Pfiffikus zieht um in die Schule

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Matti (links) und Milla decken den Tisch für die Ferienspielkinder zum Mittagessen.

Groß-Zimmern - Seit 1998 gibt es den „Pfiffikus“, die betreuende Grundschule, die von einer Elterninitiative gegründet wurde. Von Ulrike Bernauer

15 Jahre danach hat der Verein seine Berechtigung trotz Ganztagsangeboten an den zwei Groß-Zimmerner Grundschulen, Friedensschule und Schule im Angelgarten (SiA), nicht verloren. Beispielsweise werden auch in der Freizeit Kinder betreut, wie jetzt aktuell in der dritten Weihnachtsferienwoche. Die Geißbergschule in Klein-Zimmern bietet kein offizielles Betreuungsangebot mehr an.

Sabine Schaub, die stellvertretende pädagogische Leiterin der Schülerbetreuung des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) im Landkreis Darmstadt-Dieburg, hält den Begriff „Ganztagsschule“ sowieso eher für Etikettenschwindel. Denn in der ersten Phase, oder auch im ersten Profil auf dem Weg zur Ganztagsschule, wird lediglich eine Betreuung von 7.30 bis 14.30 Uhr angeboten. Da sei der „Pfiffikus“ schon erheblich weiter.

Betreuungszeit erlaubt längere Arbeitszeiten

Die Betreuungszeiten reichen von 7 bis 16 Uhr. Sie ermöglichen also den Eltern - und hier zumeist den Müttern - längere Arbeitszeiten. So ist es auch zu erklären, dass immer noch viele Kinder die Einrichtung besuchen, obwohl die Betreuung hier Geld kostet, während die Ganztagsschule (GTA) kostenfrei von den Eltern in Anspruch genommen werden kann.

Schaub verweist neben den längeren Betreuungszeiten, die für die Eltern in den meisten Fällen wohl ausschlaggebend sind, auch auf die bessere pädagogische Ausstattung beim Pfiffikus.

Hier seien zum größten Teil Fachkräfte angestellt, auch die Ausstattung der Räume mit Spielzeug sei erheblich besser. Die GTA hingegen gewährleiste mit geringsten finanziellen Mitteln eine Betreuung der Schüler, die mehr oder weniger darauf hinaus laufe, dass die Kinder nicht allein gelassen werden.

Kritisch sieht Schaub auch, dass die Schulen gezwungen seien, die beiden Angebote, also betreuende Grundschule und GTA, parallel laufen zu lassen. Der Gesetzgeber verlange diese strikte Trennung zwischen kostenfreiem und zu bezahlendem Angebot.

„Es wäre manches leichter, wenn die Einrichtungen besser verzahnt werden könnten“, so Schaub.Wobei die Situation an der Friedensschule noch relativ gut ist, weil hier der ASB sowohl der Träger des Pfiffikus als auch des Ganztagsangebotes ist.

Zwei Räume in der Friedensschule

2005 entschloss sich die Elterninitiative, unter das Dach des ASB zu schlüpfen. Mit damals insgesamt 125 gemeldeten Kindern, 100 an der Friedensschule, 25 an der SiA, war die Arbeitsbelastung für die ehrenamtlichen Vorstandsmitglieder des Pfiffikus einfach zu groß.

„Schließlich hatten wir auch die Verantwortung für das Personal. Da ist es zusammen mit einem größeren Träger einfach sicherer“, erklärt Bettina Feldhausen-Henz, die von Anfang an beim Pfiffikus dabei ist und heute als Koordinatorin der Schülerbetreuung in Groß-Zimmern für den ASB tätig ist.

Einen Vorteil hat die GTA aber doch. Weil das Ganztagsangebot auf dem Schulgelände stattfinden muss, stellte die Friedensschule zwei Räume in einem der Pavillons zur Verfügung. Deshalb konnten die Räumlichkeiten in der Mehrzweckhalle, die die Gemeinde jahrelang zur Verfügung gestellt hat, aus der Nutzung für die Schülerbetreuung genommen werden.

„Wir sind der Gemeinde sehr dankbar, dass sie uns eine Heimstatt geboten hat“, betont Feldhausen-Henz. „Aber es ist schon besser, wenn beide Angebote, Pfiffikus und GTA, nun unter einem Dach sind. Auch wenn wir beispielsweise die Nutzung der Mehrzweckhalle vermissen.“

Ganztagsbetreuung bis 17 Uhr

Die Ganztagsbetreuung in Groß-Zimmern wird noch eine Weile auf dem heutigen Stand bleiben. Bis Ende 2013 haben die Grundschulen im Landkreis noch die Möglichkeit, sich als Ganztagsschule zu bewerben. Erst danach wird an weitergehenden Konzepten für eine „echte“ Ganztagsschule gearbeitet. Schaub rechnet noch mit einigen Jahren, bevor das Ziel erreicht ist, eine Ganztagsbetreuung bis 17 Uhr zu sichern.

Aber nicht nur darauf warten die Eltern, die Kinder und die Verantwortlichen wie beispielsweise Schulleiter Axel Pucknat, der ebenfalls an einer bestmöglichen Betreuung zusammen mit dem Pfiffikus und dem ASB arbeitet.

Die räumliche Versorgung für die Betreuung könnten deutlich besser sein und alle warten darauf, dass das alte Schulhaus in der Wilhelm-Leuschner-Straße, in dem zur Zeit noch Asylbewerber untergebracht sind, frei wird.

Laut Kreispressesprecher Frank Horneff wird das Flüchtlingswerk des Landkreises das Haus am 31. März an das DADI-Werk übergeben. Erst dann wird mit den Planungen für einen Umbau begonnen. Der Friedensschule wird das Haus somit voraussichtlicherst im Laufe des Jahres 2014 zur Verfügung stehen.

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