Risikobereiche rund um Untermühle

Etwa 15 Prozent mehr Überschwemmungsfläche für Groß-Zimmern ausgewiesen

Rund um die Untermühle liegen einige neu festgelegte Hochwasser-Risikogebiete Groß-Zimmerns.
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Rund um die Untermühle liegen einige neu festgelegte Hochwasser-Risikogebiete Groß-Zimmerns.

Die Neufestsetzung des Überschwemmungsgebietes der Gersprenz liegt als Amtliche Bekanntmachung seit 1. Juli bis 31. August im Rathaus in der Liebigstraße aus (wir berichteten). Noch haben sich nicht viele Bürger die umfangreichen Planungsunterlagen angeschaut und auch die Kommunalpolitiker bekommen noch eine umfassende Erläuterung zu den Neufestsetzungen vom Leiter des Umweltamtes, Markus Römermann.

Groß-Zimmern – Auf Nachfrage erläuterte er unserer Zeitung schon mal: „Einige Überschwemmungsbereiche an der Gersprenz sind größer geworden.“ Rund 15 Prozent gegenüber vorher. Sie sind auf einer großen Karten rotschraffiert eingezeichnet, die im Sitzungssaal des Ausweich-Rathauses zur Einsicht aushängt.

Das Überschwemmungsgebiet der Gersprenz, das sich auf Teilen der Gemarkungen in den Kommunen Reichelsheim, Fränkisch-Crumbach, Brensbach, Groß-Bieberau, Reinheim, Otzberg, Groß-Zimmern, Groß-Umstadt, Dieburg, Münster, Eppertshausen und Babenhausen befindet, wird also neu festgesetzt. Bereits 2003 wurde für die Gersprenz ein Überschwemmungsgebiet ausgewiesen. Dies beinhaltet die Flächen, die statistisch einmal in 100 Jahren überschwemmt wird. Doch die Zeiten und ihre Messmethoden sowie das Klima ändern sich. „Satellitenbeobachtungen und GPS-Auswertungen wurden für die neuen Planungen herangezogen“, weiß Römermann.

2014 erstellte das Regierungspräsidium aufgrund der europäischen Hochwasserrisikomanagement-Richtlinie von 2007 den Hochwasserrisikomanagementplan für die Gersprenz. Der enthält neben Berechnungen und Kartierungen der Überschwemmungsflächen eines zehnjährlichen Hochwassers und eines Extremhochwassers ebenfalls auch das Überschwemmungsgebiet des hundertjährlichen Hochwassers (HQ 100).

„Die neuen Karten, die jetzt zur Neufestsetzung bei uns und in allen Anliegerkommunen der Gersprenz ausliegen, sind neuesten Datums“, sagt Römermann. Deren Auslegung ordnete das Regierungspräsidium als Verfahrenträger an. Jetzt werden Anregungen, Einwände und Stellungnahmen hierzu gesammelt, gesichtet und bewertet.

Nach den Untersuchungen von regionalen Auswirkungen der globalen Klimaänderungen ist für Hessen den neuen Unterlagen zufolge in den kommenden Jahrzehnten insbesondere mit dem Auftreten von wärmeren und niederschlagsreicheren Wintermonaten sowie wärmeren und niederschlagsärmeren Sommermonaten zu rechnen. Im Hochwasserrisikomanagementplan heißt es etwa: „Eine Zunahme von intensiven lokalen sommerlichen Starkniederschlägen kann für kleine Einzugsgebiete angenommen werden.“

Kommt es zu Überschwemmungen, so sind laut Studie „in der Gemeinde Groß-Zimmern durch Deiche bzw. die Wirkung des Retentionsraums Groß-Zimmern beim HQ100 ca. 630 Einwohner (4,6 % der Einwohner der Gemeinde Groß-Zimmern)“ betroffen.“ Die für Groß-Zimmern neu im Planwerk als Überschwemmungsareale eingezeichneten Gebiete betreffen überwiegend unbebautes Land. Kritisch indes könnte es im Bereich der Untermühle im Heckengarten werden. Zwischen Gersprenz und Lebrechtstraße sind zwar viele Kleingärten verzeichnet, jedoch in Randlage auch Wohnbebauung. Römermann sieht die Lage indes „eher unkritisch“, die Wohnbebauung liege rund einen Meter höher als die schneller gefluteten Niederungen um den Flussverlauf.

Allerdings liege die Leb-rechtstraße selbst ebenso wie ein Stück der Angelstraße im Hochwasserbereich, sie würden bei angenommenen Überschwemmungen überflutet.

Auch die Wiesen nördlich des Hirschbachdammes werden im neuen Plan rot eingezeichnet. Der Sportplatz des SV Viktoria in Klein-Zimmern wäre im Hochwasserfall geflutet, die Streuobstwiese in Lochgartenstraße sowie die Äcker unterhalb des St. Josephshauses. Entlang des Katzengrabens nördlich das Gebiet ab Birkenhof bis zur B 26.

Auch Umweltbeauftragter Römermann betont, dass sich die Gemeinde nach den Ereignissen aus 1993 und 1995 gegen Hochwasser so gut es geht gewappnet hat und seither keine relevanten Schadensfälle mehr aufgetreten sind. Und er weiß, dass bei Starkregenereignissen von 200 Litern auf den Quadratmeter innerhalb kürzester Zeit – wie im Ahrtal registriert – auch entlang der Gersprenz nichts mehr helfen würde. Sich gegen solche Unbilden „bei einer Topographie wie der Groß-Zimmerns“ zu schützen, wäre nur mit riesigen Aufwendungen und Maßnahmen eventuell zu bewerkstelligen, doch zu welchem Preis.

Nach den Parlamentsferien werden Groß-Zimmerns Politiker sich mit den Neuerungen und eventuellen Widersprüchen auseinandersetzen müssen. (Von Thomas Meier)

Umweltbeauftragter Markus Römermann an der Karte, auf der die neuen Risikogebiete rot schraffiert sind.

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