Den richtigen Pfad finden

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Singen am Feuer war bei den Pfadfindern in alter Tradition angesagt. Die St. Georgs-Stämme feierten auf der Ranch 80. Geburtstag.

Gross-Zimmern - Die Geburtstagsfeier zum 80-jährigen Bestehen des katholischen Pfadfinderstamms Sankt Georg, unter dem Dach der Pfarrei St. Bartholomäus, wurde am Wochenende mit Hammer, Nägeln und Sägen eingeleitet.  Von Ursula Friedrich

Gastgeber und befreundete Stämme zimmerten ein Lager mit Jurtenburg (großes Zelt), Tischen und Holzkreuz auf der Ranch der katholischen Kirchengemeinde.

„Alle Mann, ran!“, mit diesem Schlachtruf stürmten die Feiernden die Essensausgabe, wo scharfes Chili in mächtigen Töpfen köchelte. Wenn bei den Pfadfindern gefeiert wird, dann ist traditionell auch ein Arbeitseinsatz angesagt – und ordentlich Hunger folgt auf dem Fuß.

Nach einem Gebet ging es ans „Futter fassen“. Glücklich, wer an den eigenen Teller gedacht hatte, denn dadurch war ein Platz vorne in der Schlange der Wartenden reserviert – tellerlose Gäste mussten erst ein Gefäß erwerben.

Vom Pfadfinder zum Unternehmer

Chili-Pause: Essen fassen war nach dem Lageraufbau angesagt.

Christlicher Glauben, demokratische Strukturen, soziales Miteinander – auf diesen Werten fußt das Pfadfindertum. „Ich habe hier viel gelernt“, erzählte Gunther Reitzel, der seinen Deutschlandurlaub extra mit dem Feiertermin abgestimmt hat. Reitzel ist heute Firmchef und Entwicklungshelfer in Guatemala. „Auf dem Flug hierher habe ich noch einmal über meine Zeit bei den Pfadfindern nachgedacht und die Werte, die man verinnerlicht: Katholizismus praktizieren, Teamwork, Risiken einschätzen und eingehen.“ Dies hat den gebürtigen Zimmerner sehr geprägt. Und so wurde aus dem ehemaligen Pfadfinder in der Pfarrei St. Bartholomäus ein verantwortungsbewusster Unternehmer in Zentralamerika. „Pfadfinder bilden nicht nur eine Spaßgesellschaft. Bei ihnen haben Werte eine große Bedeutung“, sagte Adam Bachmann, Sohn des Mitbegründers Valentin Bachmann, in seiner Laudatio.

Für die christlichen Werte einzustehen, brachte Valentin Bachmann während der NS-Zeit durchaus in Gefahr. Die Gestapo kam ins Haus, schüchterte ein, maßregelte.

Grund: Die Pfadfinder beharrten auf ihre Freiheit und waren nicht bereit, der Hitlerjugend beizutreten. Eine schicksalsträchtige Entscheidung, denn fortan durfte die Kluft nur noch im kirchlichen Bereich getragen werden, öffentliche Treffen waren verboten.

Festgottesdienst am Sonntag

Während die Nationalsozialisten abdankten, hat die Pfadfindergemeinschaft in St. Bartholomäus überlebt. Viele Generationen von Rovern, Jungpfadfindern und Wölflingen feierten den 80. Geburtstag am Samstag zwanglos miteinander. Ein Festgottesdienst am Sonntag rundete das Ereignis ab.

Eine besondere Ehrung empfing Wolfgang Becker. Er wurde für 35 Jahre Aktivitäten in der Leiterrunde mit dem St. Georgs-Pin ausgezeichnet. Zur Zeit ist er seit zehn Jahren Kassenwart. Der Vorstand Christian Nowak, Hermann Schulte und der Kurat Felix Solbach (geistliche Leitungsfunktion) freuten sich über ein gelungenes Fest bei strahlendem Sonnenschein.

Lagerleben hautnah

Lagerleben hautnah erleben konnte man am Nachmittag mit Workshops, wie Essenstisch, Lagertor- und Fahnenmastbau. Auch eine Kochgruppe war dabei.

Damen am Tresen: Laura, Anika und Antonia (von links) verstärkten das Küchenteam.

Im Lager wurde auch über vergangene Zeiten geplaudert. Über 150 Personen, darunter viele Ehemalige, fanden sich ein.

Der Abend klang mit Stockbrot und Gesang am Lagerfeuer im Zelt aus, denn bei den Pfadfindern kann man im Zelt Feuer machen. Eine tolle Beleuchtung sorgte für gelungene Atmosphäre.

Die traditionellen Zelte aus Schwarzstoff wurden zu einer riesigen Jurtenburg Konstruktion zusammengeknüpft. Sie hielten auch dem nasskalten Wetter stand und so konnte das Fest auch schön ausklingen.

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