Nicht nach der Uhr leben

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Christel und Heinrich Herbert feiern heute Goldene Hochzeit.

Groß-Zimmern (bea) ‐ „Sie war ein Räuber“, sagt Heinrich Herbert (73) und schaut seine Ehefrau Christel (70) liebevoll an. Seit Kindesbeinen kennen sich die beiden Ur-Zimmerner, heute sind sie 50 Jahre verheiratet. Eine Kindergartenliebe war es jedoch nicht. Erst als sie gut 17 und 15 Jahre warten, hat es gefunkt.

Klare Vorstellungen hatte Christel bei ihrer Wahl: „Er musste aus Groß-Zimmern kommen, durfte nicht jünger sein wie ich und nicht blond sein.“ An Silvester bei „Georgie“ sind die beiden sich schließlich nahe gekommen. Bis zur Hochzeit hat es dann noch gedauert, die Konfessionen und die Politik standen erst mal im Weg. „Er war in der SPD und evangelisch, ich war für die CDU und katholisch“, erzählt sie.

Der Beginn mit Küche, Schlafzimmer und 48 Mark Startgeld war nicht einfach. Das Geld blieb die ersten Jahre knapp. Er arbeitete als Bauschlosser und später 37 Jahre bei Elbschliff als Bohrwerksdreher, Sie war Näherin. Natürlich halfen beide im „Münchner Hof“, den die Familie Heinrich in der dritten Generation betrieb. 1961 wurde Tochter Christel geboren, neun Jahre später kam Ute dazu. 1974 übernahmen die beiden das Restaurant zur Pacht, 1977 kauften sie die Gastwirtschaft. Bis 2002, als das Ehepaar in den Ruhestand ging, waren Familie und die Wirtschaft ihr Lebensmittelpunkt. „Einen Ruhetag hatten wir nicht, die Arbeit war mein Hobby“, sagt sie etwas wehmütig. Wenn es nach ihr gegangen wäre, hätten sie den Münchner Hof noch etwas länger betrieben. Gatte Heinrich Herbert hat aber ein Machtwort gesprochen: „Mit 65 höre ich auf zu arbeiten. Du kannst die Wirtschaft ruhig weiter machen, aber ich helfe nicht mehr.“ Schweren Herzens ging die Wirtin mit Leib und Seele dann mit ihrem Mann in den Ruhestand. Aber sie schwärmt noch heute von ihren Gästen, die auch mal das Zapfen übernahmen, wenn Not am Mann war.

„Wir haben rund um die Uhr geschafft“

Christel Herbert stand in der Regel in der Küche und er abends nach der Arbeit hinterm Tresen. „Wir haben rund um die Uhr geschafft, aber wir haben auch nichts anderes gekannt“, sagt sie. Heute genießen die beiden ihren Ruhestand. „Der Rollladen wird erst hochgezogen, wenn beide aufgestanden sind, auch wenn es schon 9.30 Uhr ist“, lacht die Jubilarin. Als erstes wird dann die Zeitung studiert und anschließend der Haushalt gemacht. Sie geht zweimal die Woche zur Wassergymnastik ins Hallenbad, er spielt regelmäßig Karten. „Der Skatclub ist bei uns im Münchner Hof gegründet worden“, berichtet Heinrich Herbert.

Wir haben immer nach der Uhr gelebt, jetzt kann uns die Uhr gestohlen bleiben“, sagt Christel Herbert. Ein Rezept, warum es bei ihnen auch nach 50 Jahren noch so gut klappt, hat die Jubilarin auch: „Man muss als Familie zusammen halten. Und wenn man sich mal streitet, Gute-Nacht-sagen muss man sich auf jeden Fall, auch wenn es noch so brummig ist. Den Streit darf man nicht mit in den Schlaf nehmen.“

Offenes Haus hat das Paar heute Vormittag für Verwandte, Freunde und Nachbarn. Am Nachmittag wird bei den Olympia-Schützen mit der Familie, den Töchtern, Schwiegersöhnen und zwei Enkelinnen, sowie geladenen Gästen gefeiert.

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