Was schenkt man einem Minister?

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Interessierte Gesprächspartner: (von links) Minister Jürgen Banzer, die Geschäftsführerin des Diakonischen Werkes Edda Haack, Kreisbeigeordneter Wolf Meyer und Bürgermeister Achim Grimm.

Groß-Zimmern ‐ „Was schenkt man einem Minister“, fragte Bürgermeister Achim Grimm in die Runde. „Zeit“, lautete die von Gelächter gefolgte Antwort von Jürgen Banzer, Hessens Minister für Arbeit, Familie und Gesundheit. So bricht man das Eis, und bei Banzer knackten die Schollen gleich zu Beginn seines Besuchs am Freitag im Mehrgenerationenhaus (MGH) im Otzbergring. Von Jens Dörr

Nachdem Grimm dem CDU-Politiker original Zimmner „Hustegudsje“ überreicht hatte, legte Banzer noch einen drauf: „Gegen die Schweingrippe bin ich schon geimpft, dann ist ja alles geregelt“.Dann wurde aber gearbeitet statt geflachst: Drei Vorträge standen auf dem Programm, wegen denen Banzer nach Groß-Zimmern gekommen war. Letztmals sei der Besucher vor zwei Jahren im Ort gewesen, damals noch als Justizminister, erinnerte sich Grimm. Weniger Rechtliches denn Menschliches stand diesmal an: Als „Hüter des demenz- und behindertenfreundlichen Planens“ betitelte Edda Haack, Geschäftsführerin des Diakonischen Werks Darmstadt-Dieburg, die Diakonie.

Groß-Zimmern eine „demenzfreundliche Gemeinde“

An diese Formulierung schloss Nicole Novak im ersten der drei Vorträge Informationen über das Demenzservicezentrum (DSZ) an. Hellwach und konzentriert lauschte der Minister ihren Ausführungen, in denen es etwa um die Idee einer Demenz-WG mit zwölf Plätzen ging, um Fachberatung, Ehrenamt und Selbsthilfe und ums DSZ als „Anlaufstelle für Informationen“.

Groß-Zimmern zeichnet sich durch Offenheit für das Thema Demenz aus und macht entsprechende Angebote“, erklärte Novak unter eifrigem Nicken des Bürgermeisters und anderer Persönlichkeiten, darunter Grimms Stellvertreter Hans Wichmann und der Kreisbeigeordnete Wolf Meyer. Genau das mache eine „demenzfreundliche Gemeinde“ aus, so Novak.

Immer wieder hakte Banzer bei den Vorträgen nach und notierte eifrig Stichworte. „Unsere Gesellschaft ist viel humaner als man denkt“, antwortete der studierte Theologe, gebürtig eigentlich gar kein Hesse, sondern aus Würzburg stammend, auf eine Zwischenbemerkung von Edda Haack. Die Geschäftsführerin hatte angesprochen, welch großes Interesse am Thema Demenz auch in der heutigen Enkelgeneration bestehe. Bei einer entsprechenden Infoveranstaltung im MGH jedenfalls sei es proppenvoll gewesen. „Da war ich überwältigt“, sagte Haack begeistert.

80 000 Euro jährlich, um MHG am Laufen zu halten

Ebenfalls höchst interessiert hörte der Minister im Anschluss die Geschichte des MHGs, die Angelika Seidler vortrug. 80 000 Euro pro Jahr braucht es circa, um das Haus am Laufen zu halten, wie Haack später auf Nachfrage mitteilte. Im Gegensatz zu sonst habe die Bäckerei Nennhuber, Pate des Hauses, die Brötchen für den Minister-Empfang diesmal sogar bezahlt bekommen, kommentierte Seidler lachend. Auch diese Art der Unterstützung sei neben den finanziellen Zuwendungen Gold wert – und nur so könne das Haus den Zusammenhalt der Generationen stärken.

Um den „Aufbau und die Unterstützung der Bürgergesellschaft“ ging es im dritten Vortrag, in dem Tobias Lauer über das Projekt „Soziale Stadt“ informierte. In Groß-Zimmern stehen hierbei vor allem die „Blöcks“ in Angelgarten- und Dresdner Straße im Fokus. Hier leben 709 Menschen in 263 Wohnungen, 35 Prozent Ausländer und geschätzte 60 bis 70 Prozent mit Migrationshintergrund, weshalb das „Quartier“ als sozialer Brennpunkt im Ort gilt. Lauer sprach in diesem Zusammenhang von 1 500 freiwillig geleisteten Arbeitsstunden durch mehr als 100 Bürger. Dabei entstand unter anderem ein Spiel- und Grillplatz.

„Kreativ, engagiert, bemerkenswert“

Als „kreativ, engagiert, bemerkenswert“ bezeichnete Banzer in seinem abschließenden Statement das vorgestellte, dreifache Engagement in Groß-Zimmern. Die Idee des Mehrgenerationenhauses sei es ja gerade, einzelne Gruppen füreinander zu interessieren und zu verweben. „Und das ist hier ganz gut gelungen, glaube ich.“ Generell seien generationenübergreifende ja eher Veranstaltungen selten, was sich auch bei der Bundesliga zeige. Dieses Beispiel kurz vor dem Abschied des Ministers mochte Wichmann nicht stehen lassen: Bei Eintracht Frankfurt gebe es gar einen Familienblock, korrigierte er kritisch.

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