Schnee schützt Eier vor Bruch

Groß-Zimmern (bea) ‐ Was passiert, wenn ein rohes Ei zweieinhalb Meter in die Tiefe fällt? Klar, es geht kaputt. Doch das lässt sich wohl auch verhindern. Für diese kniffelige Aufgabe haben die Jugendlichen der siebten Haupt- und Realschulklassen der Albert-Schweitzer-Schule (ASS) nicht gerade viel Material zur Verfügung: 25 Strohhalme, 1,30 Meter Klebestreifen, eine Schere und natürlich ein rohes Ei.

50 Minuten Zeit haben die Schüler, die in Vierergruppen aufgeteilt sind, um ein Sicherungssystem zu bauen, das verhindert, dass das Ei beim Sturz zerbricht. Eine Gruppe zerstört ihr Ei schon während der Arbeiten, was zu Vorwürfen und Streit führt. Die anderen drei Teams haben phantasievolle Strohhalmgebilde um das Oval gebaut, die den Aufprall mildern sollen. Punkte gibt es nicht nur für ein heiles Ei, sondern auch für ausgefallene Kreationen oder auch Namen der Eirettungssysteme.

Den „Eierkäfig“ stellt Valentina von der Gruppe 1 vor. Johanna Schmidt vom Bildungswerk der hessischen Wirtschaft (BWHW) steht auf einem Stuhl und lässt das Gebilde im Käfig in den Schnee fallen. Jubel unter den Gruppenmitgliedern, das Ei bleibt heil. Auch das Modell „HIS“ - „Das sind die Anfangsbuchstaben unserer Namen“, erklärt Isam - schützt das Ei beim Aufprall, gleiches schafft das „Panzerei“.

„Der Schnee war´s“

Das Experiment wird in der Klasse auf dem Linoleumboden wiederholt und keines der Eier übersteht den Sturz. „Der Schnee war's“, erklärt Schmidt, der die hohe Überlebensrate der Eier gleich suspekt war. Aber eigentlich ging es bei dem Projekt gar nicht um die Eier, sondern um Kompetenzen von Schülern.

Während die an ihren Sicherungssystemen arbeiteten, wurden sie von zwei Lehrkräften und zwei Mitarbeiterinnen des BWHW beobachtet, wie sie zusammen arbeiteten, wer gegebenenfalls den Ton angab und wie die Atmosphäre in der Gruppe war. In einem Feedback-Gespräch am Ende des zweitägigen Workshops erfahren die Schüler dann die Einschätzungen ihrer Beobachter.

Selbsteinschätzung und Fragebogen sollen bei der Berufsfindung helfen

Eine Aufgabe der Schüler ist jedoch auch, sich selbst einzuschätzen. So begann der erste Tag nach der Vorstellung der BWHW-Mitarbeiterinnen und des Konzepts mit einem Selbsteinschätzungsbogen. Auch nach dem Eierversuch erhalten die Schüler einen Fragebogen. Hier werden Interessensausprägungen abgefragt, die auf eine Präferenz für bestimmte Berufsgruppen hinauslaufen.

Schmidt erklärt sechs verschiedene Fähigkeits- und Interessensdimensionenwie etwa eine praktisch-technische Ausrichtung. „Dazu gehören Berufe wie Autolackierer, Fliesenleger oder Gärtner“, erklärt Schmidt. Bei der künstlerisch-sprachlichen Dimension nennt die BWHW-Mitarbeiterin Branchen wie Fotografin, Raumgestalterin oder Floristin.

Alle Erkenntnis bei den Schülern bleibe eine Momentaufnahme

Letztendlich sollen Schüler so relativ früh erkennen, wo ihre Kompetenzen liegen und welche Stärken sich unter Umständen auch auf ihre Berufswahl auswirken. Melanie Meißner vom Bildungswerk der Wirtschaft relativiert jedoch: „Die Beobachtungen, die wir machen, sind Momentaufnahmen. Da kann sich bei den Schülern noch viel ändern“.

In der neunten Klasse soll die Studie mit den selben Schülern wiederholt werden. Dann dann sind die Hauptschüler wahrscheinlich schon beim Bewerbungs-Schreiben. Für die Realschüler bleibt etwas mehr Zeit, um sich für einen Beruf zu entscheiden und sich der eigenen Kompetenzen bewusst zu werden.

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