Noch reicht das Streusalz

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Sie sorgen mit ihren Kollegen für die Sicherheit auf den Straßen Groß-Zimmerns: die Bauhof-Mitarbeiter Peter Göbel, Michael Allmann und Karlheinz Knöll (von links).

Groß-Zimmern ‐ Der Winter ist da - und das mit Macht: Frostig ist es seit Jahresbeginn, nachts sinken die Temperaturen oft in den zweistelligen Minusbereich ab - vom Schneefall ganz abgesehen. Da trotz Jahresbeginn und Schulferien viele schon wieder ihre Arbeit aufgenommen haben, müssen vor allem die Verkehrswege befahrbar gehalten werden. Von Jens Dörr

Das ist in Groß-Zimmern Aufgabe des Bauhofs. Insgesamt zwölf Mitarbeiter kümmern sich um den Winterdienst, einige von ihnen haben von November bis März stets Bereitschaftsdienst.

Bauhof-Mitarbeiter Peter Göbel erklärt, man beginne morgens um sechs und müsse abends manchmal bis 21 Uhr mit Unimog und Traktor ausrücken. Schneeräumen und Salzstreuen sind dann die wichtigsten Aufgaben. „Was nicht heißt, dass um 21 Uhr Schluss wäre“, sagt Michael Allmann, der beim Bauhof ebenfalls im Dienst der Zimmerner unterwegs ist: „Wenn wir um 20 Uhr ausrücken, wird es natürlich deutlich später. Unsere Touren dauern meist vier bis fünf Stunden.“

Streusalz ist noch genug vorhanden

Unter Umständen mehrmals am Tag sind die Bauhof-Mitarbeiter auf Achse. Dafür brauchen Sie – neben Sprit im Tank und angesichts der Kälte vor allem eins: Streusalz. Momentan sieht die Lage in Zimmern noch deutlich besser aus als in anderen Städten und Gemeinden: Über 20 Tonnen des Streuguts lagern derzeit im Silo, das auf dem Gelände des Bauhofs steht. 40 Tonnen passen hinein, wobei meist „nur“ 26 eingefüllt werden, wie Karlheinz Knöll, ebenfalls beim Bauhof tätig, erläutert. Das liege an den anliefernden LKWs, die wegen ihres hohen Leergewichtes nicht mehr Salz zuladen dürften. Eine solche Menge kann lange halten - in Tagen wie diesen aber auch ruckzuck verbraucht sein. Mehrere Tonnen pro Fuhre werden verstreut.

Zur Sicherheit haben die Verantwortlichen vor Weihnachten nachbestellt. Zum Glück, denn aktuell herrscht im Streusalz-Handel ein Ausnahmezustand und man muss mit Lieferzeiten von 14 Tagen rechnen. Als Allmann den Unimog zum Foto-Shooting vorfährt, wir gerade im Radio gemeldet: „In manchen Kommunen ist das Streusalz ausgegangen.

Salzqualität aus Frankreich lässt zu wünschen übrig

Keine Banalität angesichts glatter Straßen und der damit verbundenen Unfallgefahr. Die Nachbarstadt Dieburg hat etwas weniger Reserven als Zimmern. Zwischen den Jahren habe man bestellt, warte aber noch auf die Lieferung. Auch beim Kauf von Streusalz greift zurzeit das Marktgesetz von Angebot und Nachfrage: Pro Tonne werden bis zu 90 Euro verlangt, normal sind es 70 Euro. Woher das Salz kommt, das auf den Straßen Groß-Zimmerns verstreut wird, können die Bauhof-Mitarbeiter nicht genau sagen: Ein deutsches Unternehmen vertreibe es, bekomme es selbst von unterschiedlichen Bergwerken in Deutschland und dem Ausland. Unzufrieden waren die Mitarbeiter mit einer Ladung, die einst aus Frankreich ins Silo wanderte: „Das Salz war zu pulverig und wurde nach dem Streuen gleich wieder weggeblasen“, so Allmann. Um Straßen und Gehwege sicherer zu machen, brauche man grobes Korn. Während die Bauhof-Mitarbeiter so alle Hände voll zu tun haben, ruhen ansonsten die Bauprojekte in der Gemeinde. Klaus Keller, Leiter des Bauamts, erläutert, der Bodenfrost schiebe den Tiefbauarbeiten einen Riegel vor. Entscheidung der Unternehmen sei es allerdings, ob sie trotz klirrender Kälte im Hochbau tätig würden. „Wobei es ja auch gefährlicher ist als normal, bei Eis und Glätte auf der Baustelle zu arbeiten.“ Vorsichtsmaßnahmen sollten auf jeden Fall alle treffen, die außen liegende Trinkwasserleitungen haben. „Da stellt man am besten das Wasser ab oder benutzt gedämmt Schalungen.“ Keller weist zudem darauf hin, dass die Zimmerner nicht immer zu Recht die Gemeinde verantwortlich machen, wenn Straßen nicht oder ungenügend geräumt sind: „Für die Kreis-, Landes- und Bundesstraßen sind wir mit unseren Leuten nicht zuständig.“

Ansonsten sei es auch bei den eigenen Straßen nicht möglich, alle zu beackern: Da gebe es eine Prioritätenliste des Ordnungsamts.

Unter erschwerten Bedingungen findet derzeit übrigens auch der „Groß-Zimmerner Lokal-Anzeiger“ seinen Weg in die Briefkästen: „Es ist schon etwas schwieriger als sonst“, sagt Austrägerin Birgit Held. Zwischen drei und sechs Uhr morgens bringt sie den LA in drei Zimmerner Bezirken aus. Vor allem die Glätte auf Straßen und Wegen, aber auch dort, wo es Marmortreppen gibt, sei nicht ungefährlich. Ihr Rezept gegen die Kälte ist so simpel wie effektiv: „Einfach ganz dick anziehen.“

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