Pünktlich und schnell, aber zu laut

Groß-Zimmern - (bea) Bunt, fröhlich und überaus pünktlich war der Kerbumzug am Sonntag in Groß-Zimmern. So pünktlich, dass Horst Neumann, Vorsitzender des Odenwaldklubs, fast zu spät kam. „Die waren dieses Jahr so schnell, dass wir nur die letzten Wagen gesehen haben“, lacht Neumann, als er an der Hauptstraße ankommt.

Macht aber nichts, dann gehen wir eben in die Bachgasse, da sind sie noch nicht durch“, meint er.

Die meisten anderen Zimmerner und auch die zahlreichen auswärtigen Besucher standen hingegen bereits am Straßenrand, als sich der bunte Lindwurm hindurchwand. In vielen Höfen und auch auf Bürgersteigen waren Tische aufgestellt, an denen sich Familien, Freunde und Nachbarn zum Feiern zusammen gefunden hatten. So zum Beispiel der Jahrgang 1961/62. Der feierte in einem Hof in der Wilhelm-Leuschner-Straße.

Es war ein toller Umzug!“, sagt Michael Böller. Und auf die Frage „warum ist Ihr Jahrgang nicht auch im Umzug?“, entgegnet er: „Gucken Sie sich doch die alten Männer an“. Lachen erntet der Kerbborschte von seinen Kollegen und das Versprechen: „In zwei Jahren zum dreißigsten werden wir auch wieder einmal mitlaufen“.

Voll Elan und Energie waren die Goldenen in diesem Jahr. Ihr Kerbvadder Gerhard heizte dem Publikum am Straßenrand ordentlich ein. „Wem is die Kerb“, rief er in die Zuschauermenge und sein Kerbmädchen Irene stimmte kräftig mit ein. „Wir Goldene feiern heut', so wie vor 50 Jahrn“, stimmten sie ihr eigenes Kerblied an. Da hatten die aktuellen Kerbborschte Mühe mitzuhalten.

Würdevoll saßen Kerbvadder Christian Fröhlich, Kerbmädchen Maria Sardo und Mundschenk Patrick Houstecky in ihrer Kutsche und grüßten das Volk. Im Wagen davor, an dem auch der Kerbkranz schaukelte, machten die blau-weißen Kerbborschte mit ihrer Kerbbobbe Nicole Stimmung.

Ich find den Kerbumzug toll“, sagt Anita Blank und sie bewundert den Ideenreichtum der Gruppen, die sich immerhin jedes Jahr wieder etwas neues ausdenken müssen. Doch die Zimmernerin äußert auch leise Kritik: „Mir war es zu laut. Außerdem sind die Kerb und der Umzug keine Musikveranstaltungen. Vielleicht sollte man sich wieder etwas mehr auf die Traditionen besinnen“.

Ganz unterschiedliche Umsetzung des Mottos

38 Gruppen und Vereine haben den Umzug dieses Jahr mitgestaltet und das Motto, das sich um Spiel und Spaß drehte, ganz unterschiedlich umgesetzt. Scrabble spielte beispielsweise der Jahrgang 1978/79 und der Kerbverein führte gleich einen ganzen Spieltisch mit sich.

Der Rad- und Rollsportverein schickte seine jungen Sportlerinnen als Hütchenfiguren mit „Fang den Hut“ auf die Gasse. Natürlich auf Rollen und so konnten die Zuschauer so manches gekonnte Kunststück bewundern. Andere Gruppen gingen mit dem spielerischen Motto etwas freier um und präsentierten Tierisches. Eine Kuhherde aus dem Jahr 1977/78 wurde durch Zimmern getrieben, die Schweinereien des Jahrgangs 1969/70 fanden im Grippejahr hingegen weitgehend auf dem Wagen statt.

Apropos Wagen. „Phantasievoll war der Umzug und er hat mir auch viel Spaß gemacht“, sagt Michaela Rudolph. „Aber von den Wagen runter müsste mehr Stimmung gemacht werden“, findet sie.

Sehr gut gefallen hat der Umzug hingegen der Familie Roßkopf. Die Klein-Zimmerner freuten sich über die bunte Vielfalt, wunderten sich jedoch auch über die Pünktlichkeit und die enorme Schnelligkeit des Umzugs.

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