Schaden durch Wildschwein und die Nilgans

Groß-Zimmern - Wildschäden beklagen Bauern allerorten. Groß-Zimmern scheint da als eine Insel der Seligen eher eine Ausnahme zu sein. Von Ulrike Bernauer

Während Wildschweine andernorts Äcker umgraben oder sich im Sommer beispielsweise in Maisfeldern häuslich einrichten, kommt das in der Gemarkung von Groß-Zimmern kaum vor. „Einmal kamen Wildschweine bis an unsere Halle im Süden von Zimmern, aber die haben bei uns keine Schäden angerichtet“, berichtet Landwirt Jörg Dressel. Er baut allerdings auch kaum Ackerfrüchte an, die für die Schwarzkittel interessant wären. Er bekam Besuch von Wildschweinen, die vermutlich am Reinheimer Teich beheimatet sind. Aus dem Zimmerner Wald kommen dank der Bundesstraße 26 keine Schweine in den Ort. „Seit der Schutzzaun gebaut worden ist“, so Dressel, „gibt es auf der B 26 auch kaum noch Wildunfälle.“

Der Klein-Zimmerner Jagdpächter Walter Angermeier kennt aktuell ebenfalls kaum Schäden durch die wilden Schweine. An ihn würden sich auch die Landwirte wenden, wenn das Schwarzwild im Acker wüten und die Ernte zumindest teilweise zerstören würde. Dennoch schießt er mit seinen Kollegen schätzungsweise 30 bis 50 Tiere pro Jahr, damit sie sich nicht noch weiter vermehren. Der Bevölkerung drohe keine Gefahr von den mächtigen Tieren. „Es gibt keine Probleme mit Wildschweinen, wenn sie in Ruhe gelassen werden“, sagt Angermeier. Anders sieht das aus, wenn die Tiere gestört werden, beispielsweise durch Hunde. Dann kann die Begegnung auch für den Menschen bedrohlich werden. Für Wildschweine gibt es im Gegensatz zu Rehen keine Schonzeit. „Wir schießen allerdings keine Muttertiere oder schwangere Bachen“, sagt Angermeier. Insgesamt gebe es mehr Wildschweine als früher, das bestätigt Stefan Fröhlich, Jagdpächter in Groß-Zimmern. Auch er siehtnur sehr wenige Wildschäden in der Gemarkung. Insgesamt bedauert er, dass bestimmte Tiere wohl bald ganz aus der Flur verschwunden sein werden. Hasen, Fasane und Rebhühner sind bereits jetzt rar geworden, weil die meisten Felder zu großflächig sind und es kaum noch Hecken gibt, in denen sich Vögel verstecken können.

Biber wieder angesiedelt

Fröhlich freut sich hingegen darüber, dass sich der Biber wieder angesiedelt hat. „Ich habe zwar noch keinen leibhaftig gesehen, aber an der Gersprenz kann man die abgenagten Bäume sehen.“ Wie viele Wildschweine es zurzeit in der Zimmerner Gemarkung gibt, kann keiner so recht sagen. Im Schnee finden sich normalerweise Spuren, aber den gab es in diesem Winter nicht. Weil es so warm war, gab es auch keine natürliche Auslese beim Wild. Förster Martin Starke steht dem Borstenvieh ebenfalls entspannt gegenüber. Nur manchmal brechen die Schweine Gatter auf, die angebracht wurden, um Neuanpflanzungen zu schützen. „Die größeren Schäden machen dann allerdings die Rehe, die Knospen und junge Triebe fressen“, so Starke. „Junge Eichen kommen ohne einen Schutzzaun überhaupt nicht mehr hoch und die Erstellung eines Zauns kostet viel Geld.“ Der Förster ist der Meinung, dass es noch immer zu viele Wildschweine gibt und dass weiterhin Tiere abgeschossen werden sollten. Besonders im Herbst wühlen sie nämlich auf der Suche nach Würmern, Maden oder Engerlingen, die tierisches Eiweiß bieten, den Waldboden auf. „Das hat allerdings auch etwas Positives. So bedecken sie Eicheln oder Bucheckern mit Erde. Die können dann besser keimen.

In manchen Gegenden sind auch Wildgänse ein Problem, die den Bauern die Wintersaat von den Feldern fressen. Am Reinheimer Teich haben ganze Schwärme Station gemacht, wie Jagdpächter Angermeier weiß. „Da fliegen morgens manchmal mehrere hundert Tiere auf.“ Aber auch die beeinträchtigen die Felder der Zimmerner Landwirte kaum, weder Angermeier noch Fröhlich können über größere Klagen berichten. „Probleme bereiten die eher den Wildenten. Die werden von den Gänsen, und hier insbesondere den Nilgänsen, teilweise verdrängt“, so Fröhlich, der zuversichtlich glaubt, auch das in den Griff zu bekommen.

Die schrägsten Tiere der Welt

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Landwirt Dressel sieht eher ein anderes Ärgernis. „Wir haben weniger Wildschäden, dafür aber mehr Probleme mit Hunden. Da ist nicht nur der Kot auf den Feldern und Wiesen, wo das Heu ja zu Futter verarbeitet wird. Mitunter lassen Hundebesitzer ihre Tiere auf der frischen Aussaat spielen. Das sollte nicht sein, schließlich produzieren wir Lebensmittel.“

Rubriklistenbild: © bea

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