Renaturierung ist wichtiges Stichwort

+
Babystube für Deutschlands größten Käfer: die Hirschkäferwiege in der Forstgartenschneise.

Groß-Zimmern - Spaziergänger, Jogger und Radfahrer – bereits am frühen Samstag- morgen sind viele Bürger unterwegs. Strahlend blauer Himmel lädt, trotz Kälte, zum herbstlichen Spaziergang ein, genauso wie die Gemeinde Groß-Zimmern, die heute ihre Bürger zum Waldrundgang eingeladen hat. Von Ursula Friedrich

Mit rund 30 Bürgern macht sich Revierförster Martin Starke auf zur zweieinhalbstündigen Wanderung, um Wissenswertes über sein Arbeitsgebiet zu vermitteln: den Zimmerner Gemeindewald.

Hier hat Wirbelsturm Xynthia getobt und eine kahle Fläche hinterlassen, dort haben Wildschweine den Boden aufgewühlt, am Wegrand hat ein Lkw schwere Steine abgekippt. Baustoff für eine Renaturierungsmaßnahme in der Forstgartenschneise. „Das Schwarzwild ist wichtig, die Wildschweine graben die Samen ein“, erklärt der Fachmann. Die Bruchsteine sind kein wilder Müll, sondern Grundlage eines weiteren Naturschutzprojektes im Rahmen der Umweltinitiative Messeler Hügelland.

Straße für Hirschkäfer angelegt

„Hier haben wir in Kooperation mit dem Förderverein Waldschule eine Hirschkäferwiege angelegt“, zeigt Martin Starke. Etwas weiter sollen die Steine Wärme liebenden Insekten einen Anreiz bieten, sich anzusiedeln.

Renaturierung ist ein Stichwort, das viele Maßnahmen im heimischen Mischwald beinhaltet: zwei weitere Hirschkäferwiegen sind für kommendes Jahr geplant, auch Tümpel für Amphibien stehen auf der Agenda.

Naturschutz und Nachhaltigkeit sind die Säulen, auf denen die Arbeit des Forstamts Dieburg ruht, um die für unser Leben notwendigen Wälder zu erhalten. So gelte es, die Wälder zu „durchmischen“. Dies gilt sowohl für das Alter der Laub- und Nadelbäume, die vom einjährigen Buchenkeimling bis zur 130-jährigen Kiefer viele Waldgenerationen aufweisen. Aber auch die Artenvielfalt ist eine wichtige Komponente, um die „grüne Lunge“ in ihrer Gänze gesund zu erhalten, wenn bestimmte Baumarten kränkeln.

Absterbende Triebe auch im Forst Dieburg zu beklagen

So etwa die Eschen, deren Triebe aufgrund einer Pilzerkrankung zunehmend absterben. Seit Mitte der 90er Jahre „fressen“ sich die Pilze aus dem Baltikum vor und richten seit 2002 Schäden in Deutschen Wäldern an. Absterbende Triebe und Kronen sind inzwischen auch im Bereich des Forstamts Dieburg zu beklagen.

Um die Wälder weiter zu durchmischen, pflanzt man neue Baumarten an. Die Douglasie, eigentlich in Amerika heimisch, könnte sich auch in Zimmern wohl fühlen. Zu kalt war es dem kleinen Esskastanienhain, dem der Nachtfrost im Mai zusetzte. Der kleine Ginkobaum hat überlebt. Der chinesische Gast hat kräftig gewurzelt. Er ist Schlusslicht der Baumallee, die seit 1989 anlegt wird. Inzwischen sind hier 22 Baumarten auf dem Waldlehrpfad vertreten, der jährlich um eine neue Art ergänzt wird.

Ist-Wert der Erderwärmung bereits höher

Die Zukunft der Wälder, so Starke, steht in engem Zusammenhang mit der Klimaerwärmung. Die hat, allen Unkenrufen zum Trotz, bereits deutlichere Ausmaße (1,8 Grad), als von Experten prognostiziert. „Wenn man alle Klimamodelle mittelt, ist der Ist-Wert der Erderwärmung jetzt bereits höher!“, so Starke.

Im Hinblick auf schrumpfende Erdöl- und Gasressourcen prognostiziert er: „Holz wird immer kostbarer!“ Bereits jetzt fragen chinesische Importeure nach hessischem Holz. Eine wichtige Komponente ist nicht nur Nachhaltigkeit in der Forstwirtschaft, sondern auch Umwelterziehung. Hier leistet die Waldschule wichtige pädagogische Arbeit, auch kommunale Ferienspiele wurden inzwischen in den Wald verlegt.

Und wenn der vermutlich kalte Winter 2012 durchstanden ist, heißt es wieder Ärmel hochrollen, um beim Bau neuer Hirschkäferwiegen und anderer Rückzugsorte für die heimische Tierwelt dabei zu sein.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare