Mit 82 in die Rente

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Die Pfarrer Michael Merbitz-Zahradnik (links) und Michael Fornoff dankten Küsterin Tilli Held.

Groß-Zimmern (bea) - „Mit 82 Jahren hat man jedes Recht in den Ruhestand zu gehen“, sagte Pfarrer Michael Fornoff beim Segnungsgottesdienst der evangelischen Kirche am Silvesternachmittag. Küsterin Tilly Held wurde ausgesegnet und damit in den Ruhestand verabschiedet.

Rund 12 Jahre hat sie das Amt in der evangelischen Kirche versehen, nun sucht die Gemeinde einen Nachfolger.

Eigentlich wollte Held nur „ein bisschen aushelfen“, als ihre Vorgängerin Judith Bernhard 2001 ihren Dienst aufkündigte. Dass aus dieser Aushilfe eine so lange Zeit würde, damit hatte sie nicht gerechnet. Allerdings war sie immer motiviert, weiter zu machen. „Sie wollte die Kirchenrenovierung als Küsterin erleben“, so Pfarrer Fornoff. Neben der Außenrenovierung 2006, den Innenarbeiten 2007 hat sie auch die Erneuerung der Kirchenfenster begleitet. „Ich bin ein ungeduldiger Mensch“, sagte Held über sich selbst. Das konnte Fornoff nur bestätigen, der mit liebevollem Humor vom Drängeln der Küsterin erzählte. Liebevoll war auch die Verabschiedung durch beide Pfarrer, neben Fornoff auch durch Michael Merbitz-Zahradnik, der die Kirche nicht ohne Küsterin Held kennt. „Eine Süße ist sie, denn sie ißt gerne Schokolade, das hat sie uns einmal gestanden“, so Merbitz-Zahradnik. Folglich gab es für die scheidende Küsterin eine Kiste der besonderen Art. Einen Seelenschmeichler in Form von heißer Schokolade könne sie brauchen, denn auch sie habe einige Schicksalsschläge verkraften müssen. „Auch wenn wir nicht daran glauben, aber heute machen wir eine Ausnahme, weil Silvester ist, steckt auch ein Glücksschwein in der Kiste“,sagte Merbitz-Zahradnik.

Engagement in Sport und Kultur

Damit Held auch in Zukunft nicht die Orientierung verliere, gab es auch noch ein Navigationsgerät in Schokoladenform, auch wenn sie bis jetzt mit Gott als Navigator gut gefahren sei. Das bestätigte die Küsterin, „auch wenn die Schutzengel nicht immer zur Stelle waren, wie bei meinem Sturz, so sind sie doch immer wieder gekommen.“ Held dankte den beiden Pfarrern für die Geduld, die sie manchmal mit ihr aufbringen mussten. „Ich habe schon mal genervt, aber ich habe nie locker gelassen.“ Der Gemeinde wünschte sie einen so gefestigten Glauben auch bei Höhen und Tiefen, wie sie selbst ihn habe.

„Ich bedanke mich bei vielen Bürgern, die sich im Sport, in der Kultur oder im sozialen Bereich engagiert haben, da ist es nur recht und billig, auch mal Vertretern der Kirchengemeinden Dank für ihren Einsatz zu sagen“, betonte Bürgermeister Achim Grimm. Held freute sich nicht nur über die süßen Sachen, sondern auch über eine Schiefertafel, die sie an das Kirchenfenster erinnern soll, das sie von ihrem Platz als Küsterin neben dem Eingang zur Sakristei besonders gerne betrachtet hat. Die zwei Blumensträuße, einer von der kirchlichen und einer von der weltlichen Gemeinde, konnte sie an zwei ihrer drei Enkel weiterreichen, die den feierlichen Aussegnungsgottesdienst besucht hatten. „Es ist lange genug gewesen“, stellte sie zum Schluss fest. „Mit 82 kann man gut aufhören. Meine Zeit bringe ich schon rum, mit der Wassergymnastik im Schwimmbad höre ich noch nicht auf.“

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