Rücklage für die Gemeinde

+
Domkapitular Hans-Jürgen Eberhardt vom Bistum Mainz (zweiter von rechts) überbrachte die Stiftungsurkunde. (von links) Pfarrer Herbert Wendt, Dekan Erhard Weilbächer, Verwaltungsratsmitglied Wolfgang Kunkel und Pfarrer Christian Rauch.

Klein-Zimmern (bea) ‐ Nun ist sie besiegelt, die Pfarrstiftung in Klein-Zimmern. 50 000 Euro aus dem Erlös des Verkaufes der alten katholischen Kirche sind in die Bonifatiusstiftung geflossen. Im Rahmen des Pfarrfestes überbrachte Domkapitular Hans-Jürgen Eberhardt aus Mainz Am Sonntag die Stiftungsurkunde.

Verhältnismäßig wenige Besucher waren zur feierlichen Vesper in die katholische Kirche gekommen. Ebenso wie am Sonntag zuvor, als Pfarrer Christian Rauch offene Fragen zur Stiftung beantwortete. Der Pfarrer erklärte noch einmal den Stiftungszweck: „Das Geld dient der Erhaltung der kirchlichen und pastoralen Arbeit hier in Klein-Zimmern“.

Auf die Bindung an den Ort ging auch Prälat Eberhardt ein: „Das Geld ist nachhaltig an den Grund und Boden der Gemeinde gebunden“.

Besitz schon immer an Grund und Boden gebunden

Ausführliche Erläuterungen zur monetären Kirchengeschichte bot Domkapitular Eberhardt.

Schon bei den Germanen war Besitz an den Grund und Boden gebunden. Das war auch später bei Kirchen und Klöstern nicht anders“, erklärte er. Verstärkt worden sei das in früheren Jahrhunderten, als Fürsten, Könige und Kaiser ihren Untertanen Steuerfreiheit gewährten, wenn diese Grundbesitz für kirchliche Zwecke stifteten, möglichst eine Pfarrei gründeten und zudem einen Pfarrer einsetzten und bezahlten.

Kirchensteuer wurde mit Lohnsteuer verknüpft

Im Zuge der Säkularisierung Anfang des 19. Jahrhunderts sei die Verantwortung für den kirchlichen Grundbesitz auf den Großherzog Hessens übergegangen. Das Domkapitel wurde eingesetzt und auch von ihm bezahlt. Bald ging dem Landesherren die finanzielle Puste aus und die Kirche sollte sich wieder selbst finanzieren. Die Kirchensteuer wurde an die Lohnsteuer gekoppelt.

Mittlerweile geht den Kirchen wieder das Geld aus, da die Lohnsteuer im Verhältnis zur Umsatzsteuer weniger wird und sich der Staat viele seiner Einnahmen über die Umsatzsteuer holt, an der die Kirchen nicht partizipieren“, erklärte Eberhardt. Deshalb habe man schon vor zehn Jahren beschlossen, die Finanzierung der Kirche langfristig auf andere Füße zu stellen.

Das alte Stiftungsmodell galt als Vorbild. Auch heute könne der Bürger Steuern sparen, wenn er Geld für gemeinnützige Zwecke spendet.

Bonifatiusstiftung soll nachhaltige Rücklagen bilden

Entsprechend kann auch für die Bonifatiusstiftung zugespendet werden, um das Stiftungskapital und damit die Erträge für die Gemeinde zu erhöhen. Der Domkapitular führte das Beispiel der Kettler-Stiftung an, deren Vermögen sich von ursprünglich 500 000 auf inzwischen zehn Millionen Euro erhöht habe. Die Wilhelm Emmanuel von Kettler-Stiftung ist zuständig für die Förderung der karitativen sozialen Arbeit im Bistum Mainz. Kettler gründete auch das Klein-Zimmerner St. Josephshaus, das bis heute noch unter der Trägerschaft des Bistums Mainz ist. Die Bonifatiusstiftung hingegen dient der Schaffung nachhaltiger Rücklagen für die Aufgaben in der Gemeinde.

In einer Zeremonie verlas Eberhardt die Urkunde und überreichte sie Pfarrer Rauch und Verwaltungsratsmitglied Wolfgang Kunkel. Bei der festlichen Gestaltung der Vesper wurden sie unterstützt von Dekan Erhard Weilbächer für das Dekanat Dieburg sowie dem Klein-Zimmerner Pfarrer Herbert Wendt. Der Kirchenchor St Cäcilia verschönerte die feierliche Stiftungsübergabe musikalisch.

Kommentare