Beschlussfassung nicht unter freiem Himmel.

Recht trübe Aussichten

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Zwischen Trümmern und Schuttbergen der alten Ziegelei machten sich die Gemeindevertreter ein eigenes Bild.

Groß-Zimmern (guf) ‐ Ein grauer Februartag, Nieselregen, bergeweise Schutt, Straßen- und Fluglärm - der Besuch der alten Ziegelei lässt kaum an „Schöner Wohnen“ denken. Doch die rund 40 Teilnehmer beim Ortstermin der Gemeindevertretung am Freitag lassen sich nicht entmutigen. Sie wollen sich ein eigenes Bild von der Industriebrache in der Darmstädter Straße am Ortseingang machen.

Begrüßt werden sie von Parlamentsvorsteherin Katharina Geibel und Bürgermeister Achim Grimm. Es gehe um die Sicherung des Geländes und um entsprechende Pflichten der Gemeinde, aber auch um eine Entscheidung, damit dem potenziellen Investor baldmöglichst eine Zu- oder Absage für sein Bauvorhaben erteilt werden könne, erklärt Grimm. Er würde das Vorhaben begrüßen, denn mit einem neuen Eigentümer würde sich auf dem Gelände endlich etwas tun und die Gemeinde wäre bezüglich der Sicherungspflicht und der bedrohlichen Altlasten aus dem Schneider. Grimm bittet die Fraktionen, ihre Positionen bezüglich der vorgestellten Pläne der „ARGE Alte Ziegelei“ zu überdenken (der LA berichtete. Die Positionen der Fraktionen auf Seite 3).

Die Führung der Gruppe übernehmen dann die potenziellen Investoren und ARGE-Projektleiter Harald und Christian Früchtenicht.

Zum Schutz gut beschirmt und teilweise mit Helmen auf dem Kopf ziehen die Teilnehmer am 60 Meter hohen Schornstein vorbei zum ersten Stopp. „Sie haben alle passendes Schuhwerk an. Trotzdem bitte ich um Vorsicht, denn das Gelände ist nicht ungefährlich“, mahnt Christian Früchtenicht. Auf die Frage der FDP, ob die Besichtigung gefährlich sein könnte, kam die Antwort: „Sie sollten nichts anfassen, die Einsturz gefährdeten Gebäude meiden und immer darauf achten, wohin sie treten.“ Ob der baufällige Schornstein wohl umfallen könnte, wollte ein Teilnehmer wissen. „Bei Sturm würde ich mich nicht hier hinstellen“, entgegnet Harald Früchtenicht und einige Besucher diskutieren, ob bei einer solchen Wetterlage wohl auch die naheliegende Straße gesperrt werden müsste. Früchtenicht deutet auf Berge von Eternitplatten. „Offensichtlich wurde hier schon mit dem Abriss begonnen. Das aber absolut nicht fachmännisch, denn die asbesthaltigen Platten wurden einfach rausgerissen.“ Wer die Abrissfirma beauftragt hatte, die bereits einiges zum Einsturz gebracht, den Schutt aber bergeweise liegen gelassen hat, weiß keiner.

Viele Informationen zum Bauvorhaben und zum Gelände erhalten die Teilnehmer und einige schildern eigene Erinnerungen - etliche der Gemeindevertreter waren schon im Kindesalter in der Ziegelei. Verlassene Feuerstellen, Graffiti und andere Spuren unbefugter Besucher werden begutachtet und Dr. Jürgen Winkler, Gutachter für Artenschutzbelange, gibt Auskunft über seltene Amphibien und andere Besonderheiten der Flora und Fauna. „Ich wünsche mir ihre Zustimmung“, sagt Früchtenicht abschließend. Sollten die Gemeindevertreter auf ihrer Sitzung am 17. März grünes Licht geben, könnte die Planung weitergehen, der Satzungsbeschluss im Herbst gefasst und dann 2011 mit den Arbeiten begonnen werden.

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