Radwanderung

Am längsten Tag ins Messeler Hügelland

Immer wieder gibt es Haltepunkte bei der Radwanderung, wo es Erläuterungen zu Naturschutzmaßnahmen gibt, wie hier an der Hirschkäferwiege. - Foto: Bernauer

Groß-Zimmern - Ein kleines Häuflein Wissbegieriger trifft sich am Freitagabend an der Waldschule. Ausgestattet mit Fahrrädern wollen die Zimmerner das Messeler Hügelland erkunden. Von Ulrike Bernauer 

„Zu Fuß schafft man mit Erklärungen immer nur ein ganz kleines Gebiet“, sagt Uwe Avemarie von der Unteren Naturschutzbehörde, der das Projekt „Messeler Hügelland“ koordiniert. Zum Beweis beugt er sich über eine topografische Karte und zeigt, wie klein der Zipfel ist, den man in einer vernünftigen Zeit per pedes erreichen kann. Schließlich hat das Messeler Hügelland eine Ausdehnung von über 10 000 Hektar. Der Umkreis vergrößert sich erheblich, wenn man das Fahrrad nimmt, und so haben die Radler einiges auf ihrer Agenda stehen.

Die Hirschkäferwiege wollen sie besuchen, Wissenswertes über die Wildkatze erfahren, aber auch dem Steinbruch einen Besuch abstatten. „Wir machen das aber abhängig von Ihrer Ausdauer“, sagt Avemarie und tröstet gleich, „auf dem Rückweg geht es dann nur noch bergab“.

Brummer verstecken sich vor Besuchern

Einen Hirschkäfer sehen die Teilnehmer jedoch auch an der extra für diese Tiere geschaffenen Wiege nicht. Allerdings ist das kein Wunder, die Tiere haben nur eine Lebenserwartung von drei bis acht Wochen. Dafür braucht der Nachwuchs umso länger, um die verschiedenen Larvenstadien zu durchlaufen. Bis sich ein Käfer entwickelt hat, können drei bis acht Jahre vergehen. „Bei unserer Fledermausnacht konnten wir einen der dicken Brummer sehen“, berichtet der NABU-Vorsitzende Dr. Lothar Jacob, „irgendwas lebt bestimmt in unserer Wiege, aber wir können sie wohl schlecht aufbuddeln und nachsehen.“

Ein paar hundert Meter weiter können die Erkunder des Messeler Hügellandes ein trauriges Schauspiel sehen. Die Eschen, auf die mancher Förster als künftigen Waldbaum starke Hoffnung setzt, sterben ab. Vor vier, fünf Jahren kam ein Bakterium aus südländischen Gefilden auch in den Zimmerner Wald, das den Eschen vermutlich in den nächsten zwei Jahren den Garaus machen wird.

Schon Germanen wussten um viele Wirkungen

Jacob erzählt sogleich Geschichtliches: „Die Esche ist ein urdeutscher Baum. Die Germanen haben diesen Baum schon verehrt. Vielleicht auch, weil man daraus Pfeile machen kann.“ Aber auch heute gibt es Nutzer, die auf dieses Holz scharf sind. Ein Werkzeugmacher kauft das Holz, weil es sich besonders für Axt- und sonstige Stiele eignet.

Ein kleineres Gewächs fällt Jacob gleich ins Auge: die Staude Mädesüß. Auch hier kann der Biologe einen Bezug zu den Germanen herstellen. Die haben die Pflanze gerne in das Met gerührt, weil sie schmerzlindernde Wirkung hat. Dem Kater wurde dann gleich beim Trinken vorgebeugt. Diese Wirkung sorgt inzwischen dafür, dass dem Mädesüß das Leben schwer gemacht wird. Diese Eigenschaft wird auch heute wieder geschätzt und so räubern professionelle Sammler die Bestände auch im Wald, obwohl es verboten ist.

Die Wildkatze wird noch gesucht

Einen Haltepunkt gibt es auch bei den Kollerswiesen. „Offene Flächen sind auch im Wald wertvoll für die Natur, sie bieten bestimmten Pflanzen und Tieren Lebensraum. Allerdings müssen die Flächen auch gepflegt, sprich gemäht werden, sonst sind die Wiesen innerhalb von einigen Jahren mit Büschen und Bäumen bewachsen. Dafür gibt es Pflegepläne“, erklärt Avemarie. Die Wiesen sind auch eine interessante Fläche für die Wildkatze, nach deren Vorkommen im Messeler Hügelland immer noch gesucht wird. Aber auch hier konnte sie bis jetzt noch nicht nachgewiesen werden.

Besucht wird auch die Fläche, die für eine Windkraftanlage vorgesehen ist. „Das gehört zwar nicht mehr zum Zimmerner Gebiet, aber zum Messeler Hügelland. Es wird viel über Windkraft geredet, aber die wenigsten haben einen solch freigestellten Standort schon einmal gesehen. Wenn man weiß, wie das aussieht, kann man sich eher eine Meinung darüber bilden.“

Eine Meinung können sich die Radwanderer auch am Steinbruch bilden, der noch von der OHI betrieben wird, denn auch solch eine Anlage haben die Meisten noch nicht gesehen. Zum Schluss ist Jacob sehr zufrieden mit der Radwanderung. „Wir wollten den längsten Tag des Jahres ausnutzen, das ist uns gelungen.“ Denn als die Teilnehmer an der Waldschule ankommen, ist es schon fast ganz dunkel geworden.

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