häufig auf die „Flüchtlingsfrage“ zurückgeführt, vorzugsweise von rechten Populisten. Was übrigens jetzt ein Bernd Höcke da von sich gegeben habe, so Schäfer-Gümbel, sei „der reine Faschismus, nichts anderes“.

Die fortwährende Wiederholung der „Flüchtlingsdebatte“ überlagere alle anderen Themen. Dabei seien die wahren Gründe für die Verunsicherung der Menschen in Globalisierung und Digitalisierung zu suchen.

Ein Teil dieser Menschen sehe sich durch die Veränderungen in der Wirtschaft und auf dem Arbeitsmarkt bedroht. Die daraus resultierenden Probleme auf die Flüchtlinge zu schieben sei unlauter. So habe sich bereits zuvor der Mangel an bezahlbarem Wohnraum abgezeichnet, dem Staat und Kommunen jetzt mit dem Wiedereinstieg in den sozialen Wohnungsbau gegensteuern müssten – besonders in den Ballungsräumen. Und diejenigen, für die Wohnraum unbezahlbar bleibe, forderten einen Ausbau der Mobilität.

Die lustigsten Wahlkampf-Pannen der Politiker

Mit der zunehmenden Verstädterung klaffe auch die Schere zwischen Stadt und Land auseinander. Es gebe auch in Hessen Gebiete mit Wanderungsverlusten, bei gleichzeitig für die verbliebenen Menschen steigenden Infrastrukturkosten und daraus resultiere oft noch mehr Abwanderung. Hier müsse das Land gegensteuern, etwa durch eine Revision der Kita-Finanzierung und höhere Förderung für Gebiete mit aufwändiger Infrastruktur.

Um den Menschen mehr Sicherheit zu geben, müssten beispielsweise die europäischen Strukturen um eine soziale Dimension erweitert werden. So müsse man klare Positionen formulieren und den Streit um politische Inhalte mit den anderen verschärfen. Unverzagt, mutig und mit Zuversicht zur Sache gehen, das sei die richtige Haltung. Schäfer-Gümbel unterlegte sie im Reformationsjahr mit einem Luther-Zitat: Aus einem verzagten Arsch kommt kein fröhlicher Furz.

Das wurde in der Runde, zu der auch zahlreiche Vertreter anderer Parteien und der Kirchen zählten, mit fröhlichem Applaus aufgenommen.

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