„In der Schale sind viele Vitamine“

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Küchenteam im Einsatz: Ibrahim, Köchin Claudia Moos, Jasmin, Erzieherin Anja Africh und Sinikka bereiten die Zucchinisuppe vor. Die vierjährige Alissa (unten) weiß, was schmeckt. Sie schleppt das schwere Obstkörbchen auf den Tisch der Kita.

Groß-Zimmern - „Heute gibt es Zucchini“, sagt Claudia Moos, Köchin in der evangelischen Kindertagesstätte. Drei Küchenhelfer, Jasmin, Ibrahim und Sinikka, machen mit und schnipseln Gemüse. Von Ursula Friedrich

Was zur gesunden Ernährung gehört, weiß das Trio genau. „Schimmel ist nicht gesund!“, sagt Ibrahim (6), der sehr gewissenhaft gleichgroße Stückchen Zucchini mit dem Küchenmesser schneidet. „Aber Karotten“, weiß Sinikka (6). „Und Äpfel“, ergänzt Jasmin, „am besten mit Schale, da sind die Vitamine drin.“

Im Kindergarten landen gesunde Gerichte nicht nur auf dem Tisch. Erziehung zum gesunden Essen ist Teil des pädagogischen Konzepts.

„Die Kinder gehen auch mit einkaufen“, sagt Erzieherin Anja Africh, „damit sie wissen, dass die Milch von der Kuh kommt und nicht aus der Tüte.“ Obst und Gemüse holt das Küchenteam vom Dresselhof, Fleisch beim Metzger. Produkte aus dem Supermarkt ergänzen das Sortiment.

Bereits zum Frühstück erwarten die 65 Kinder der Einrichtung Obst- und Rohkostteller. Bis zu 40 Kinder bleiben in der konfessionellen Einrichtung, die mit Öffnungszeiten bis um 17 Uhr den größten Betreuungsservice in der Gersprenzgemeinde bietet, auch noch zum Mittagessen. Suppen, Reis, aber auch Apfelpfannkuchen rangieren ganz oben auf der Beliebtheitsskala - und Gurkensalat. Der Kitaklassiker ist oft so schnell verzehrt, dass die Erzieherinnen zu kurz kommen. „Fleisch gibt es nur ein bis zweimal die Woche“, sagt Moos, dafür komme auch häufig Fisch auf den Tisch.

Gute Ernährung ist Erziehungssache

Kinder mit Allergien, Intoleranzen oder kulturellen Vorbehalten erhalten ein entsprechendes Extragericht. Gute Ernährung ist Erziehungssache, wissen die Pädagoginnen. Nicht in allen Familien wird täglich frisch gekocht, sodass der Kindergarten hier leisten muss, was im Elternhaus nicht kontinuierlich stattfindet. Zum Beispiel Aufklärungsarbeit, dass Fertigpizzen, Currywurst, Pommes und Co. ungesund sind. Dass Kochen eine Selbstverständlichkeit sein sollte, die zum Leben gehört. Kinder, die mit großer Skepsis Salate, Soßen und Obst beäugen, sollen zumindest einmal davon kosten. „Mit der Zeit werden die meisten bessere Esser“, erzählt Anja Africh, denn der Geschmack eines frisch zubereiteten Gerichts überzeugt. Ibrahim kocht auch mit der Mama zu Hause, am liebsten Buchstabensuppe. „Auch für die Feinmotorik ist es gut, wenn die Kinder mithelfen“, sagt Africh, die ihre Schützlinge mit Brettchen und Messerchen allerdings nicht aus den Augen lässt, „geschnitten hat sich aber noch nie jemand.“

Leider, so zeichnet es sich jedoch ab, ist diese Form pädagogischer Förderung ein Luxusgut im Kindergarten. Wie ein Damoklesschwert hängt das neue Gesetz zur Förderung für die Kinderbetreuung in hessischen Kommunen über der Einrichtung.

Das Gesetz soll noch 2013 im hessischen Landtag verabschiedet werden. Die hessenweit umstrittene Neuregelung soll Kommunen finanziell entlasten. Betreuungseinrichtungen mit langen Öffnungszeiten, Inklusionsgruppen, Förderangeboten und hohen Qualitätsstandarts müssen verschmerzen, dass hier der Rotstift angesetzt wird.

Kitaleiterin Helga Lindner hat die Ausiwrkungen auf ihre Einrichtung bereits berechnet. Bei 50 Stunden Öffnungszeit wöchentlich sind die Kindergartengruppen derzeit in der Hälfte der Zeit mit zwei Fachkräften besetzt. In Zukunft wäre eine Doppelbesetzung nur während 2,5 Stunden täglich möglich. Die Zeit für Vor- und Nachbereitung, Feste, Ausflüge, Elterngespräche oder auch gemeinsames Kochen und Einkaufen wäre dann gestrichen.

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