Reiche Ernte drückt die Preise

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Äpfel aus Klein-Zimmernsehen sehen toll und schmecken auch gut. Franziska Geibel erntet den Fuji, die späteste Sorte.

Klein-Zimmern - „Es war ein gutes Jahr“, sagt Ludwig Geibel, nachdem er vergangene Woche die Apfelernte in Klein-Zimmern abgeschlossen hatte. Zwar etwas früher als sonst, aber nach dem milden Winter habe das Obstjahr schließlich auch extrem früh angefangen. Von Ulrike Bernauer 

Die Ernteergebnisse sind sehr unterschiedlich. Manche Apfelsorten brachten reichen Ertrag, andere waren eher spärlich mit Früchten versehen. Bei der Blüte gab es in einigen Lagen noch Frost, der schädigte an gewissen Stellen die Blüten. Franziska Geibel, seit kurzem Obstbaumeisterin und mitverantwortlich im elterlichen Betrieb, nennt das Jahr aber auch „anstrengend“.

Gerade der Frost zur Blütezeit habe viel Arbeitskraft gefordert. Damit die Kälte nicht die Blüten und letztendlich auch die Ernte zerstört, muss ein Sprühnebel über die Bäume gelegt werden. Dabei entsteht Verdunstungswärme, die die Blüten schützt. „Dazu müssen aber Rohre gelegt werden und man muss den Sprühnebel jede Stunde ausbringen. Schlaf ist in solchen Nächten Mangelware“, berichtet die junge Obstbauerin aus Erfahrung.

Von einer überdurchschnittlich guten Ernte, wie sie in manchen Gebieten verzeichnet wird, will Ludwig Geibel nicht sprechen. Er sieht allerdings auch kaum Absatzprobleme, da er den größten Teil seiner Ernte selbst vermarktet. Zwischen 15 bis 20 Prozent gehen an den Großhandel und hier sind wegen des großen Angebots an Äpfeln niedrigere Preise zu erzielen. „Wenn es im Supermarkt Sonderangebote bei Äpfeln gibt, dann merken wir das auch ein wenig“, sagt Tochter Franzika. „Aber wir können uns über viele treue Kunden freuen.“ So wird man beim Obstbauer-Betrieb Geibel auch kaum etwas vom russischen Importstopp merken.

Was die Klein-Zimmerner Obstbauern eher registrieren ist, dass auch die Apfelbäume in den Privatgärten voll hängen. Es ist logisch, dass Gartenbesitzer zunächst ihre eigenen Früchte aufessen und erst dann wieder das Herbstobst kaufen, wenn der Vorrat aus dem eigenen Garten verzehrt ist. Beim Bauernmarkt in Groß-Umstadt wurde das besonders deutlich. Geibels verkauften weniger. Während die Käufer beim Bauernmarkt in Darmstadt wie gewohnt zugriffen. Aber gemeinhin hat der Stadtbewohner eben keinen Apfelbaum auf dem Balkon.

Was Kunden auch nach Klein-Zimmern zieht, ist die große Auswahl. Über 20 Sorten bauen Geibels hier an. Darunter sind auch Äpfel wie der Berlepsch oder ganz neu der Wellant, die man nicht im Supermarkt findet. Auch der Fuji, der in dieser Woche als spätester Apfel geerntet wurde, ist noch nicht sehr bekannt. Der Fuji ist sehr saftig, der Wellant hingegen hat ein ganz herausragendes Aroma.

Während viele Südhessen über den feuchten August klagten, war diese Witterung für Geibels nicht nur negativ. „So dicke Elstars hatten wir wohl noch nie.“ Dafür verfaulte ein Teil der späten Zwetschgen am Baum. „Jedes Jahr hat seine speziellen Herausforderungen“, sagt Ludwig Geibel. In diesem Jahr war es nicht nur der Frost zur Blütezeit, sondern auch das trockene Frühjahr, in dem so wenig Regen fiel, dass bestimmte Kulturen bewässert werden mussten. Der Regen im August ließ zwar die Äpfel dicker werden, kam aber für Erd-, Johannis- und Himbeeren zu spät.

Auch die Erntehelfer, die über den Sommer da waren, werden nun langsam nach Hause zurück kehren. 14 Arbeiter aus Polen und Rumänien halfen bei der Ernte, bald werden nur noch zwei da sein. „Auch jetzt, nach der Ernte, sind noch Arbeiten zu erledigen“, sagt Franziska Geibel. „Pfosten müssen gestellt oder auch der ein oder andere Graben muss ausgeschoben werden.“ Im Winter ist dann der Obstbaumschnitt dran, bevor es im Frühjahr mit den jahresspezifischen Herausforderungen in eine neue Runde geht.

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