Grüne, Christdemokraten, Bauherren und Arge-Vertreter beim Ortstermin an der „Alten Ziegelei“

Noch gibt es einige ungeklärte Fragen

Zum Ortstermin an der Alten Ziegelei hatten die Grünen am Samstag eingeladen. - Foto: Bernauer

Groß-Zimmern - Relativ gering war das Interesse der Groß-Zimmerner Bevölkerung an der Begehung des Geländes der alten Ziegelei. von Ulrike Bernauer

Es waren zwar etliche Menschen gekommen, im Wesentlichen waren dies aber Mitglieder der örtlichen CDU, der Grünen, die zu dem Ortstermin eingeladen hatten, und drei Vertretern der Erschließungsgesellschaft „ARGE Alte Ziegelei“, Kevin Aumann, Markus Aumann und Christian Früchtenicht.

Dennoch ging es hoch her bei der Begehung, zu unterschiedlich waren die Positionen zwischen den Grünen auf der einen Seite und der ARGE sowie den Vertretern der CDU auf der anderen.

Im Wesentlichen ging es um drei strittige Punkte, die sich aus der Änderung des Bebauungsplanes ergeben. Der kann noch die nächsten zwei Wochen auf dem Bauamt im Rathaus eingesehen werden.

Am strittigsten ist die Ausweitung des Bebauungsgebietes um einen weiteren Bauplatz, der sich ganz im Südwesten des Bebauungsgebietes befindet. Die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Marianne Streicher-Eikhoff, warf den Vertretern der ARGE vor, dass man hier mit dem „versehentlichen“ Abholzen von Gehölzbestand Tatsachen geschaffen habe, die von der Gemeindevertretung anschließend durch die Änderung des Bebauungsplanes nicht nur sanktioniert, sondern regelrecht belohnt würden.

Mit teilgenommen an dem Ortstermin hat auch die Familie, die, sollte die Änderung des Bebauungsplans tatsächlich durchgehen, nun das Nachsehen haben wird. Sie hatte ihr Grundstück gekauft, weil es an das künftige Naturschutzgebiet grenzt. Statt des freien Blicks auf den Wald wird diesen Bewohnern nun vermutlich ein Haus genau vor die Nase gesetzt. Streicher-Eickhoff forderte eine gewisse Verbindlichkeit für Bauherren, die sich auch für ihre Planung Sicherheit erwarten können müssten. Die betroffene Familie erwägt rechtliche Schritte, wie an diesem Samstag bekannt wurde.

Strittig ist weiterhin der Zukauf von Grundstücksfläche am Rand zum Naturschutzgebiet. Diese Flächen stehen unter einer Bindung für Bepflanzungen und Erhaltung von Bäumen sowie Sträuchern und sollten laut Bebauungsplan im Besitz der Gemeinde bleiben. Zwar soll diese Bindung erhalten werden, also vor Ablauf einer gewissen Frist dürfen hier keine Bäume gefällt werden und auch keine Pflanzungen vorgenommen werden. „Aber wer kontrolliert das denn, wenn die Flächen in Privatbesitz sind?“, fragen die Grünen. Streicher-Eickhoff fordert nun in einem Ergänzungsantrag für die nächste Gemeindevertretersitzung, dass die zweite Änderung des Bebauungsplanes sich auf jene Grundstücke beschränken soll, deren Zuschnitt geändert werden muss, weil die denkmalgeschützte Fassade an einem anderen als dem ursprünglich vereinbarten Standort wieder aufgebaut werden soll.

Die in diesem Zusammenhang von der CDU aufgestellte Behauptung, die Fertigstellung der gesamten Straßen im Baugebiet hänge von der zweiten Änderung des Bebauungsplans ab, bestritt ARGE-Vertreter Kevin Aumann im Telefongespräch mit dem LA. „Die Straßen können auch ohne eine Änderung des Bebauungsplans fertig gestellt werden, bis auf den nordwestlichen Bereich, wo der Verlauf noch einmal geändert wurde.“

Erregung gab es auch über die Auffüllung ganz im Süden des Baugebietes. Hier wurde allerdings nach Auskunft des dafür zuständigen Regierungspräsidiums (RP) in Darmstadt die ehemalige Deponie der Ziegelei mit einer Erdabdeckung versehen. Das war eine Auflage, die die ARGE erfüllen musste und die auch bereits im Februar vom RP abgenommen und für ordnungsgemäß ausgeführt erklärt wurde.

Strittig sind nach Auskunft von Wolfgang Heimer von der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises noch Altholzeinbringungen auf einem Gelände vor der ehemaligen Deponie. Hierzu sei eine Anzeige eingegangen, die ARGE werde dazu noch angehört.

Auch ein anderer Punkt ist nicht geklärt. Die ARGE hat ein wesentlich größeres Grundstück erworben, als die Fläche, die nun als Baugebiet ausgewiesen wurde. Die ehemalige Ton-Abbaugrube, auf der mittlerweile ein Wäldchen entstanden ist, soll als Naturschutzgebiet erhalten bleiben und der Stiftung Hessisches Naturerbe übereignet werden.

Dies hatte ursprünglich die Ortsgruppe des Nabu vorgeschlagen, allerdings zu einer Zeit, als die Ziegelei noch stand. Der Geschäftsführer der Stiftung, Hartmut Mai, erklärte auf telefonische Nachfrage, dass noch kein Vertrag unterschrieben worden sei.

„Zudem gibt es noch einige offene Fragen, die vor einer Übernahme des Geländes durch den Nabu geklärt werden müssen, die uns die ARGE noch nicht abschließend beantwortet hat.“

Mai wollte weder die Übernahme des Geländes noch eine Ablehnung der Übernahme ausschließen.

Kommentare