Pünktlich zum Ende der Osterferien

Umbau und Sanierung der Alten Friedensschule abgeschlossen

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Die Frontansicht zeigt die Friedensschule von der Wilhelm-Leuschner-Straße aus. Rund 300 Schüler können sich pünktlich zum Schulstart nach den Osterferien auf sanierte Räume freuen.

Groß-Zimmern - Der Umbau der Alten Friedensschule in Groß-Zimmern ist pünktlich zum Ende der Osterferien abgeschlossen. Der LA war bei einem Rundgang durch die Einrichtung dabei. Von Sebastian Richter 

Was sind das nur für Pfähle? Schule kann zwar ein Martyrium sein, aber muss man deswegen gleich ein Dutzend Marterpfähle aufstellen? Sie fallen auf, denn sie sind ein ungewöhnliches gestalterisches Element auf dem Außengelände der Alten Friedensschule in Groß-Zimmern, deren Sanierung und Umbau nun abgeschlossen ist. Mit dem Ende der Osterferien werden die Nutzer die völlig neu gestalteten Räumen nun nach und nach in Betrieb nehmen.

Andreas Arnold und Holger Gehbauer fahren vor. Die beiden Mitarbeiter des Da-Di-Werks gehören zu den Managern des ambitionierten Schulbauprogramms, mit denen der Landkreis Darmstadt-Dieburg über 400 Millionen Euro in die Zukunft der Bildung investiert. Knapp 3,6 Millionen hat es gekostet, das historische Gebäude an der Wilhelm-Leuschner-Straße wieder für schulische Zwecke nutzbar zu machen.

Wobei „schulisch“ recht weit gefasst ist. Der denkmalgeschützte Bau, dessen Grundsubstanz aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stammt, ist zu einem Monument der Ganztagsschule geworden, indem er Raum für wichtige Einrichtungen bietet: eine Mensa, und Räume für die Ganztagsbetreuung durch „Pfiffikus“ unter dem organisatorischen Dach des Arbeitersamariterbunds.

Auf den Begriff „Marterpfähle“ reagiert Gehbauer mit konsterniertem Blick. Dem Mann vom Bau scheint es offensichtlich, dass die Gestalter da überdimensionale Mikadostäbe aufrichten ließen, und er verweist auf ein interessantes Detail: In das Holz dieses immobilen „Spielzeugs“ sind vertikale LED-Leisten eingelassen. „Man muss das mal im Dunkeln sehen“, schwärmt der Manager des Da-Di-Werks von den Möglichkeiten, die licht-emittierende Dioden eröffnen.

Die beiden „Fremdenführer“ machen noch vor Betreten des Baus auf ein weiteres, unübersehbares Detail aufmerksam: den mehr oder weniger frei stehenden Aufzugsturm, durch den Barrieren beseitigt werden. Mehr, weil er statisch und optisch vom historischen Gebäude getrennt ist, so wie der Denkmalschutz das fordert, der auf dieser Baustelle gewichtige Worte mitzureden hatte. Weniger, weil der Turm zur Erfüllung seiner Funktion natürlich mit dem Gebäude verbunden sein muss. Dies ist er mittels luftig mit Holz verkleideter Rampen, die Übergänge schaffen, aber zugleich den Unterschied zwischen historischer und moderner Bausubstanz deutlich machen.

So klar war die Trennung nicht überall – eher im Gegenteil: An dem Bauwerk mit zwei angedeuteten Flügeln und einem langen Verbindungstrakt ist immer wieder „rumgebastelt“ worden, wie sich zum Teil erst im Verlauf der Entkernung zu Baubeginn zeigte. Ursprünglich Schule, wurde die Alte Friedensschule zuletzt als kommunaler Sozialwohnraum genutzt, finanziell unterfüttert durch einen entsprechenden Landeskredit, der erst einmal abgelöst werden musste, um das Bauwerk aus der Wohnbindung herauszulösen.

Planungsbeginn für die erneute schulische Nutzung war im April 2014. Bis zur Baugenehmigung im Juli 2015 verging allerdings mehr als ein Jahr. Dafür war dann aber im selben Monat Baubeginn. Überraschend ist die Weite des Raums für die Mensa im Hochparterre. „Rund 140 Quadratmeter“ schätzt Gehbauer, bringt gedanklich den Bereich der Essensausgabe in Abzug und kalkuliert Raum für 100 „Mitesser“ gleichzeitig. Rund 300 Schüler hat die Friedensschule derzeit. Die separaten Räume für Hauswirtschaft und Personal fallen dagegen vergleichsweise klein aus. Das Essen wird hier nicht frisch zubereitet, sondern von einem Caterer zugeliefert, für den es eine eigene Anfahrt gibt. Der zugehörige Lastenaufzug fehlt noch, die Grube für dessen Installation ist bereits vorbereitet.

Bilder

Im ersten Stock setzt sich fort, was sich bereits in der Mensa angedeutet hat: Das Farbprogramm ist äußerst zurückhaltend, sehr gedeckte Pastelltöne zwischen einer Ahnung von Rosa und Eisblau sollen ein wenig Ruhe in den vermutlich sehr lebhaften Betrieb bringen. Für die Nachmittagsbetreuung stehen oben mehrere unterteilte Räume zur Verfügung, überraschender Weise auf zwei unterschiedlichen Niveaus, was sich in der Fassade des Gebäudes nicht abbildet. Diese Niveaus sind durch Rampen verbunden, die Arnold in seinem aktuellen Projektstatusbericht „behindertenfreundlich“ nennt, weil darüber zwar Rollstühle bewegt werden können, aber nicht ohne fremde Hilfe, weil die Konstruktion dafür zu steil ist.

Nicht neu gestaltet worden ist das Schulhofareal zwischen der alte Turnhalle und der Alten Friedensschule. Nach ursprünglichem Plan sollte die Gemeinde dafür Mittel aus dem Programm „Soziale Stadt“ einwerben, was etwa zwei Drittel der Investitionssumme refinanziert hätte. Dazu ist es nicht gekommen, und da im Wirtschaftsplan des Da-Di-Werks nur die Komplementärmittel eingestellt waren, konnte dieser Bauabschnitt vorerst nicht realisiert werden. Bei den restlichen Investitionen zeichnet sich eine „Punktlandung“ ab, bei der nach gegenwärtigem Stand der Ansatz sogar ganz leicht unterschritten wird.

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