Ritteressen des Kerbvereins

Suppe ohne Löffel essen

+
Hoch die Becher oder Humpen hieß es öfters beim Rittergelage im Glöckelchenkeller.

Groß-Zimmern - Es wird die Geschichtsschreibung über das Mittelalter revolutionieren: Zimmerner Ritter besaßen schon anno dazumal Handys. Das neumodische Teufelszeug kam zumindest am Freitagabend im Glöckelchenkeller beim Ritteressen des Kerbvereins kräftig zum Einsatz. Von Ulrike Bernauer.

Immer wieder mussten die historischen Kostüme fotografiert werden, in denen viele Gäste gekommen waren. Zum Beispiel trugen die Mitglieder des Jahrgangs 1970/71 Kettenhemden. „Das Kostüm hatten wir noch von unserem 20. Kerbumzug“, erklärte Holger Reitz das gelungene Auftreten. In die Ritterrolle lebten sich aber auch diejenigen schnell ein, die nicht in historischer Tracht erschienen waren. „Reich mir mal den Wein, Bruder“, ertönte es immer wieder über die Tische. Zum Essen gab es als Besteck nur ein Messer, was jedoch kein Problem war, sogar die Suppe elegant zu löffeln.

Getanzt wurde beim Ritteressen des Kerbvereins auch.

Die Kartoffelsuppe wurde in einem kleinen, dunkel gebackenen Brot serviert. Den Deckel nutzten die Ritter und ihre Damen ganz galant als Löffel. Roswitha Held-Knodt hob das Brot vorsorglich auf. „Wer weiß, was noch alles kommt. Ich bin zum ersten Mal hier beim Ritteressen“, meinte sie heiter. Auch hinsichtlich der Kleidung war sie dem Zeitgeist nicht ganz so perfekt angepasst. Schwiegertochter Stephanie und Sohn Dierk Dreieicher hingegen waren stilistisch korrekt gewandet, sie waren in einer Wikingertracht erschienen. „In der Kleidung haben wir auch geheiratet“, sagte Stephanie Dreieicher. Dass Held-Knodt ihr Brot aufgehoben hatte, war sehr klug. Als Hauptgang kam im Wesentlichen Fleisch aufs Brett. Gut gegrillt lockten Bratwürste, Fleischspieße und Leiterchen, von manchem im Vorgriff auf heutige Zeiten Spareribs genannt.

Die Narrenkappe stand Thomas Beutel gut.

Mit dem Messer ließ sich das Fleisch gut aufspießen und Gabeln waren auch beim Dessert, einer Pyramide aus Käsewürfeln, nicht von Nöten. Neben dem Essen gab es für die Tafelnden wie in alten Ritterrunden auch zahlreiche Vergnügungen. So wagte manch einer auch im Kettenhemd, das glücklicherweise nur aus Stoff bestand, auch mal ein Tänzchen, als Otto Herdt auf seiner Drehleier aufspielte. Holger Reitz und Dennis Miller waren die idealen Tanzpartner, die zum Vergnügen der Festgäste die Tanzbären spielen. Herdt freute sich, dass er mal wieder seine Leier auspacken konnte. Früher, bereits in den sechziger und siebziger Jahren, gehörte der Groß-Zimmerner zu den ersten Musikern in Deutschland, die sich an das alte Instrument wagten und mittelalterliche Musik zum Besten gaben. Den Damen und Herren gefiel es und es gab nicht nur reichlich Handgeklapper (Applaus), sondern auch Zugaberufe. Für Thomas Beutel war dieser ritterliche Schmaus ein gefundenes Fressen. Mit der Narrenkappe hatte er sich die passende Kopfbedeckung für seine Gedichte ausgesucht. Gelächter gab es allemal, auch als Beutel das ewige Geheimnis lüftete, wer zuerst da war, die Henne oder das Ei: „Es ist natürlich das Ei, denn das hat der Osterhase gebracht.“ Viel Freude hatten die ritterlichen Gäste auch an der Erklärung, warum die Zitronen sauer wurden. Beutel trug dieses Gedicht von Heinz Erhardt in unnachahmlicher Weise vor.

Kommentare