Schon vor dem Eintreten des Ernstfalls über die Pflege der Eltern nachdenken

Rechtzeitig um Entlastung kümmern

Groß-Zimmern -

(mj) Wenn jemand die Pflege eines Elternteils übernimmt kann dies sehr anstrengend sein. „Viele sehen mit der Zeit so angegriffen aus, dass man sich vom Äußeren her manchmal fragt, wer der Pfleger und wer der zu Pflegende ist“, sagt Elke Boß. Die Reinheimer Diplom-Pflegewirtin war die Referentin des ersten gemeinsamen Vortrages, zu dem das Mehrgenerationenhaus und das Demenzservicezentrum eingeladen hatten. Das Thema „Meine Eltern werden älter“ war besonders aktuell gewählt. „Wir haben die Überschrift so allgemein gehalten damit verschiedene Themenbereiche angesprochen werden können“, hob die Koordinatorin des Zent rums, Nicole Novak, hervor. Die wichtigste Botschaft war der Tipp von Boß, sich schon vor dem Eintreten des Ernstfalls mit der Pflege der Eltern auseinander zu setzen. Erörtert wurde die Frage nach einer persönlichen oder fremdvergebenen Pflege, die Übernahme von Kosten (Absprache mit der Krankenkasse) sowie die Ausarbeitung einer Vorsorgevollmacht. Auch sei es sinnvoll, sich im Vorfeld Pflegeheime anzuschauen. Die Expertin riet zu einem großen runden Tisch, an dem kein Familienmitglied fehlen sollte. In diesem Zusammenhang warnte Boß, wichtige Entscheidungen ohne die Betroffenen zu treffen.

Wie die Reinheimerin vorrechnete komme ein Heimplatz derzeit auf zwei- bis 3 000 Euro im Monat. Da die Zuschüsse der Pflegeversicherung nur eine „Teilkasko“ darstellten, würden viele die Entscheidung treffen, den Elternteil bei sich zuhause aufzunehmen („Jetzt bin ich die Mutter meiner Mutter“). Diese Entscheidung habe Vor- und Nachteile: Als Vorteil stelle sich dar, dass man durch die Übernahme einer Pflege rentenversichert ist - sofern sich der zu Pflegende in einer Pflegestufe befindet.

Den bevorstehenden Rollenwechsel, der nicht selten die Berufsaufgabe nach sich ziehe, mahnte Boß genau abzuwägen, da dieser oft unterschätzt werde: „Das ist schon eine besondere Situation, wenn die Mutter fortan jeden Tag im Wohnzimmer sitzt.“

Erschwerend komme manchmal noch die „Sandwich-Rolle“ hinzu, wenn es gelte, nebenbei noch Kinder groß zu ziehen oder deren Ausbildung zu finanzieren.

Boß empfahl auch hier, sich rechtzeitig um Entlastungs- und Hilfsangebote zu kümmern. Diese reichen von einer Unterstützung bei der Körperpflege und Hauswirtschaft über Besuchsdienste bis hin zu einer kompletten Kurzzeitpflege, so dass ein Urlaub nicht ausgeschlossen ist. Als sinnvoll bezeichnete sie den Aufbau eines Netzwerkes, in dem alle wichtigen Rollen, auch die sämtlicher Angehöriger, genau definiert werden.

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