73-Jähriger geht jetzt in den Ruhestand

Pfarrer Herbert Wendt sagt Adieu

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Nach fünfzehn Jahren in Klein-Zimmern geht Herbert Wendt nun in den Ruhestand.

Klein-Zimmern (ula) ‐ Zwei Fahrräder sind auf der Halterung am Auto verschnürt, auf der Rückbank stehen Umzugskartons. Pfarrer Herbert Wendt (73) ist im Aufbruch. Nach fünfzehn Jahren verlässt er seine Gemeinde in Klein-Zimmern. Sein Weg führt nach Fürth im Odenwald, wo eine idyllisch gelegene Wohnung am Waldrand den Entschluss zu gehen besiegelte.

“Ich wäre auch noch zwei Jahre geblieben“, erzählt der Katholik, „aber dann habe ich durch Bekannte die Wohnung gefunden und wusste: Hier will ich hin.“

Am Ostermontag wurde Pfarrer Wendt feierlich von Weihbischof Werner Guballa verabschiedet.

Sein Ruhestand hat nichts mit „Ausruhen“ gemein, denn der Naturfreund möchte wandern, radfahren und reisen. Feste Reisepläne gibt es bereits: Im August geht es mit einer Gruppe von Firmkathecheten aus Klein-und Groß-Zimmern auf den Jakobsweg. Bereits zum dritten Mal.

Wendt, der als Flüchtlingskind nach dem zweiten Weltkrieg im „Viehwagon“ aus dem Sudetenland nach Dieburg und später nach Ober-Roden kam, betreute vier Gemeinden als Pfarrer.

Und trotz Rente wird der Geistliche sein seelsorgerisches Wirken nicht ganz abgelegen. Aushilfsweise würde er auch in seiner Wahlheimat Fürth den ein oder anderen Gottesdienst halten, wenn Bedarf sei. Klein Zimmern verlässt er mit einem lachenden und einem weinenden Auge.

„Ein Neuanfang ist auch immer mit Wehmut verbunden“, erzählt er – viele schöne und bewegende Dinge habe er in Klein-Zimmern erlebt. „Als ich am 1. Dezember 1995 herkam, gab es vier Messdiener“, erinnert er sich. Junge Menschen für den Dienst in der Kirche zu motivieren, gelang ihm recht gut. Heute gibt es 20 Messdiener. Die Kinder- und Jugendarbeit in seiner Pfarrerei habe ihm viel Freude bereitetet, erzählt Wendt. Besonders die Jugendfreizeiten sind ihm in schöner Erinnerung geblieben. „Toll, wie sich die Jugendlichen trotz großer Altersunterschiede verstanden.“ Auch der Aufbau eines Karitashelferkreises gelang. Eine Arbeit, die Wendt sehr wichtig ist. Besuche kranker und einsamer Menschen, sogar finanzielle Unterstützung wurde gespendet, „der Helferkreis macht aber auch ohne mich sicher weiter.“ Unzählige Hochzeiten, Taufen, Beerdigungen und Segenswünsche prägen die vergangenen Jahre. Manches verblasste, anderes ist präsent. „Es gab einige plötzliche Todesfälle, die mir gut in Erinnerung sind – das ist mir sehr nah gegangen“, erinnert er sich

Zu den schönen Momenten gehört die Kronjuwelenhochzeit, die er mit einem Jubelpaar wegen des fortgeschrittenen Alters in dessen Wohnzimmer feierte. „Auch unser Bibelkreis ist mir sehr ans Herz gewachsen.“

Die Zusammenarbeit mit dem Groß-Zimmerner Kollegen Christian Rauch sei sehr schön gewesen, lobt der Gottesmann. „Und das ist nicht selbstverständlich, denn wir Pfarrer werden nicht zur Teamarbeit erzogen.“ Christian Rauch wird die 700 Katholiken Klein-Zimmerns künftig ebenfalls betreuen.

Ein Nachfolger für Herbert Wendt fand sich nicht, sodass die Gemeinde erstmals seit rund 150 Jahren keinen eigenen Pfarrer mehr hat.

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