„Nicht einfach sterben lassen“

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Mit dem Fahrrad nach Reinheim und lecker speisen hieß es kürzlich bei den Landfrauen.

Groß-Zimmern ‐ Mehr oder weniger gestorben war sie, die Ortsgruppe der Landfrauen in Groß-Zimmern. Zu betagt waren mittlerweile viele der Mitglieder und junge Frauen kamen nicht nach. Von Ulrike Bernauer

Der Hartnäckigkeit der Vorsitzenden Margot Pullman ist es wohl zu verdanken, dass die örtliche Gruppe mit Landfrauen wie Phönix aus der Asche wieder auferstanden ist.
Deutlich verjüngt sind die Teilnehmerinnen. Sie haben fast alle alten Mitglieder hinter sich gelassen. Lediglich Margrit Dressel und Margot Pullmann sind noch von der alten Garde dabei. Die ehemalige erste Vorsitzende Pullmann, 45 Jahre übte sie diesen Posten aus, ist glücklich, dass sie die Verantwortung nun auf jüngere Schultern übergeben konnte. Diese Schultern gehören Monika Lohe, die vor zwei Monaten bei der offiziellen Neugründung des Ortsvereins zur ersten Vorsitzenden gewählt wurde. „Wir können die Landfrauen doch nicht einfach sterben lassen“, das ist nicht nur die Meinung von Pullmann, sondern auch beispielsweise von Parlamentsvorsteherin Katharina Geibel. Es wurde getrommelt und telefoniert und siehe da, es fanden sich etliche Frauen, die sich der Landwirtschaft verbunden fühlen.

„Wir haben fast alle etwas mit Landwirtschaft zu tun“

Mit dabei ist die Schwiegertochter von Margrit Dressel, Jasmin. „Wir haben fast alle etwas mit Landwirtschaft zu tun“, erklärt die eingeheiratete Zimmernerin. Wobei das nicht unbedingt eine Voraussetzung für eine Mitgliedschaft bei den Landfrauen ist.

Zum ersten Mal ist etwa Bettina Pollmeier beim monatlichen Treffen dabei. „Ich habe nur einen Schrebergarten“, erklärt sie lachend. Pollmeier ist vor kurzem aus dem Taunus zugezogen und kennt erst wenige Menschen in Groß-Zimmern. „Ich will mich hier einklinken“, sagt sie und betont die Liebe zur Natur.

Gespannt ist sie darauf, wie es wohl weitergeht mit den Landfrauen. Die haben schon viel unternommen. Sie haben nicht nur einen Milchbauern in Roßdorf besucht, sondern sich auch in der Fahnenstofffabrik Friedrich umgesehen. Dem Fechenbach-Museum in Dieburg statteten sie einen Besuch ab und bei der Weinlagenwanderung in Groß-Umstadt genossen sie eine kleine, exklusive Führung. Sie waren zusammen im Kino in Münster und dem hessischen Landtag in Wiesbaden galt ebenfalls ihr Interesse.

Disput: Mit oder ohne Männer

An Ideen für die weiteren monatlichen Treffen mangelt es durchaus nicht. Immer eine der Damen hat die Verantwortung für den Treff und so kommt ein recht buntes Programm zusammen.

Ende Juli gibt es eine Runde Schnuppergolf und im November wollen sich die Frauen in der Kunst des Pantoffelfilzens probieren.

Interessant finden sie die Idee eines Tagesausflugs, den eine von ihnen angeregt hat.

Einen kleinen Disput gibt es allerdings bei einer anderen Frage.

„Wir könnten ja auch mal einen Abend gemeinsam etwas mit unseren Männern machen“, schlägt eine vor. „Die kommen sowieso nicht“, hält eine andere dagegen. „Meiner ist schon ganz gespannt auf die Landfrauen“, kontert Jasmin Dressel.

„Wir sind auch offen für neue Frauen“, sagt die Vorsitzende Lohe. Voraussetzung ist das Interesse an Weiterbildung auf vielen Gebieten und frau sollte sich als „Frau auf dem Lande“ verstehen. Eine Landwirtschaft muss die Bewerberin durchaus nicht haben.

Kontakt zu den Landfrauen können Interessierte aufnehmen bei Monika Lohe unter z 44458.

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