Mit Rauschbrille am Steuer

+
Wo bitte geht’s zur Schule? Schüler der Albert-Schweitzer-Schule erlebten während der Suchtpräventionswoche hinter „Rauschbrillen“ die simulierte Volltrunkenheit.

Groß-Zimmern (ula) ‐ Mit 1,3 Promille hinterm Steuer ist man fahruntauglich. Diese Erfahrung machten 126 Schüler der Albert-Schweitzer-Schule (ASS) jetzt am eigenen Leib. Die Siebtklässler wurden mit speziell gefertigten „Rauschbrillen“, die Trunkenheit simulieren, auf „Bobby-Cars“ über den Schulhof geschickt.

Für die einen war es lustig, andere machte das Erlebnis, Orientierung und Selbstkontrolle zu verlieren, eher betroffen. Die Fahrt im Rausch war ein Baustein der Suchtpräventionswoche, die seit einigen Jahren an der ASS für alle Schulzweige durchgeführt wird. „In diesem Alter sind Alkohol und Zigaretten ein Thema“, so Sabine Bühler, Federführende des Projekts. „Fast allen Siebtklässlern wurden Suchtmittel bereits angeboten – erschreckend oft von Erwachsenen.“

Hier will Schule junge Leute unterstützen, „Nein“ zu sagen. Aber: Statt mit erhobenem Zeigefinger Suchtmittel zu verteufeln, Fotos von Raucherbeinen und schwarzen Lungen herumzuzeigen, setzt das Konzept auf andere Herangehensweisen.

Herausfiltern eigener Stärken

Unsere Intention ist es, die Jugendlichen stark zu machen, ihr Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen zu festigen.“, so die Pädagogin. Der Schlüssel zum Erfolg liege nicht in Unterrichtseinheiten über Heroin, Haschisch und Co., sondern in Lerneinheiten zum Kennenlernen des eigenen Ichs, dem Umgang mit Gruppendruck, Regeln, dem Herausfiltern eigener Stärken und Schwächen.

Das Projekt wird seit vier Jahren angeboten und wuchs in dieser Zeit von drei auf fünf Unterrichtstage an. Im Vorbereitungsteam ist neben Lehrern sowie der pädagogischen Leiterin der Schule, Bärbel Tippe, die städtische Kinder- und Jugendförderung eingebunden. Die praxisorientierte Woche schließt ein Brief ab, den Schüler an sich selbst schreiben. Welche Ziele setzt man sich für die kommenden Monate? Bessere Mathenoten, weniger Naschen, ordentlicher sein, weniger Zickenkrieg entfachen? Ob es gelingt, zeigt sich, wenn die verschlossenen Kuverts in der Weihnachtszeit an die Verfasser zurückgegeben werden.

Persönlichkeitsentwicklungen spürbar

Manche Schüler machen in dieser Zeit eine richtige Persönlichkeitsentwicklung durch“, zieht Tippe Bilanz. „Andere hingegen nehmen gar nichts mit.“ Der Praxisunterricht mit den Rauschbrillen hinterlässt bei allen Zwölf- bis Vierzehnjährigen lebhafte Eindrücke. Von „komisch“ über „ich sehe alles doppelt“, bis zu echter Bestürzung reicht das Wahrnehmungsspektrum. „Das war ganz schön schlimm“, beschreibt eine Schülerin das Erlebnis. „Man konnte sehen wie es ist, betrunken Auto zu fahren. In unserem Fall musste man die Brillen nur absetzen…aber in echt?“

Kommentare