Hat Pfarrer einen Vertrag mit Bofrost?

+
Claudia Kointza (l.) und Gisela Blome streiten sich um die holde Männlichkeit (Norbert Pullmann).

Groß-Zimmern - Internas aus der Kirchengemeinde gab es bei der Frauenfastnacht in der Bütt. Rita Bayer, ihres Zeichens Küsterin in Klein-Zimmern, plauderte am Donnerstagabend im katholischen Pfarrzentrum aus dem Leben der Pfarrgemeinde. Von Ulrike Bernauer

Rita Bayer lässt vor ihrer Büttenrede den Klingelbeutel rumgehen.

Rita Bayer hatte vor allen Dingen einen Tipp an ihre Geschlechtsgenossinnen: „Oans soag ich eich, ehr Kinner, werd alles nor koan Kerchediener. “ Mit dem Klingelbeutel war die Fastnachterin eingezogen, gekleidet in ein talarähnliches Gewand mit Spitzendecke. Der Klingelbeutel wurde gefüllt auf ihrem Gang durch das närrische Frauenvolk. Angekommen an der Bütt nahm sie auch den Pfarrer aufs Korn: „des is bei uns schunn en heikle Komplex, en junge Pfarrer und – e oald Hex. “ Thema ihrer Rede war auch die Verschmelzung der Pfarreien Groß- und Klein-Zimmern zu einer Kirchengemeinde. „Die Meenzer, die doun wolle, dass sich Kloa- und Grouß-Zimmern vertroue solle. Des is en typische Kerche-Erlass. Die gunne uns doch goar koan Spass. E bißje Streit dut doch die Stimmung hewe un vertreibt die Langeweile aus em Lewe. “.

Auch die Fraa von de Besch, Elfriede Burger, begeisterte mit ihrer Rede. Als Weinkönigin vom Gersprenzstrand zog sie in die Bütt. Auf eine Annonce in der Zeitung hatte sie sich beworben mit „einem Portree unter Chiffree. Oh, denk ich, Elfriede, du hörst besser auf, die altdeutsche Wörter, di host du nit drauf. Chiffree und Portree, weil du das nicht so weißt, man liest so viel Schlechtes, weißt nit, was es heißt. Naja denk ich, könnt was vom Wein en Fachausdruck oder was Ähnliches sein.“ Ihre gute Qualifikation sieht die Weinkönigin in spe in ihrer Trinkfestigkeit, weshalb sie vor versammelter Zuschauerschaft einen ganzen Pokal leert. Doch die „Schuri“ überzeugt sie damit nicht. „Die Schuris die haben sich bucklig gelacht, es hot ewig gedauert, bis einer mir sacht, du Trampeltier musst unbedingt in die Bütt.“ Und da war sie an der richtigen Stelle, die Ersatzweinkönigin.

Herren standen hinter der Theke

Einen überraschenden Vorschlag hatte „Sitzungspräsidentin“ Rosemarie Busch-Maiwald für Pfarrer Christian Rauch, der genauso wie seine evangelischen Kollegen Zutritt bei der Weiberfastnacht hatte. Die übrigen Herren, die ebenfalls Einlass fanden, standen hinter der Theke oder zum Amüsement der feiernden Damen auf der Bühne. Ins Tattoostudio, das kürzlich gegenüber der Kirche eröffnet hatte, wollte die Präsidentin den Pfarrer schicken, um sich dort ein schickes Orgelmäuschen stechen zu lassen.

Über die Männer machten sich zwei weitere Damen in der Bütt lustig. Elisabeth Schaffer zog ihren Angetrauten durch den Kakao. Über seine Technikbegeisterung konnte sie nur den Kopf schütteln, denn „erst als er alles angeschafft, merkt er, dass er es nicht rafft“. Auch über seine Autoliebe, „man könnte meinen der Wagen gehöre mittlerweile zur Verwandtschaft“ kann sie nur den Kopf schütteln. „Ich glaub dass ich ihn erschießen muss, sind die alle so mit 60+?“ Katharina Fischer hingegen legt sich mit der gesamten Männerwelt an, „heute wird die holde Männerwelt einfach vor die Tür gestellt“, und sie freut sich, dass der Abend ohne Tyrannen verläuft. Zur Erheiterung des amüsierten Frauenvolkes stiegen auch noch Brigitte Jung und Karin Klober als Marktfrauen, die vor lauter Tratschen ihre Eier nicht richtig verkaufen konnten in die Bütt. Sandra und Tanja Ihring überzeugten als Bänkelsänger, die ebenfalls das Gemeindegeschehen in ihren Liedern zum Thema hatten. Weil noch immer Geld für die Orgel fehlt, wollten sie Pfarrer Rauch als VIP ins Dschungelcamp schicken oder sie fragten sich, ob die Kirche oft so kalt ist, weil der Pfarrer einen Vertrag mit Bofrost abgeschlossen hat und diese Firma die Kirche als Lager nutzt.

Bilder zur Frauenfastnacht

Frauen feiern Fastnacht

Der Pfarrer trat auch selbst auf die Bühne, für seine Gesangsshow mit Elke Thill als Maria und Margot Hellwig war das doch eher intime Pfarrzentrum genau der richtige Rahmen. Tränen lachten die Zuschauerinnen bei Gisela Blome und Claudia Kointza, die sich zu Marianne Rosenberger Songs um einen Mann stritten und Norbert Pullmann ordentlich über die Bühne zerrten.

Was wäre eine Faschingssitzung ohne etwas fürs Auge und so wurden auch die feiernden Damen verwöhnt. Hoch schwang die Garde ihre Beine, jedes Jahr ein Wunder, dass die Mädels auf der kleinen „Bühne“ ihren Tanz absolvieren können, ohne mit dem Publikum zusammenzu- rumpeln. Viel Applaus bekamen auch Desert Roses, die in ihren knappen Kostümen an das Pariser Moulin Rouge erinnerten. Fehlen durften auch nicht die Hupfdohlen, die sich diesmal anfänglich venezianisch gewandet hatten. Vom getragenen Rondo Veneziano wechselten die Tänzerinnen jedoch schnell das Kostüm und drehten sich zu fetziger Musik.

Den Schlussapplaus bekamen die Elfchen, die sich als Pumuckl in die Herzen der Damen tanzten.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare