NABU lud auf Streuobstwiese ein

Obstfreuden für alle Sinne

An Nachschub für den Obsthäcksler mangelte es nicht – die Kinder fütterten das Gerät reichlich.   J Foto: Just

Groß-Zimmern - Das Umfeld für ein Fest könnte kaum schöner sein: Wie in einem langen Schlauch ziehen sich auf hundert Meter zahlreiche Apfelbäume. Deren Äste krümmen sich unter dem reifen Obst, das in satten Grün-, Gelb- und Rottönen leuchtet. Von Michael Just

Die Rede ist von der Streuobstwiese des Ehepaars Siggi und Ralf Oesswein, beide Mitglied im NABU Groß-Zimmern. Für die Vereinsarbeit stellen sie das Kleinod auf einer Anhöhe vor Klein-Zimmern gerne dem Naturschutz zur Verfügung. Am Wochenende waren dort alle Mitglieder und Freunde zum 12. NABU-Streuobstwiesenfest eingeladen, das neben dem Fledermausabend einer der wichtigsten Termine in Sachen Öffentlichkeitsarbeit für den Ortsverein darstellt.

Da hier im Frühjahr ein Baumschnittkurs stattfindet, konnten dessen Teilnehmer zudem schauen, ob ihre Schnittkünste im wahrsten Sinne des Wortes Früchte getragen haben. Sowohl sehend, riechend und schmeckend ließ sich in die bunte Obstwelt eintauchen. „Probieren Sie ein Stück vom Apfelkuchen, solange noch welcher da ist“, empfahl Vorsitzender Dr. Lothar Jacob, sich mit dem Genuss nicht zu lange Zeit zu lassen. Weniger Sorgen musste man sich da beim frisch gekelterten Apfelmost machen. Zu voll hängen die Bäume derzeit, dass hier der Nachschub ausgehen könnte. Dazu war der gute Ratschlag präsent, vom Most nicht zu viel zu trinken, da sich dieser bekanntermaßen recht schnell im Magen bemerkbar macht. Zur weiteren Unterhaltung las Hans-Josef Rautenberg aus seiner Reihe von Kurzgeschichten vor.

„Eigentlich sind wir viel zu wenig hier draußen“, bedauert Siggi Oesswein. Vor weit mehr als 20 Jahren nutzte sie mit ihrem Mann die Gelegenheit zum Kauf dieser Ackerparzelle - auch durch den Rat den Großvaters. „Der hat immer gesagt, wenn du einen Acker kaufen kannst, dann mach’s“, erinnert sich die Arzthelferin. Dazu sei man im Ried mit Streuobstwiesen groß geworden und hätte schon immer Obst gelesen. Nach dem Erwerb 1989 wurde der Acker mit alten Apfelsorten wie Kaiser Wilhelm, Oldenburg, Goldparmäne, Berlepsch oder James Grieve angelegt und mit einer Hecke geschützt.

Des Weiteren gibt es Kirschen, Mirabellen, Birnen oder Quitten. Nur die Aprikosen- und Pfirsichbäume entwickelten sich hier nicht. Das meiste Obst wird gegessen, einige NABU-Mitglieder machen auch Marmelade oder Apfelwein.

Gut würde sich die Streuobstwiese für eine NABU-Kinder- oder Jugendgruppe eignen. „Die haben wir leider nicht. Das haut personell von der Betreuung noch nicht hin“, bedauert Jacob. Zumindest kann der NABU mit der Wiese auf ein Kleinod der besonderen Art blicken, das für viele Tiere eine besondere Bedeutung als Lebens- und Schutzraum hat. So verstecken sich hier Rehe und auch der Dachs wurde schon gesehen. „Die schönsten Streuobstwiesen in unserer Nähe gibt es bei Kleestadt“, weiß Jacob. Die geologische Besonderheit und dass hier niemals Bauland genehmigt wurde, hätten das möglich gemacht.

In Groß-Zimmern mussten dagegen viele Streuobstwiesen für die Neubaugebiete weichen. Nur beim Katzengraben befinden sich noch große Gärten mit längeren Obstbaumreihen. Dass nun wieder verstärkt Streuobstwiesen durch öffentliche Initiativen angelegt werden, finden die Zimmerner Naturschützer lobenswert, weisen aber auch darauf hin, dass deren Entwicklung Zeit braucht. Dass man eine Streuobstwiese sich selbst überlassen kann und mit ihr keine Arbeit hat, sei aber eine falsche Ansicht.

„Nur zu ernten reicht nicht“, sagt Jacob. Man müsse schon was tun, dass die Wiese nicht zuwächst und verwildert. Nur so werde sie - ergänzt mit Nistkästen - das ideale Gebiet für Grünspecht, Steinkauz und viele andere Tierarten.

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