Spende über 555 Euro / Bewohner des Seniorenzentrums „Gersprenz“ helfen den Helfern

Palliativteam kann starten

Senio-Leiter Franz-Josef Partsch überreichte einen Spendenscheck an die Aktiven des Palliativteams (von links) Dr. Ingmar Hornke, Amelie Reuß und Heinrich IX. Prinz Reuß. Foto: Friedrich

Groß-Zimmern/Darmstadt-Dieburg J Sterben ist nicht nur ein gesellschaftliches Tabuthema. Die Pforten, an die Dr. Ingmar Hornke in der Landespolitik seit vier Jahren klopft, bleiben verschlossen.

Dennoch kann der Geschäftsführer des „Palliativteams Frankfurt“ mit seinem Pilotprojekt beginnen: einem Kinder-Palliativteam für den südhessischen Raum.

Private Spenden statt öffentliche Hand

Die Anschubfinanzierung leisteten viele Bürger, die dem Aufruf der Ärzte folgten - unter anderem in einer groß angelegten Kampagne des Hessischen Rundfunks. Die Bewohner des Seniorenzentrums „Gersprenz“ in Zimmern sammelten bei ihrem Sommerfest 555 Euro, die jetzt bei einem Besuch des Ärzteteams überreicht wurden. „Wir wollen ein Zeichen setzen“, sagte Franz-Josef Partsch, Leiter der Senioreneinrichtung, „die Arbeit des Palliativteams hat uns sehr berührt.“

Sieben schwerstkranke Kinder und 450 Erwachsene und ihre Angehörige wurden von der 2010 gegründeten Initiative betreut. Medizinisches Fachpersonal, Psychologen und Ärzte betreuen Patienten in deren letzten Lebensphase zu Hause - in enger Kooperation mit ansässigen Ärzten, stationären Hospizeinrichtungen, ehrenamtlichen Hospizhelfern und Pflegediensten.

„Wir setzen uns dafür ein, dass für Familien mit einem Kind an der Schwelle des Todes das Leben zu Hause möglich wird“, so die Botschaft des kleinen Teams, das Dank des Startkapitals der HR-Spendenaktion (1300 Einzelspender sammelten die Rekordsumme von 150 000 Euro an) nun mit seiner Arbeit im Rhein-Main-Gebiet beginnen kann. Die Krankenkassen sollen in diesem Jahr als Finanzierungspartner mit ins Boot geholt werden.

Die Crux: Die Kassenleistungen umfingen lediglich den Aufwand für die Patienten - die Angehörigen bleiben außen vor, schildert Dr. Ingmar Hornk. Eltern, Geschwister und weitere Angehörige in diesen schweren Stunden aufzufangen, ist ein zweite Säule der Arbeit des Palliativteams. „Trotz der Härte dieser Aufgabe sind alle Mitarbeiter sehr dankbar, dass wir diese Arbeit tun dürfen“, sagte der Geschäftsführer.

„Wir lachen sogar viel“, fügte die Psychologin Amelie Reuß an. „Aber manchmal habe ich aus Verzweiflung auch einfach nur mit geflennt, dass Menschen so etwas aushalten müssen“, sagt der Arzt für Anästhesiologie und Palliativmedizin ehrlich.

80 schwerstkranke Kinder sterben jährlich in Südhessen

Etwa 80 Kinder in Südhessen versterben jährlich an einer unheilbaren Krankheit. Nicht Krebs, sondern Stoffwechselstörungen führen die Liste dieser Erkrankungen an, die trotz moderner Medizin irgendwann das Unausweichliche klar machen: der Tod steht bevor.

Die kleinen Patienten akzeptierten dies meist vor den fassungslosen Angehörigen, so die Erfahrung der Ärzte.

Finanzielle Mittel, die helfen, auch die Angehörigen schwerstkranker Kinder und Jugendlicher mit zu betreuen,, flößen in anderen Bundesländern durchaus. In Hessen hat die Arbeit des bis dato einzigen Kinderpalliativteams in der Politik noch kein Gehör gefunden. Doch Unterstützung tut Not. Zwei Fahrzeuge müssten dringend angeschafft werden, um die Mediziner, die rund um die Uhr Rufbereitschaft haben, in ihrem Einsatzgebiet in Südhessen zu ihren Patienten zu bringen. „Unser jetziges Budget deckt die Projektphase ab“, erklärt der Geschäftsführer, die Finanzierung für 2013 steht noch in den Sternen. Beispielhaft also der Einsatz des Seniorenheims.

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