Es geht um die Wurst

Schlachtfest des Kerbvereins lockt auch Jüngere an

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Teller voller Wellfleisch, Blut- und Leberwurst: Den vier Herren mundete die Schlachtplatte ganz offensichtlich. Die Gäste des Kerbvereins verbrachten einen zünftigen Abend im Gewölbekeller des Glöckelchens.

Groß-Zimmern - Der Kerbverein hat am Samstagabend zum Schlachtfest in den Gewölbekeller des Glöckelchen geladen. Ganz offensichtlich wollten sich viele Groß-Zimmerner dieses heute nicht mehr so häufige Ereignis nicht entgehen lassen.

Die Vorfreude der Anwesenden war sichtlich groß und alle haben einen ordentlichen Hunger mitgebracht. Zwei Töpfe mit brodelndem Inhalt standen schon auf einem Tisch und machten manchem Anwesenden den Mund wässrig. Erika Geier isst eigentlich gerne Metzelsuppe, die es am Samstagabend als Vorspeise gab, aber an diesem Abend hielt sie sich zurück. „Heute freue ich mich so richtig auf den Pfeffer“, sagte sie. Während alle anderen Gäste ihre Metzelsuppe in sich hinein löffelten, wartete sie auf die Hauptspeise. „Früher haben wir noch selber geschlachtet“, erinnerte sich Erika Geier, die mit ihrem Mann Helmut zum Schlachtfest des Kerbvereins gekommen ist. Auch in der Familie sei der „Pfeffer“ beliebt, die Zimmnerin hat extra eine kleine Plastikdose mitgebracht. „Wenn noch ein wenig Pfeffer übrig bleibt, dann soll ich meinem Enkel etwas mitbringen“, lachte sie. Doch um was handelt es sich bei dem „Pfeffer“ eigentlich?

Mit der Metzelsuppe, bei der richtig zugelangt wurde, begann das Schlachtfest des Kerbvereins.

Holger Reitz, der mit seinem Vater Peter schon um 6 Uhr in der Wurstküche stand und die Würste ganz frisch zubereitete, erklärte gerne, was der Pfeffer ist: „Viel Weißbrot wird mit ein wenig Metzelsuppe und Blut verrührt und kräftig gewürzt.“ Die Gäste des Schlachtfestes des Kerbvereins verteilten das Gemisch großzügig auf Wellfleisch, Blut- und Leberwurst und dem Stampes, den es zusammen mit Sauerkraut als Hauptspeise gab. Die Metzelsuppe, die Brühe – in der Graupen schwimmen und das Fleisch und die Würste gekocht worden sind – hat den Hunger bei weitem noch nicht gestillt.

Nicht nur ältere Besucher sind gekommen, sondern auch jüngere Zimmerner hat es zum Schlachtfest gezogen. Matthias Hix, Kerbjahrgang 1995/96, und Meike Hermann, Schwester des aktuellen Kerbmädchens, können sich noch an Schlachtfeste erinnern. „Unsere Großeltern haben das noch gemacht“, sagte Hermann, „hier gibt es das wohl noch öfter als in der Stadt.“

Kerb 2017 in Groß-Zimmern: Bilder

Auch Tobias Müller aus Eppertshausen, der sich seinen Zimmerner Freunden angeschlossen hat, ist mit 25 Jahren noch jung, kann sich aber ebenfalls an Schlachtfeste in der Umgebung erinnern.

Bevor zu Löffel, Messer und Gabel gegriffen wurde, hat Holger Reitz noch Informatives zur Wurst beigesteuert. Die Deutschen essen durchschnittlich pro Person jährlich 30 Kilogramm Wurst und können dabei unter 1 500 Wurstsorten auswählen. Thomas Beutel steuert zur allgemeinen Erheiterung und damit auch der kulturelle Teil nicht zu kurz kommt, ein Gedicht von Franz Poppe bei: „Nach dem Schlachten hängt das Schwein bis zum Abendgrauen, dann kommt der Schlächter auszuhauen und einzusalzen, zu zerstücken, die Schinken, Rippen, Kopf und Rücken. Seht nur wie fett. Das Schwein wiegt rund, ich wette, an die dreihundert Pfund.“

300 Pfund verspeisten die Gäste des Kerbvereins nicht, aber sie ließen es sich sichtlich schmecken. (zba)

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