Nicht im Schatten des Schornsteins

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Wesentlicher Stolperstein bei den Plänen der "Projektentwicklung Früchtenicht GmbH" ist der denkmalgeschützte Schornstein auf dem Gelände der alten Ziegelei.

Groß-Zimmern - Vor gut sieben Jahren meldete der damalige Bürgermeister Dieter Emig, dass es einen potenziellen Käufer für die alte Ziegelei gebe. Von Gudrun Fritsch

Dort drohte sich eine verwildernde Industriebrache zu entwickeln, nachdem die „Odenwälder Ziegelwerke“ aufgrund der Insolvenz des Mutterhauses „Esto“ die Fliesenproduktion 1999 eingestellt hatten. Einig war man sich in der Kommunalpolitk, das Gelände so schnell wie möglich einer neuen Nutzung zuzuführen.

Investitionen bis zu 70 Millionen Euro, dazu 200 neue Arbeitsplätze so lauteten 2002 die Visionen der „Immobiliengruppe Frankfurt“, die auf dem Areal an der Darmstädter Straße ein Seminarzentrum mit Wellness-Bereich, ein hochklassiges Hotel und Wohnbauten gehobenen Standards errichten wollte.

Vor einigen Wochen hat Insolvenzverwalter Tobias Hoefer aus Mannheim, der nach wie vor für die alte Ziegelei zuständig ist, den Rückzug der Immobiliengruppe Frankfurt mitgeteilt (der LA berichtete). Damit wurden Gerüchte bestätigt, die schon seit geraumer Zeit die Runde gemacht hatten.

Jetzt wurde bekannt, dass ein potenzieller Investor Gespräche mit dem Insolvenzverwalter und der Gläubigerbank führt. „Wir konnten die Gutachten einsehen. Es gibt zwar Bauschadstoffe auf dem Gelände, aber dieses Problem ist beherrschbar“,bestätigt Fachmann Harald Früchtenicht auf Nachfrage des LA.

Mit seinem Sohn Christian, der als Betriebswirt tätig ist, leitet er die Firma „Projektentwicklung Früchtenicht GmbH“, umgesetzt werden sollen die Arbeiten von dem Babenhäuser Bauunternehmen Aumann.

Die Vorstellungen der Frankfurter Immobiliengruppe habe er am Rande verfolgt, das gigantische Projekt jedoch für überdimensioniert gehalten. „Wir wollen eine reine Wohnnutzung für das Gebiet“,beschreibt Früchtenicht seine Pläne. Ein ähnliches Projekt hat seine Firma an der ehemaligen Ziegelei in Wembach-Hahn 2006 fertiggestellt. In Zimmern müsste zunächst der Bebauungsplan geändert werden. Das Unternehmen kalkuliert mit 50 Wohneinheiten. Die Bauplätze für Einfamilienhäuser auf dem gut drei Hektar großen Teilgelände der Ziegelei sollen zwischen 400 und 500 Quadratmeter groß sein.„Immobilien lassen sich momentan blendend verkaufen. Aber bei den Finanzierungen stellen sich die Banken pingelig wie nie zuvor an“,erklärt Früchtenicht. Bei einer der nächsten Ausschusssitzungen wird er seine Pläne in Zimmern vorstellen, das wurde kürzlich im Gespräch mit dem Gemeindevorstand beschlossen.

Allerdings gebe es drei „Stolpersteine“: Die Bank hat erste Angebote abgelehnt. „Der Insolvenzverwalter unterstützt unser Vorhaben und wir sind weiter im Gespräch. Aber die Schmerzgrenze wird nicht überschritten“,so Früchtenicht.

Als zweiten Problemkreis benennt er den Denkmalschutz. Die Klinkerplastiken des Künstlers Well Habicht könnten gut und in angemessener Form positioniert werden. Doch auch der hohe Kamin gilt als Baudenkmal. „Grundstücke im Schatten des Schornsteins sind unverkäuflich“,befürchtet der Planer. Zudem müsste ein solches Bauwerk nachhaltig gepflegt werden. „Wenn der bleibt gehen wir“,lautet die klare Devise. Kreispressesprecher Peter Tränklein erklärte hierzu auf Nachfrage des LA: „Der Investor muss eine Zustandsuntersuchung machen. Deren Ergebnis wird dann die Entscheidung bringen“.

Weniger schwierig sei der Umgang mit den Ledgruben im südlichen Teil. Die ehemaligen Betriebsdeponien der Ziegelei sind im Sommer fast undurchdringbar und gelten als wertvolles Biotop. Die rund drei der insgesamt 6,6 Hektar würde Früchtenicht nach der Grundreinigung gerne der Gemeinde oder dem NABU schenken.

Sollten die Pläne bei den Kommunalpolitikern auf Zustimmung stoßen, könnte nach den notwendigen Antragsverfahren 2011 mit den Arbeiten begonnen werden. Die Bauzeit in Wembach betrug rund drei Jahre.

Durch diese Zeitvorgabe dürfte ein weiteres Problem gelöst sein. Die Kapazität der Zimmerner Kläranlage ist begrenzt. Die Erweiterung soll jedoch 2012 in Betrieb gehen.

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