Neuer Verein stellt sich vor

Orgel pfeift fast auf dem letzten Loch

Offenbach-Post

Groß-Zimmern - (bea) Eine Kirchenmaus in stiller Verzweiflung betrachtet die marode Orgel der katholischen Kirche. So sieht das Logo des kürzlich gegründeten Orgelfördervereins St. Bartholomäus aus, der sich am Donnerstag, 11. Juni (Fronleichnam) einer größeren Öffentlichkeit vorstellen will.

„Die Orgel unserer Pfarrkirche ist durch Materialermüdung, konzeptionelle und bauliche Mängel bereits jetzt in Funktion und Klang eingeschränkt“, sagt Manfred Göbel, Vorsitzender und Mitbegründer des wohl jüngsten Zimmerner Vereins.

Durch Reparaturen wurden zwar einzelne Fehler und Mängel beseitigt, nicht jedoch grundlegende bauliche und konzeptionelle Mängel, wie zum Beispiel die elektro-pneumatische Steuerung und der Aufbau der Anlage im Seitenraum der Empore.

Zahlreiche Pfeifen verbergen sich im Dunkel und sind nur zu sehen, indem man durch die Zwischenräume der großen, älteren Tongeber späht. Die neue Orgel soll wieder an den Platz, an dem die ursprüngliche Körfer-Orgel stand, die 1908 erbaut und eingeweiht wurde. Diese alte Orgel war in der Mitte der Empore aufgebaut, den Spieltisch für den Organisten im Zentrum und die Pfeifen rechts und links davon.

Eine Disposition mit rund 20 Registern ist für die Zimmerner Kirche erforderlich, hat der Orgelsachverständige des Bistums Nicolo Sokoli nach einer ersten Besichtigung festgestellt. Wie das neue Instrument aussehen wird, ist noch nicht klar. Erst wenn Sokoli ein Konzept für die neue Orgel ausgearbeitet hat, lässt sich berechnen, was das neue Kirchenmusikinstrument für die katholische Gemeinde kosten wird. „Im sechsstelligen Bereich wird der Betrag sicher liegen“, meint Göbel. Ein Teil der Pfeifen, rund ein Drittel, die noch von der alten Körfer-Orgel stammen, soll wieder verwendet werden.

Probleme bereiten eher die Teile, die bei der Generalüberholung Anfang der 70er-Jahre eingebaut wurden sowie der seitliche Aufbau der Orgel.

Viele Ideen, um die doch erheblichen Kosten zu bewältigen, hat der Orgelverein schon entwickelt und teilweise auch umgesetzt. Ein großer Erfolg war die Weinprobe, die im November vergangenen Jahres stattfand. Eine Neuauflage wird es am Freitag, 27. November, geben.

Ganz aktuell wird sich der Orgelverein an Fronleichnam auf der Ranch mit einem Stand präsentieren und dabei auch seine neuen Ideen vorstellen. „Wir brauchen in erster Linie Geld“, erklärt Göbel, „ohne dabei die anderen Projekte, die die Kirche unterstützt, schmälern zu wollen“. Das Orgelbrot von Bäcker Klaus Nennhuber, das sich großer Beliebtheit erfreut, soll weiterhin verkauft werden, auch beim Kürbismarkt wird sich der Verein präsentieren.

Für das Jahr 2010 hat der Förderverein einige Projekte in Planung. „Ein Konzert mit alten Instrumenten, einer Drehleier und einer Orgelleier soll es geben“, kündigt der Vorsitzende des Vereins an. Und da die evangelische Kirche ebenfalls viel Geld für die bereits erfolgte Renovierung ihrer Kirchenfenster benötigt, soll es ein ökumenisches Kulturprojekt geben. Voraussichtlich am 3. Juli 2010 soll auf dem Roten Platz eine Veranstaltung mit Groß-Zimmerner Musikgruppen stattfinden, von den kirchlichen Posaunenchören bis zu den Kerb-Dixie-Stompers, beispielsweise.

„Träger wird der Glöckelchenverein sein, die Einnahmen werden zwischen den Kirchen brüderlich geteilt“, erklärt Göbel, der Vorsitzender beider Vereine ist.

Die Mitglieder des Orgelvereins hoffen, dass viele Zimmerner dem Verein beitreten und zur Finanzierung der neuen Orgel beitragen. Erwünscht sind natürlich auch Spenden. Viele Privatpersonen haben schon den einen oder anderen Euro beigetragen und die Volksbank Odenwald hat schon einmal 1 000 Euro in den großen Spendentopf geworfen.

Der Orgelverein präsentiert sich an Fronleichnam nach der Prozession, ab circa 11 Uhr auf der Ranch. Neben den Beitrittserklärungen gibt es den Ausschank eines original französischen Rotweins unter dem Zimmerner Motto „Schiddseischindigoiel - mertrinkefordioijel“.

Und wer die jetzige Orgel einmal besichtigen und fachkundig erklärt haben will, der sollte sich am Donnerstag auch zur Ranch begeben. Zwischen 14 und 16 Uhr wird Klaus Wörtche den Wissbegierigen das auf dem fast letzten Loch pfeifende Instrument zeigen und erläutern.

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