Ortstermin „Ziegelei“

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Zur Nutzung als Abenteuerspielplatz und zur Entsorgung von Bauschutt und Müll bietet sich das wenig gesicherte Gelände der alten Ziegelei an.

Groß-Zimmern (guf) ‐ Vorsichtig blinzeln güldene Sonnenstrahlen zwischen den Gittern hindurch. Ja, es gibt sie noch, die Sonne, sogar am frostigen Mittwochmorgen. Und mit ihr kommt Hoffnung auf - auch für die Ziegelei.

Vielleicht könnte die als Müllhalde degradierte Industriebrache ja bald in ein besseres Licht gerückt werden? Das wollen eigentlich alle: Bürger, Politiker, Insolvenzverwalter und potenzielle Investoren.

In den Neunzigerjahren stellten die „Odenwälder Ziegelwerke“ (OZ) die Produktion ein. 2002 meldete die „Immobiliengruppe Frankfurt“ ihr Interesse an. Bis zur Fußballweltmeisterschaft 2006 wollte man auf dem 66 000 Quadratmeter umfassenden Areal an der Darmstädter Straße ein Seminarzentrum mit angeschlossenem Wellness-Bereich, ein hochklassiges Hotel und Wohnbauten gehobenen Standards errichten. 2005 stimmten die Gemeindevertreter nach langwierigen Beratungen dem städtebaulichen Plan für die Erschließung des Geländes zu. „Auch im Sinne der Weiterentwicklung der Gemeinde ist es höchste Zeit, denn das angrenzende Baugebiet 'Im Schlädchen' ist an den Fortschritt gekoppelt“, erklärte Bürgermeister Achim Grimm damals. Nachdem sich lange Zeit nichts tat, wurde schließlich 2008 das Scheitern dieses Projektes bekannt. Im letzten Jahr meldete sich ein neuer Interessent. Harald Früchtenicht erläuterte gemeinsam mit Ingenieur Michael Schweiger den Groß-Zimmerner Kommunalpolitikern erste Vorstellungen für die Bebauung der Ziegelei (der LA berichtete). Doch bisher ist keine Entscheidung gefallen, dafür aber die Umzäunung an vielen Stellen des Geländes.

Landkreis sieht Gemeinde in der Pflicht

Die Umzäunung ist an vielen Stellen kaputt. Aber warum nach dem Durchschlupf suchen, wenn das Tor doch offen steht?

Die Frage, wer für die Sicherung des Anwesens zuständig ist, das sich für Kinder und Jugendliche als Abenteuerspielplatz anbietet und auf dem immer wieder illegal Schutt entsorgt wird, wird hin und her geschoben. Da das Gelände nur unzureichend gesichert ist und von den zum Abriss vorgesehenen Gebäuden eine Unfallgefahr ausgeht, herrscht eine Art rechtswidriger Zustand. Insolvenzverwalter Tobias Hoefer hat ,,mangels Masse“ bereits abgewinkt, der Landkreis sieht die Gemeinde in der Pflicht.

Die in der ,,Arge Alte Ziegelei Groß-Zimmern GbR“ zusammengefassten Projektentwickler weisen zudem auf Umweltbelastungen hin, die von Altlasten auf dem Gelände ausgehen: An einer Stelle würden in einem Graben Schwermetalle ins Erdreich geschwemmt, an drei Stellen sei der Boden mit Mineralölen verunreinigt. Diese Belastungen würde eine Nutzung des Geländes als Gewerbegebiet ausschließen, da die Sanierungskosten den zu erzielenden Preis für Gewerbegrundstücke übersteigen. Anders sehe die Kalkulation allerdings bei ihrer Wohnbebauung aus, so Früchtenicht und Schweiger.

Die alte Ziegelei - ein isoliertes Gebiet

Kritisiert wurde bei ihrem Projekt, dass so auf dem Ziegelei-Gelände ein isoliertes Siedlungsgebiet entstünde.

Um endlich Klarheit in das Dunkel der Industriebrache zu bringen und vor allem für Ordnung und Sicherheit zu sorgen, hat Parlamentsvorsteherin Katharina Geibel die Gemeindevertreter für Freitag, 19. März, um 15 Uhr zu einem Ortstermin auf das Ziegeleigelände eingeladen.

Neubaugebiet brächte rund 200 neue Einwohner

Den Sitzungsunterlagen wurden Antworten auf einen Fragenkatalog aus den Fraktionen beigefügt, in dem unter anderem die Bevölkerungsentwicklung erläutert wird. Die Prognose sage bis 2030 eine stabile Bevölkerungszahl voraus. Das Neubaugebiet Alte Ziegelei brächte bis zu 200 neue Einwohner, die Kapazitäten der Kindergärten und Schulen seien vorhanden. Das gelte auch für die Kläranlage.

Zudem gehe der Aufbau der Infrastruktur für das neue Wohngebiet zu Lasten der Investoren. Die Wertabschöpfung für die Aufwertung zum Wohnbaugebiet könne in Form einer Infrastrukturabgabe oder durch eine bauliche Einrichtung für die Betreuung von Kindern unter drei Jahre geleistet werden. Im Anschluss an den Ortstermin in der Darmstädter Straße kommen die Parlamentarier im Rathaus zu einer Sondersitzung zusammen.

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