Kultur- und Kerbverein erinnert an frühere Tradition

Schlachtplatte mit Hauch von Nostalgie

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Mit hausmacher Wurst verwöhnte der Vorstand des Kultur- und Kerbvereins am Samstag die Besucher seines neunten Schlachtfests.

Klein-Zimmern - Noch vor wenigen Jahrzehnten waren Hausschlachtungen an der Tagesordnung. Der Kultur- und Kerbverein erinnerte an die frühere Tradition. Von Ursula Friedrich

„Im Herbst wurden die Schweine per Bolzenschuss getötet, das Blut fing man in Schüsseln auf, und der Metzger zerteilte die Sau in Koteletts, Bauchfleisch, Teile für Presskopf, Leberwurst und mehr“, der Vorsitzende des Kultur- und Kerbvereins Klein-Zimmern (KuK) Walter Götz schilderte halb vergessene Bräuche.

Beim zünftigen Schlachtfest des KuK auf dem Gaaßplatz flackerten diese alten Zeiten wieder auf. Rund 500 Leber-, Brat- und Blutwürste hatte der Klein-Zimmerner Metzger für die Feier hergestellt. Die Sau aus heimischem Stall wurde eigens für das Fest geschlachtet.

Am dampfenden Zuber mit dem zartrosa Kesselfleisch stand Götz, passionierter Hobbykoch und Kenner der Materie. Zwiebeln, Lorbeerblätter und mehr brodelten im Sud, um dem Fleisch eine würzige Note zu verleihen.

Der KuK-Vorstand servierte hausmacher Wurst mit Kraut und zünftigem Weizensaft – fürs kleine Geld gab es einen Schnaps zur besseren Verdauung. Das Schlachtfest war trotz widrigen Wetters Anziehungspunkt für viele Gäste. Im gut beheizten Zelt rückte man zusammen, schlemmte und pflegte das Miteinander. „Toll, dass der KuK diese alten Bräuche wieder belebt“, bekräftigten einige Besucher, die doch Mühe hatten, die pfundige Schlachtplatte auf vollen Tellern zu verzehren.

Wer bleiben wollte, konnte anschließend mit Kaffee und Kuchen nachlegen. Bis in die Abendstunden wurde zünftig gefeiert. Den Erlös seines Fests spendet der Verein wieder den Kleinsten, den Kindern der Kita Blumenstraße und der Geißbergschule.

Nicht nur ein Hauch von Nostalgie wehte beim Schlachtfest unter der Zeltplane, es war auch ein Bekenntnis zu qualitativ hochwertigem, heimischem Fleisch.

Rund 60 Millionen Schweine werden jährlich in Deutschland geschlachtet – überwiegend Tiere aus anonymer Massentierhaltung, die dank Wachstumshormonen nach wenigen Monaten ihr Schlachtgewicht erreichen. In der modernen Fleischindustrie töten Mitarbeiter bis zu zehn Schweine in der Stunde – häufig zu Dumpinglöhnen unter acht Euro. „Die Tiertransporte gehören endlich abgeschafft“, brummelte Götz.

Dass die Frankfurter Würstchen vom Schwein und nicht nur aus der Frischetheke des Supermarkts stammen, weiß heute nicht mehr jedes Kind. Anders war es in der Jugend vieler Bürger, die beim KuK-Schlachtfest Platz nahmen.

Der gebürtige Klein-Zimmerner Dieter Breit erinnerte sich noch gut an seine Kindertage, als die Familie Schweine hielt und im Herbst Schlachtzeit war. „Die Oma hat in einer Schüssel das Blut gerührt und der Metzger hatte so viel Schnaps getrunken, dass ich als kleiner Knirps das Fleischbrät abschmecken musste“, schilderte der ältere Herr. „Und zum Schluss hat die ganze Nachbarschaft auf die Metzelsupp´ gewartet.“

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