Erstklässler wie Taylan meistern den Schulweg ohne Elterntaxi

Lieber laufen statt fahren

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Senay und Taylan Kayal (von links) gehen auch bei Regen zur Schule, das Elterntaxi soll nur in absoluten Ausnahmefällen zum Zuge kommen.

Groß-Zimmern - Die Erstklässler sind seit Dienstag unterwegs auf Hessens Straßen und die Autofahrer sind zur besonderen Vorsicht im innerörtlichen Bereich aufgerufen. Das gilt natürlich auch für Groß- und Klein-Zimmern mit seinen drei Grundschulen. Von Ulrike Bernauer 

Der Lokalanzeiger begleitete den sechsjährigen Taylan am Freitagmorgen auf seinem Weg in die Schule im Angelgarten (SiA).

Um kurz nach 8 Uhr starten Taylan und seine Mutter Senay Kayal von ihrem Zuhause. „Wir sind den Weg zur Schule zu Fuß gelaufen und auch schon mit dem Fahrrad gefahren“, sagt Senay Kayal. Etwa 20 Minuten benötigen Mutter und Sohn für den Weg entlang an der Darmstädter Straße, über den Kreisel, die Johannes-Ohl-Straße, am Festplatz und dann an den Wohnblocks vorbei zur Dresdener Straße, wo sich die SiA befindet. Es gibt kürzere, aber auch längere Schulwege in Groß-Zimmern und allzu viele Straßen muss Taylan nicht überqueren. Dennoch haben die Eltern zwei Hauptkritikpunkte an seinem Schulweg.

Zwischen Ziegelei und dem Kreisel, der früher den Ortseingang bildete, gibt es keinen Fußweg, dort besteht direkt neben der Straße nur ein Trampelpfad. Ganz deutlich ist auch, dass die Vergrößerung des Ortes durch das Gebiet „Alte Ziegelei“ noch nicht bei jedem ins Bewusstsein gedrungen ist. Das Ortseingangsschild steht hinter der Ziegelei erst kurz vor dem Kreisel. Die Autofahrer fahren also an dem Neubaugebiet mit 70 Stundenkilometern vorbei, sofern sie sich an die Geschwindigkeitsbegrenzung halten.

Autofahrer fahren vorsichtig

Ein Pluspunkt erhalten die Autofahrer dieses Tages, sie halten am Zebrastreifen und lassen Mutter und Sohn vorschriftsmäßig über die Straße. In der Johannes-Ohl-Straße ist der Bürgersteig reichlich eng, die Kayals, am Freitag beide mit Regenschirmen ausgestattet, passen kaum darauf, vor allem wenn ein Auto auch noch teilweise auf dem Bürgersteig parkt. Nicht ganz geheuer ist der Mutter die Abkürzung vom Festplatz an den Wohnhäusern vorbei zur Dresdner Straße, die direkt über die Wiese führt. „Wenn es später im Jahr auf dem Schulweg noch dunkel ist, könnte man hier gut die Kinder abpassen.“

In der Dresdner Straße angekommen, sieht man direkt vor der Schule das in den letzten Tagen häufig angesprochene Elterntaxi. „Ich will meinen Sohn nicht in die Schule fahren“, sagt Kayal, „ich bin dafür, dass er sich bewegt und dabei endgültig wach wird.“ Das bedeutet für die Mutter zurzeit, dass sie sich zweimal am Tag auf den Weg macht, denn Senay Kayal holt ihren Sohn natürlich auch wieder ab. „Wie lange wir das so machen, weiß ich noch nicht, das werde ich sehen.“ Taylan braucht erst Sicherheit, vor allem, da die Kayals erst vor drei Wochen nach Groß-Zimmern gezogen sind. „Vielleicht kann er später mit anderen Kindern zusammen gehen, hier in der Ziegelei wohnen noch mehr Gleichaltrige.“

Nur im Notfall wird das Auto benutzt

Senay Kayal begrüßt auch, dass Schulleiterin Martina Goßmann bei einem der einführenden Elternabende das Elterntaxi angesprochen hat. Auch Goßmann empfahl den Müttern und Vätern, die Kinder zu Fuß gehen zu lassen und sie erst gar nicht an das Elterntaxi zu gewöhnen, das nach Untersuchungen andere Kinder eher gefährdet als schützt, in der heimischen Garage zu lassen. Lediglich wenn Kayal arbeitet – sie ist Flugbegleiterin – wird der Vater den Sohn mit dem Auto zur Schule fahren. „Mein Mann fährt dann gleich weiter zur Arbeit, aber sonst laufen wir.“

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