Beim Grillabend der Kirchenchöre mit Gesang den Sonnenschein herbeigerufen

Ökumene groß geschrieben

Roswitha Rudolph und Christel Sänger (rechts) stehen für das hervorragende Miteinander der Kirchenchöre.

Groß-Zimmern - Über Ökumene wird stets viel geredet, doch Aktivitäten zur Zusammenführung der unterschiedlichen christlichen Richtungen gibt es nur wenige. Der katholische und der evangelische Kirchenchor in Groß-Zimmern bilden da eine rühmliche Ausnahme: Sie warten nicht auf Signale „von oben“, sondern engagieren sich von der Basis aus für das Miteinander.

Diesen Beweis trat man vergangenen Freitag erneut an, als das große ökumenische Grillfest anstand. Als Gastgeber fungierte in diesem Jahr die katholische Seite und lud auf ihre „Bartholomäus-Ranch“ ein.

Richten die Protestanten aus, bildet das evangelische Gemeindezentrum den Mittelpunkt der Feier. Beide Chöre zählen zusammen rund 75 aktive Mitglieder. Der Schwund durch die Urlaubszeit wurde wett gemacht, indem einige Sänger ihre Partner mitbrachten. Auf diese Weise kamen rund 85 Personen zusammen. „Wir haben sonst immer Steaks und Würstchen gegrillt. Dieses Jahr läuft die Sache einmal anders und es geht mit einem Leberkäs` ein bisschen bayerisch zu“, erzählte die Vorsitzende des katholischen Kirchenchores Roswitha Rudolph. Dabei zeigte sie sich stolz auf die Vielzahl der selbstgemachten Salate, die vom Kartoffel- bis zum Lauchsalat reichten.

Das Grillen ist nicht die einzige ökumenische Veranstaltung in Groß-Zimmern: Bei einem Adventskonzert wird in der Vorweihnachtszeit auch zusammen in der evangelischen Kirche gesungen. Dass gemeinsame Singeinlagen beim Grillfest ebenfalls nicht fehlen durften, versteht sich fast von selbst: So wurden aus dem Buch „Kein schöner Land“ diverse Volkslieder - zum Teil im Kanon - angestimmt. Für Kurzweil sorgten des weiteren kleinere Spielrunden und erheiternde Vorträge. Ein Chormitglied hatte sogar Gäste aus Amerika mitgebracht, die interessiert dem deutschen Liedgut lauschten.

Wer sich fragt, wie lange diese gelebte Ökumene schon Bestand hat, erhält eine Antwort, die in Erstaunen versetzt: „Wir machen das seit 24 Jahren. Nächstes Jahr wird silbernes Jubiläum gefeiert“, berichtete Rudolph. Wie sie erzählt habe einst alles mit ökumenischen Spaziergängen angefangen. Irgendwann sei die Idee aufgekommen, sicht im Sommer zum gemütlichen Grillen und Singen zu treffen. „Das haben wir dann gleich im Jahr darauf umgesetzt“, erzählt die passionierte Sängerin zurück, die seit 42 Jahren im katholischen Kirchenchor singt. Dass in den letzten 24 Jahren alle ökumenischen Zusammenkünfte ohne Unterbrechungen stattfanden sieht sie als Beweis dafür, dass die Sache auf beiden Seiten ernst genommen wird.

Das ökumenische Grillen endete mit zahlreichen süßen Versuchungen, zu denen unter anderem Tiramisu sowie reichlich Erdbeersoße gehörten. „Wir lassen uns immer etwas einfallen“, lobte Rudolph die Kreativität der Chöre und das Engagement der einzelnen Mitglieder: „Ohne das Zutun vieler Heinzelmännchen könnte eine solche Veranstaltung gar nicht stattfinden.“

Als besonders schön empfindet sie, dass sich Frauen als Bedienung engagieren. Auch das Aufräumen am nächsten Tag sei kein Problem: „Da gibt es kein ‚Nein’ oder langes Bitten.“ In diesem Zusammenhang bricht sie eine Lanze für die ältere Generation: „Während die Jugend bei ihren Veranstaltungen tags darauf meist erst nach 15 Uhr zum Aufräumen anrückt, stehen die Chormitglieder schon morgens um 9 Uhr bereit. Das ist eben noch die alte Garde“, lacht Rudolph.

Auch für den Sonnenschein, der die längste Zeit des Grillabends herrschte, hat die Vorsitzende eine Erklärung: „Unverdient ist er nicht. Schließlich haben wir heute schon reichlich gesungen und gelobt.“

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