Ohne Saisonarbeiter keine Erdbeeren

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Wieslav Kasztelan (von links), Katharina Kowalewska und Jolantha Kasztelan gehören zu den rund 25 Saisonarbeitern, die derzeit auf dem Birkenhof in Klein-Zimmern Spargel stechen und Erdbeeren pflücken. Hier sortieren sie den grünen Spargel nach Dicke in Kisten.

Klein-Zimmern ‐ Die Spargelzeit ist in ihrer Hochsaison und die ersten deutschen Erdbeeren kommen allmählich auf den Markt. Gepflückt und geerntet werden beide im Wesentlichen von Saisonarbeitern, die noch überwiegend aus Polen, zunehmend aber auch aus Rumänien kommen. Nachgefragt hat der Lokal-Anzeiger auf dem Birkenhof am Rande von Klein-Zimmern. Von Ulrike Bernauer

Ich will nicht sagen, dass Deutsche diese Arbeit nicht machen wollen“, sagt Inhaber Thomas Schaffer. „Aber Einheimische suchen in der Regel Arbeit für längere Zeit“. Spargelernten und Erdbeerenpflücken hingegen sind reine Saisonarbeiten. Auf rund acht Wochen beschränkt sich die Zeit, in der Schaffer hierfür personelle Unterstützung auf seinem Hof benötigt.

25 Saisonarbeiter wohnen derzeit auf dem Birkenhof in speziell für sie errichteten Wohnungen, die den Rest des Jahres leer stehen. „Wir haben dort alles, was wir brauchen“, sagt Wieslaw Kasztelan aus Polen. „Ein gutes Bett, Kühlschrank und Elektroherd, auch polnisches Fernsehen können wir sehen“.

Kasztelan kam 1993 das erste Mal auf den Birkenhof und ist geblieben. Am Anfang pflückte er, wie alle anderen, die leckeren roten Beeren, inzwischen hat er sich zum Vorarbeiter hochgearbeitet. „Wieslaw übernimmt die Qualitätskontrollen auf dem Acker“, berichtet Schaffer. „Ich kann ja nicht permanent auf dem Feld bleiben“.

Ohne die Helfer ginge gar nichts

Ohne die Saisonarbeiter ginge bei der arbeitsintensiven Spargel- und Erdbeerernte gar nichts mehr. Allerdings nicht nur auf dem Birkenhof. Rundum bietet sich überall das gleiche Bild. Auch der Erdbeerhof Münch bei Groß-Umstadt könnte seine Ernte ohne die Saisonarbeiter einstellen.

Die kommen, weil die Verdienstmöglichkeiten in ihren Heimatländern immer noch sehr schlecht sind. „Die Lebenshaltungskosten liegen inzwischen ziemlich dicht an denen von Deutschland“, sagt Kasztelan, der schon seit Jahren nicht mehr nur zur Saisonarbeit in Deutschland ist. Mit einer kleinen Firma hat er sich selbständig gemacht und erledigt unter anderem kleinere Bauarbeiten.

Einige Arbeitslose sind unter den Polen und Rumänen, aber auch Hausfrauen und Studenten, die sich hier beispielsweise ihr Studium erarbeiten.

Verständigungsschwierigkeiten dank Kasztelan behoben

Zwischen sechs und elf Euro zahlt Schaffer den Erntehelfern, Sozialversicherung inklusive. Die teilen sich eigentlich normalerweise Arbeitgeber und Arbeitnehmer, „aber dann bleibt für die Pflücker zu wenig übrig“, sagt der Landwirt. Miete bezahlen die zeitlich befristeten Arbeiter auf seinem Hof nicht, auch Mineralwasser oder Strom gehen hier auf Kosten des Arbeitgebers.

Diese Saison ist für Schaffer schwierig, aber auch Kasztelan. Die rumänischen Frauen, die zum ersten Mal auf dem Birkenhof sind, können kein Deutsch. „Es wurde mir zwar versprochen, dass eine deutsch sprechende Arbeiterin dabei sein würde, aber ausgerechnet die ist nicht gekommen“. Die einzige Verständigungsmöglichkeit mit den neuen Saisonarbeiterinnen hat nun der Pole Kasztelan.

Keiner soll überfordert werden

Er spricht ein wenig Italienisch, eine Sprache, die auch die Rumäninnen zum Teil beherrschen. „Wir fangen um fünf Uhr morgens an, stechen zwei, drei Stunden Spargel und machen dann eine Pause“, erzählt der Vorarbeiter. Er versucht ein gesundes Gleichgewicht in die anstrengende Arbeit zu bringen, keiner soll überfordert werden, aber die Arbeit muss auch getan werden - nicht nur im Sinne des Arbeitgebers. Auch die Saisonarbeiter sind schließlich gekommen, um möglichst viel verdientes Geld mit nach Hause zu nehmen.

Doch dieses Frühjahr mit seinem kalten, regnerischen Wetter macht es ihnen schwer. Die Erdbeeren wollen nicht so reifen wie sonst, manche faulen schon auf dem Acker. Über den Arbeitgeber - ihm ist er seit über 15 Jahren treu - kann Kasztelan nur Gutes sagen. „Ich wäre nicht so lange gekommen, wenn ich es hier nicht so gut getroffen hätte“.

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