Mit Pfeifen, Tasten und Blasebalg

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Das Warten auf die neue Orgel wurde der katholischen Kirchengemeinde mit einem musikalischen Intermezzo versüßt: Beim Konzert von TreCantus erklang mit dem Portatif der kleine Vetter der Orgel im dicht gefüllten Gotteshaus.

Groß-Zimmern - Noch träumt man in der katholischen Kirchengemeinde von einer neuen Orgel. Dass auch ganz kleine Vertreter dieser Instrumentengruppe großartig klingen können, zeigte das Ensemble TreCantus am vergangenen Sonntag. Von Ursula Friedrich 

Konzertorganist Franns von Prommitzau bereicherte mit seinem Portatif den Gottesdienst in der vollbesetztenKirche - unterstützt von Sängerin Jana Karin Adam. „Ist das wirklich eine Orgel?“ wollte Gottesdienstbesucher Julian im Anschluss wissen, die Miniaturausgabe skeptisch betrachtend. „Pfeifen, Tasten, Blasebalg!“, alle Kriterien, die eine Orgel erfüllen muss, seien da, erklärte der Organist. Das einst so populäre Instrument hätte bereits die Römer begeistert, ja es ist durchaus möglich, dass Jesus mit Orgelspiel predigte, denn Vorläufer der Orgel sind schon 300 vor Christus dokumentiert.

Das bis ins 17. Jahrhundert gespielte Portatif droht heute in Vergessenheit zu geraten. Von Prommitzau hat die Renaissance des Portatifs beflügelt - und sich die Miniorgel in der Schweiz nachbauen lassen. Auf Einladung des Orgelfördervereins St, Bartholomäus kamen die beiden Musiker nach Zimmern und boten mit ihrem Portatif einen Hörgenuss im Dreiklang. „Inzwischen haben wir fast schon unser 900. Konzert“, freute sich der Organist über die neue Popularität des einst meist gespielten europäischen Instruments.

Dass der Orgelwinzling ein musikalischer Tausendsassa ist, bewies das Ensemble mit einem Konzert in den Abendstunden. Standen am Morgen im Gottesdienst ausschließlich sakrale Werke auf dem Programm, ging es später im Pfarrzentrum zur weltlichen Musik der Gotik und Rennaissance über. Im Gegensatz zum großen Vetter, der mehrere Etagen einer Kirche beherrschen kann, brachte das Protatif sowohl für Minnesänger als auch Organisten entscheidende Vorteile. Mühelos wurde die Babyorgel auf Reisen mitgeführt oder unterstrich Prozessionen mit ihrem Klang.

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