Prominente bei Würmern

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Viel zu lachen hatten die Besucher im Feuerwehrhaus Klein-Zimmern.

Klein-Zimmern (ula) ‐ Der literarische Ausflug mit Beutel, Bücherwürmern und Bürgermeister geriet zu einem kurzweiligen Abend. Rund zwei Dutzend Besucher kamen zur zweiten „Prominenten-Lesung“ der Literaturinitiative „Bücherwürmer“ ins Feuerwehrhaus, um bei einem edlen Tropfen Wein die literarischen Beiträge zu genießen.

Bürgermeister Achim Grimm und Thomas Beutel, Vorsitzender des Kerbvereins Groß-Zimmern, hatten zu Hause die Bücherregale geplündert, um ihr Publikum in die Welt der munteren Belletristik zu entführen. Im Hinblick auf die eigene private Situation, bedingt durch den 15 Monate alten Familienzuwachs Johanna, fiel die Wahl des Gemeindeoberhaupts auf ein heiteres Werk des Engländers Simon Brett: „Wie ich meinen Eltern den letzten Nerv raubte“.

Das Buch war ein Geschenk zur Geburt der Tochter, erzählte Grimm, der aufgrund der anstrengenden neuen Aufgabe als Vater allerdings selten zum lesen kam. Nun, da die Nächte wieder ohne häufige Unterbrechungen durch den Säugling den erholsamen Schlaf bieten, gab Grimm die ulkigsten Passagen aus dem Roman zum Besten. Die Memoiren des Babys, das mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln die Welt der Erwachsenen aus den Angeln hob, hatten beim Publikum den gewünschten Effekt: Die Lachmuskeln wurden kräftig strapaziert.

Lokalhistorie liefert viel Humorvolles

Auch Beutel trug mit seinem Vortrag zur heiteren Stimmung bei, hatte er doch Kurzgeschichten Ephraim Kishons mitgebracht - und: Kräftig in der Lokalhistorie recherchiert. Denn die Heimatgemeinde selbst hat soviel Humorvolles zu bieten, dass Ausflüge in die Weltliteratur gar nicht nötig sind. „In Zimmern gab es einen Nasenverein“, berichtete Beutel. Wer seine Nase in ein Kästchen steckte und dabei eine an der rückwärtigen Wand liegende Glocke berührte, wurde Mitglied. Als die Nationalsozialisten im Zuge der Gleichschaltung 1933 das Vereinsvermögen beschlagnahmen wollten, löste sich der 1884 gegründete Verein auf: „Vorher haben sie noch das gesamte Vermögen verfressen“, so Beutel heiter, was blieb waren 40 Pfennig.

In der jüngeren Vergangenheit waren die Glossen im Lokalanzeiger beliebt. Unter dem Pseudonym „Gänseflitsch“ schrieb ein wortgewandter Bürger, wie ihm der Schnabel gewachsen war. „Dass es sich dabei um den Heimatdichter Georg Fritzges handelte, wussten nicht einmal seine Angehörigen“, erklärte Beutel. Die Liebe zu munterer Literatur und die Kunst, jene vor Publikum vorzutragen, ist eine Parallele zwischen dem Chef des Kerbvereins und Gemeindeoberhaupt Grimm.

Beide „Promis“ verbindet die Fähigkeit, Menschen mitzureißen. „Wir waren beide Kerbvadder“, sagte Grimm.

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