Rot-weiß-grüne Kooperation im Wald

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Wenn schon denn schon: Für so manche Frauenrunde ließ sich das leckere Prosecco-Angebot nur schwer ablehnen.

Groß-Zimmern - Wer Maßstäbe setzt wird in Zukunft immer wieder daran gemessen. Beim „Club Italia“ waren es die Nudeln, mit denen man beim Jahrmarkt der Vereine die Gersprenzgemeinde verzauberte. Von Michael Just

So war es nicht verwunderlich, dass die meisten Gäste am Sonntag beim Sommerfest des OWK an der Birkenruhe, bei dem der „Club Italia“ sich ebenfalls mit einem Stand präsentierte, sofort nach der selbstgemachten Pasta fragten. Dass es diese nicht gab, dafür hatte Vorstandsmitglied Giuseppe Di Girolamo gute Gründe: Zum einen mache dies reichlich Arbeit, erst recht in der Ferienzeit, wo einige Mitglieder und Helfer im Urlaub sind. Zudem wäre es nicht so einfach gewesen, die großen Töpfe samt Gaskocher an die Birkenruhe zu bringen und mitten im Wald loszukochen – nicht zuletzt auch mit Blick auf die Wasserversorgung. Zuguterletzt flogen am Sonntag immer wieder winzige, samenähnliche Teilchen in der Luft, so dass es bisweilen ratsam war, das Trinkglas abzudecken. „Da hätten wir ein größeres Zelt gebraucht, dass nichts in die Töpfe fliegt“, konstatiert der Italiener, der schon als Kind nach „Germania“ kam. So ist seine (ziemlich deutsche) Einstellung nicht verwunderlich: „Da haben wir die Nudel lieber mal gelassen. Denn wenn wir was machen, dann machen wir es richtig.“ Auf italienische Genüsse musste dennoch keiner verzichten: Es gab es eine leckere Antipasti-Platte mit Käse, Salami, Schinken und Weißbrot. Zu weiteren Snacks wie Bruscetta wurden Prosecco, Ramazotti oder Espresso gereicht.

Premiere: In diesem Jahr war auch der „Club Italia“ beim Sommerfest des OWK dabei. Zusammen bescherte man den Zimmernern einen gemütlichen Nachmittag.

Dass man das Fest mit italienischer Unterstützung ausrichtete, bezeichnete OWK-Vorsitzender Horst Neumann als Erfolg: „Schauen Sie mal, es ist voll. Wenn zwei Vereine zusammen was machen, wird das Publikum gleich mehr“, deutete er um vier Uhr auf die gut besetzten Bänke. Als der „Club Italia“ kürzlich sein Domizil in der Jahnstraße eröffnete, kam es zu ersten Kontakten. Schnell war man sich einig: „Beim OWK-Sommerfest gehen wir die Bewirtung gemeinsam an.“ Der italienische Stand an der Birkenruhe war schon aufgrund seiner zahlreichen rot-weiß-grünen Fähnchen nicht zu verfehlen, die viele bunte Farbkleckse in den Wald zauberten. Und noch ein Novum brachte der „Club-Italia“ mit: Zum Fest wurde eifrig Boule beziehungsweise Boccia gespielt. Dazu gab es in wunderbarer Eintracht deutsches Liedgut von Dieter Igler und Bernd Ebert, die mit Ziehharmonika und Gitarre für die passende Unterhaltung sorgten. Laut Guiseppe Di Girolamo hätte der Start des „Club Italia“ kaum besser verlaufen können: So sei man derzeit sehr gefragt in der Gemeinde. „Viele sind begeistert vom Vereinsheim aber auch von der Gastfreundschaft die dort herrscht“, sagt er. Selbst für den Kerbumzug sei man schon zum Wagenbau animiert worden. „Das kommt aber alles etwas zu schnell für uns“, konstatiert der Vorsitzende. So sei man dieses Jahr zwar bei der Kerb dabei, aber noch nicht als Teil des Zuges. Im nächsten Jahr sehe das dann anders aus. Dafür sprudelten jetzt schon die Ideen: „Dann fahren wir beim Zug mit ein paar alten italienischen Vespas mit“, lacht Di Girolamo.

Informationen zur Birkenruhe, dem Freizeitgelände der OWK-Ortsgruppe im Groß-Zimmerner Wald, finden Sie hier.

Horst Neumann bilanzierte beim Sommerfest, er wolle die Kooperation mit dem „Club Italia“ auch in Zukunft aufrecht erhalten – schon alleine wegen der „köstlichen Verpflegung der Gäste“. Dem stimmten auch die meisten Besucher zu. „Man muss nicht immer Bier trinken“, sagte Georg Pullmann, der sich einen Rotwein gönnte. Um den langen Nachmittag zu überbrücken, probierte er auch das Essens-Angebot der Italiener. „Erst habe ich Kuchen gegessen, jetzt gibt es noch etwas scharfes“, so der 57-Jährige. Er ist der Meinung, dass die Kooperation eine gelungene Abwechslung ist. Von den Vorzügen einer „italienischen Küche“ musste Elisabeth Meyer nicht überzeugt werden. Die Rentnerin ist bekennender Italien-Fan („das Land liegt mir einfach“) und hielt sich am Sonntag Nachmittag an den gut gekühlten und erfrischenden Prosecco. Rund 15 bis 20 Mal war sie laut ihren Schätzungen schon in Italien und hier speziell in Riccione. Gefahren wird fast immer nur in der Gruppe: Die Groß-Zimmerner Riccione-Fans entwickelten sich aus den ehemals Alten Herren des FSV, die den Badeort an der Adria einst für sich entdeckten. Wie Meyer sagt, war sie auch schon in Spanien und könne sich auch für dieses Land begeistern. In puncto Strand könne man dort aber mit Italien nicht mithalten. Ob Venedig oder Rom, viele Städte hat die Rentnerin in der Vergangenheit schon gesehen. Und Mailand zum Einkaufen? „Da war ich noch nicht“, sagt Meyer und hat dafür auch die passende Erklärung parat: „Dort sind wir immer nur durchgefahren. Mein Mann wollte schnell an den Strand – das zieht einfach zu sehr, da hält man sich vorher nicht noch woanders auf.“

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