Obst mit Sonnenbrand

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Die Ernte der Wintergerste ist in vollem Gang. Auf den meisten Feldern liegen schon die gerollten Strohballen und werden bei strahlendem Sonnenschein eingebracht. Hier im Bild vor der malerischen Kulisse von Klein-Zimmern.

Groß-Zimmern ‐ „Die Hitze ist noch gar nicht so außergewöhnlich für unsere Breiten“, so die einhellige Meinung der Zimmerner Landwirte Jörg Dressel und Robert Schaffer. Auch für Obstbauerin Katharina Geibel sind nicht die momentanen, fast konstanten Temperaturen über 30 Grad das Problem. Von Ulrike Bernauer

Das Problem ist vielmehr der schnelle Wechsel zwischen dem kalten, nassen Frühjahr und dem Hitzesommer.

Höchst unterschiedlich ist der Wettereinfluss auf die verschiedenen Kulturen, die in Zimmern angebaut werden. Die Wintergerste, die als erstes geerntet wird, konnte fast ohne Einbußen eingebracht werden.

Der Weizen hingegen werde geringer ausfallen als üblich, so Birkenhofbetreiber Schaffer. Dringend Regen wünschen sich die Landwirte für den Mais und die Zuckerrüben. Die Gewitter und Schauer der letzten anderthalb Wochen brachten nicht genug Wasser. Rund zehn Milliliter fielen am Mittwoch und weitere fünf am Samstag.

„Beim Weizen hilft jetzt auch Regen nichts mehr, der ist praktisch ausgereift““, sagt Schaffer. Spargel und Erdbeeren sind inzwischen abgeerntet, damit

hatte der Klein-Zimmerner Landwirt kein Problem. „Andere Gegenden sind schlechter dran. Die Sandböden beispielsweise um Langstadt herum bereiten den Kollegen richtig Probleme.“

Müssen mit Ernteeinbußen rechnen

Landwirt Dressel, der überwiegend Kartoffeln, Weizen, Mais und Zuckerrüben anbaut, kann noch nicht abschätzen, wie sich die Trockenheit auf seine Ernte auswirken wird. „Wir müssen auf alle Fälle mit Ernteeinbußen rechnen“, sagt er. Die Rüben könnten auch noch wachsen, wenn es im September regnet. Gelassen sieht Dressel das derzeitige Wetter. „Wenn die Kartoffeln jetzt keinen Regen bekommen, werden sie in diesem Jahr kleiner. Dafür bleiben die Preise dann aber auf dem jetzt schon hohen Niveau“. Für Dressel war das nasse, kalte Frühjahr das größere Problem.

Nicht gut sehen die Himbeerpflanzen aus. Je nach Standort haben sie stark gelitten, wie Katharina Geibel zeigt.

„Wir fahren viel Wasser und es wird kein gutes Jahr werden“, sagt Obstbauerin Geibel und zeigt auf ihre Himbeersträucher. Sehr unterschiedlich sehen die Pflanzen aus, je nachdem wo sie stehen. Manche sind regelrecht verdorrt. Geibel zeigt auf Früchte, die sich nicht einmal mehr für Sirup eignen. Nicht nur die Himbeeren, sondern auch die Erdbeeren und die Äpfel bekommen regelrecht Sonnenbrand.

Der Wassermangel ist für die Obstbauerin aber noch nicht ungewöhnlich. Bei 94 Prozent des vieljährigen Mittelwertes liegt der Regen laut Wetterfax des deutschen Wetterdienstes in Geisenheim.

Bedrohlicher war auch fürs Obst das Frühjahr, da lag der Regen bei 150 und 160 Prozent der Durchschnittsjahre. Dennoch bewässert der Betrieb möglichst viele Pflanzen. Es geht nicht nur um die Früchte dieses Jahres. Die Knospen für das nächste Jahr werden schon jetzt ausgebildet. Wenn die Pflanzen nicht genug Wasser bekommen, gibt es auch 2011 Einbußen.

Und was macht die Hitze mit den Landwirten selber. „In der Mittagszeit verlegen wir unsere Arbeiten in die Halle oder in den Schatten“, lacht Norman Jensch, Kompagnon auf dem Birkenhof, „ansonsten schwitzen wir eben viel“.

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