Ein Rezept auch für zufriedene Vorsitzende

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In Zimmern gibt es viele Vereine. Das ist nur möglich, weil es Menschen gibt, die bereit sind, sich ehrenamtlich zu engagieren. Wer sind diese Menschen und warum setzen sie sich ein? Der LA stellt die Vereinsvorsitzenden in lockerer Serie vor.

Klein-Zimmern - „Als ich noch berufstätig war, bin ich schon mal 200 Stundenkilometern nach einem Geschäftstermin zur Vorstandssitzung nach Klein-Zimmern gefahren“, erinnert sich Walter Götz. Von Ulrike Bernauer

Der Vorsitzende des Kultur- und Kerbvereins (KuK) ist deshalb froh, dass er nun in Rente ist und mehr Zeit für den Verein hat, an dem sein Herz hängt.

Dem Brauchtum fühlte sich Götz schon vor der Gründung des Vereins verpflichtet. „Ich bin in den 50-er und 60-er Jahren in Seeheim aufgewachsen und hatte da vielfältige Bezüge zur Landwirtschaft und zum Handwerk. Ich lernte traditionsbezogene Praktiken und habe das alles in guter Erinnerung.“

Fernleitungsbau für Gasversorgungsanlagen lernte Götz, Jahrgang 1949. Später arbeitete er bei der Bahn als Starkstromelektriker und Rohrleitungsmonteur. Dabei war er mitunter in ganz Deutschland unterwegs. Als er seine spätere Frau Karin kennenlernte, zog das Paar erst nach Groß-Zimmern, 1980 bauten sie sich ein Haus in Klein-Zimmern. Hier wurde an- und umgebaut, so dass der Sohn und die Tochter mit ihren Familien ebenfalls eine eigene Wohnung im ehemaligen Einfamilienhaus haben. Über zwei Enkel freut sich Götz, Tom ist schon fast 18, Leon hingegen knapp zwei Jahre. „Hobbys habe ich eigentlich keine“, stellt Götz nach kurzer Überlegung fest. Das Heimwerken fällt ihm dann noch ein, „ich bastele gerne mit Sachen, die ich zuhause finde. Bevor ich beispielweise Möbel wegschmeiße, schaue ich erst, ob man davon noch Teile verwerten kann. So habe ich jetzt für Leon eine Klickerbahn aus Abfallmaterial gebaut.“

Auch in anderen Vereinen betätigte sich Götz. Frühzeitig baute er Kontakte zur Feuerwehr, zum Gesangverein und zu den Schützen auf. Bei Letzteren saß er ebenfalls eine Weile im Vorstand.

Verein ist gut organisiert

Der Brauchtumsfreund ist schon seit der Gründung Vorstandsmitglied im KuK, zum Vorsitzenden wurde er 1999 gewählt. Mitunter fragt er sich schon, warum er die ganze Arbeit auf sich nimmt. „Wenn ich dann aber die Zufriedenheit der Gäste bei den Veranstaltungen sehe, ist alle Arbeit vergessen.“ Das glaubt man unbesehen, wenn man ihn beim Neujahrsempfang an seinem Lieblingsplatz hinter dem Backofen gesehen hat. „Mein Opa war Bäcker“, erklärt er seine Backkunst, die im Ort viele Anhänger hat. Er schätzt aber auch die Zusammenarbeit mit seinen Vereinskollegen. „Der KuK ist ein gut zu handhabender Verein“, freut sich Götz. Gut organisiert ist der Verein ebenfalls. „Für unsere Veranstaltungen haben wir uns so ausgestattet, dass ein Fest mit 100 Gästen weitgehend mit eigenen Ausrüstung abgehalten werden kann. Da wir keine Trainer, Übungsleiter und Vereinsimmobilien zu unterhalten haben, können wir zudem leicht wirtschaften.“

Deshalb denkt Götz auch noch nicht ans Aufhören.In diesem Jahr sind Vorstandswahlen, er wird sich wieder zur Wahl stellen. Der Vorsitzende kann auch den Vorstandssitzungen viel Spaß abgewinnen. Die finden reihum bei den Vorstandsmitgliedern statt. „Wir fangen mit einem Essen an und an der Speisenfolge kann man erkennen, bei welchem Mitglied wir jeweils tagen.“ So gebe es im Semder Pfad immer Feuertopf, im Wehrweg Hackbraten, Götz selbst hat seine Kollegen das letzte Mal mit italienischen Antipasti überrascht.

Er hat auch ein gutes Rezept für einen zufriedenen Vereinsvorsitzenden. „Da ich die Vereinsarbeit als Hobby ansehe, strebe ich stets danach, fünf bis sechs Veranstaltungen im Jahr nicht zu überschreiten. So ist es möglich, zwischen den einzelnen Veranstaltungen jeweils eine kleine Auszeit zu nehmen, neue Ideen zu finden und mit Lust und guter Laune die nächste Sache anzugehen. Das ist meine Auffassung von zufriedener Vereinsarbeit.“

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